Harburg
Autoverkehr

Carsharing bald auch in Seevetal?

Die Cambio-Station in Winsen am Schlossring ist bisher die einzige im Landkreis Harburg

Die Cambio-Station in Winsen am Schlossring ist bisher die einzige im Landkreis Harburg

Foto: Christiane Tauer / HA

Politiker wollen über Zusammenarbeit mit der Firma Cambio beraten, die bereits in Winsen und Lüneburg aktiv ist

Seevetal.  Lohnt sich Carsharing in einer Flächengemeinde wie Seevetal, der noch dazu ein großes, zentrales Zentrum fehlt? Diese Frage stellen sich jetzt die Fraktionen des Gemeinderats in ihren internen Beratungen.

Auf Initiative von Bündnis 90/Die Grünen war Cornelia Busse von der Firma Campus Management in die jüngste Sitzung des Wege- und Verkehrsauschusses der Gemeinde gekommen und berichtete von ihren Erfahrungen. Campus Management ist für das Carsharing-Unternehmen Cambio in der Metropolregion Hamburg zuständig und betreut dort die Standorte Lüneburg, Winsen und Uelzen. „Wir gehen dahin, wo andere Carsharing-Unternehmen nicht hingehen“, sagte Cornelia Busse. Also durchaus auch nach Seevetal, wo Cambio genügend Potenzial für drei bis vier Fahrzeuge zur stunden- oder tageweisen Vermietung sieht. Wichtig wäre dem Unternehmen nur, dass das Angebot von der Gemeinde auch wirklich gewollt ist.

In Lüneburg, wo sich das Carsharing aus dem studentischen Umfeld heraus etabliert hat, betreibt Cambio derzeit beispielsweise 14 Stationen. In Winsen ist es bisher nur eine Station, und zwar der Parkplatz am Schlossring, auf dem momentan zwei Fahrzeuge bereitstehen. „Ein weiterer Standort am Bahnhof ist geplant, wir warten nur noch auf die Fertigstellung des Parkhauses“, sagt Cornelia Busse.

Ihre Erfahrungen in Winsen bezeichnet sie als durchaus gut, gleichwohl räumt sie ein, dass man noch mehr tun könnte, um das Angebot in der Luhestadt bekannter zu machen. Nach Auskunft von Theodor Peters, Sprecher der Stadt Winsen, habe die Stadt bei der Vertragsunterzeichnung mit Cambio vor vier Jahren entschieden, bis zu fünf Plätze kostenlos zur Verfügung zu stellen. Eine zeitliche Befristung des Angebots gibt es nicht, es steht Cambio frei, die Zusammenarbeit fortzuführen oder zu beenden.

Eine der insgesamt 1283 Fahrberechtigten, die Cambio in der Metropolregion zählt, ist Martina Rudolph aus Winsen-Luhdorf. Die 48-Jährige arbeitet im Einzelhandel im IT-Bereich, hat einen 14 Jahre alte Sohn und nutzt seit etwa zwei Jahren das Carsharing. „Ich fahre viel mit dem Fahrrad, eigentlich brauche ich das Auto nur fürs Einkaufen oder wenn es regnet“, sagt sie. Zur Arbeit fährt sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Zwei- bis dreimal die Woche sei sie im Durchschnitt aber doch auf ein Auto angewiesen, etwa wenn sie einen Arzttermin in der Nachbargemeinde hat, die sie mit der Bahn schlecht erreichen kann, oder wenn sie eine Freundin in Halstenbek nördlich von Hamburg besuchen will und keine Lust auf Stress durch mehrmaliges Umsteigen hat. „Ich bin beruflich auch oft in Köln, und selbst da kann ich Cambio nutzen“, sagt sie. Im Schnitt zahlt sie monatlich 150 Euro für den gemieteten Wagen, hat aber keine weiteren Kosten etwa durch Reparaturen, TÜV oder Versicherung.

Wichtig sei nur, dass man sein Auto rechtzeitig reserviere. „Wer kurzfristig bucht, kriegt in Winsen manchmal keins mehr“, sagt sie. Sie hofft deshalb, dass Cambio in der Stadt bald mehr Fahrzeuge bereitstellt, damit man auch spontaner entscheiden kann. Für Heilig Abend und Silvester hat sich Martina Rudolph schon mal ein Fahrzeug gesichert.

Ansonsten weiß sie, dass man als Carsharer oftmals nicht den bequemen Weg eines Autobesitzers gehen kann. Einmal brauchte sie beispielsweise ein größeres Gefährt als den Ford Fiesta, der in Winsen zur Verfügung steht, und musste dafür extra ein Auto aus Lüneburg holen. Zudem ist es generell so, dass der Wagen immer dorthin zurückgebracht werden muss, wo man ihn ausgeliehen hat. Ein in Winsen entliehenes Fahrzeug kann nicht in Hamburg abgestellt werden.

„Wer weniger als 10.000 Kilometer im Jahr zurücklegt, fährt mit Carsharing meist günstiger als mit einem eigenen Auto“, lenkt Cornelia Busse den Blick auf die Vorteile des Mietmodells. Zur einmaligen Anmeldegebühr in Höhe von 30 Euro komme bei Cambio, das auf 25 Jahre Erfahrung am Markt zurückblicken kann, lediglich eine monatliche Grundgebühr von drei bis 25 Euro hinzu, dazu die Fahrtkosten, die sich aus Zeit- und Kilometerpreis berechnen. Benzin ist inklusive.

Sollte sich die Gemeinde Seevetal für eine Zusammenarbeit mit Cambio entscheiden, würde das Unternehmen mindestens zwei Jahre lang die Entwicklung beobachten. Sicherlich, in der Gemeinde gebe es ein gut aufgestelltes Busnetz, sagt Cornelia Busse. Und sie habe gespürt, dass sich die Politiker im Ausschuss nicht gerade vor Begeisterung überschlugen. Von vornherein aufgeben würde sie aber nicht. „Manchmal muss man einfach Versuche wagen.“