Harburg
Hannoversche Straße

Behörde ratlos: Trucker ignorieren Sperrung

Engpass Hannoversche Straße. Wegen der Brückenschäden gibt es Barrieren für schwere Lkw. Ein leichter Lkw passt haarscharf durch. Der Beifahrer dirigiert den Fahrer durch das Nadelöhr

Engpass Hannoversche Straße. Wegen der Brückenschäden gibt es Barrieren für schwere Lkw. Ein leichter Lkw passt haarscharf durch. Der Beifahrer dirigiert den Fahrer durch das Nadelöhr

Foto: Jochen Gipp / HA

Der Engpass vor der maroden Hannoverschen Brücke ist weithin mit Schildern angekündigt. Dennoch fahren Brummi-Piloten immer noch in das Nadelöhr.

Harburg.  Da geht nicht mehr viel. Die seit Anfang November aufgestellten Beton-Barrieren auf der Hannoverschen Straße, die mit einer Durchfahrtsbreite von 2,10 Meter alle schweren Lastwagen von der maroden Spannbetonbrücke über die Bahngleise der Strecke Harburg-Cuxhaven fernhalten sollen, sorgen am laufenden Band für abenteuerliche Verkehrssituationen und zum Teil heikle Wendemanöver.

„Was sollen wir tun“, fragt Ralf Geißler, stellvertretender Leiter der Straßenverkehrsbehörde im Harburger Polizeikommissariat 46, „wir haben erst seit Anfang dieser Woche noch mehr Schilder weiträumig aufstellen lassen, die auf diesen Engpass hinweisen.

Aber es gibt doch einige Lkw-Fahrer, die diese Hinweisschilder offenbar nicht richtig deuten können und erst vor der Absperrung erkennen, dass es für sie hier nicht mehr weiter geht. Möglicherweise verlassen sie sich auch zu sehr auf ihre Navigationsgeräte und achten schon gar nicht mehr auf Verkehrsschilder.“

Seit Anfang dieser Woche sind die Beton-Barrieren auch mit zusätzlichen Stahlträgern auf der Fahrbahn verankert. Zuvor waren Lkw-Fahrer ohne Rücksicht zu nehmen in die Barrieren hinein gefahren und hatten diese beim Durchfahren zur Seite geschoben. Diese Ellenbogenmethode des Durchdrängelns funktioniert nun mit Hilfe der in die Fahrbahn eingelassenen Stahlträger nicht mehr.

Ursprünglich hatte es gar keine Beton-Barrieren gegeben. Anfang September hatte der Hamburger Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) im größeren Umkreis an den Zufahrtsstraßen lediglich ein Durchfahrtsverbot auf der Hannoversche Straße angekündigt, für Fahrzeuge von mehr als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht.

Diese Schilder fanden kaum Beachtung. Fast wie eh und je donnerten die 40-Tonner weiter über die 73 Meter lange und 24 Meter breite Spannbetonbrücke aus dem Jahr 1956. Geißler: „Es ging nicht anders. Deshalb wurden Anfang November die Beton-Barrieren mit der Durchfahrtsbreite von 2,10 Meter aufgestellt. Hinzu kamen die Hinweisschilder.“

Die Brücke ist noch nicht einsturzgefährdet, aber ihre Belastbarkeit ist nach knapp 60 Betriebsjahren bereits deutlich eingeschränkt. Bei Prüfungen waren Mängel an den tragenden Stahldrähten des Spannbetons festgestellt worden, weshalb der LSBG die schweren Lastwagen nicht mehr duldet. Ein paar Monate muss das Bauwerk noch durchhalten.

Voraussichtlich Ende 2016 soll die Brücke abgerissen und anschließend und durch einen in der Länge etwas verkürzten Neubau ersetzt werden. Die neue Brücke soll nach einer Schätzung aus dem Jahr 2012 etwa zehn Millionen Euro kosten. Für die Abriss- und Neubauzeit, die voraussichtlich mehr als ein Jahr beträgt, wird die Hannoversche Straße zwischen Seevestraße und Buxtehuder Straße voll gesperrt.

Umleitungsstrecken sind dann für alle Verkehrsteilnehmer wie schon jetzt für den Schwerlastverkehr ausgeschildert: Ab A1-Autobahn-Anschluss Harburg-Neuland fließt der Verkehr über Großmoorbogen, Großmoordamm, Walter Dudek-Brücke zur Kreuzung Hannoversche Straße/Buxtehuder Straße. Oder durch das Gebiet des Harburger Binnenhafens über die Neuländer Straße oder die Seevestraße in Richtung A7.

Geißler: „Zusammen mit dem LSBG achtet die Polizei auch in Zukunft auf die Verkehrsentwicklung im Bereich der teilgesperrten Brücke. Wir hoffen, dass sich die Verkehrsteilnehmer darauf einstellen und keine noch größeren Barrieren aufgestellt werden müssen.“

Täglich fahren laut einer Zählung vom April 2014 gut 21.100 Fahrzeuge über die Brücke Hannovbersche Straße, darunter etwa 1.150 Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen. Für die in der Nachbarschaft, beim Harburger ZOB, stehende Walter-Dudek-Brücke gibt es nur eine bereits acht Jahre alte Verkehrszählung. Demnach fahren täglich etwa 28.800 Fahrzeuge über die Brücke, davon etwa 1.460 Lastwagen.

Zu dem Zustand der maroden Brücke Hannoversche Straße hat die Sprecherin der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Susanne Meinecke, mitgeteilt: „Die 73 m lange Brücke wurde 1956 in der damals noch jungen Bauweise als Spannbetonbrücke hergestellt. Spannbetonbrücken aus dieser Zeit weisen häufig Schwachstellen auf, die durch Verstärkungsmaßnahmen behoben werden müssen oder die zu einem vorzeitigen Abbruch führen. Dies trifft auch auf die Hannoversche Brücke zu.

Bei Bauwerksuntersuchungen wurde eine deutliche Zunahme der Schäden festgestellt. Statiker haben berechnet, dass infolge der Schäden die Standsicherheit der Brücke nicht mehr ausreichend gegeben ist und Nutzungseinschränkungen erforderlich sind.

Der Beginn der Baumaßnahme für den Abbruch und Neubau der Brücke ist für die zweite Jahreshälfte 2016 vorgesehen. Bis dahin wird das Bauwerk intensiv überwacht, um eine weitere Schadenszunahme rechtzeitig erkennen zu können.“