Harburg
Protest

350 Menschen gehen in Neugraben auf die Straße

Der Protestzug zieht die Straße Bauernweide entlang

Der Protestzug zieht die Straße Bauernweide entlang

Foto: Bianca Wilkens / HA

Menschen in Neugraben-Fischbek demonstrieren gegen die massenweise Unterbringung von Asylbewerbern in ihrem Stadtteil

Neugraben.  Etwa 350 Menschen haben am Sonntagnachmittag in Neugraben gegen die geplante Unterbringung von bis zu 4200 Flüchtlingen in ihrem Stadtteil protestiert. Die neu gegründete Bürgerinitiative (BI) Neugraben-Fischbek hatte zu dem Protestmarsch aufgerufen. Sie fordert den Hamburger Senat auf, höchstens 1500 Asylbewerber in Neugraben-Fischbek unterzubringen.

Der Sprecher der Bürgerinitiative, Uwe Schröer, wirft dem Senat vor, sonst Rechtsextremen den Boden zu bereiten. „Wir wollen keine Übergriffe auf ausländische Mitbürger. Denn so tickt Neugraben nicht“, ruft er zum Auftakt der Kundgebung auf dem Neugrabener Marktplatz. 4200 Asylbewerber seien in einem Stadtteil aber nicht zu integrieren. Die Menschen seien beunruhigt, sagt Schröer. „Die Herren im Rathaus sehen leider nicht, dass sie Ghettos schaffen werden.“

Die Demonstration steht unter dem Motto „Neugraben geht in die Luft“. Symbolisch lassen die Teilnehmer etwa 300 schwarze Luftballons aufsteigen, um die Kritik an den Senat in die ganze Stadt zu tragen: Die Ballons tragen Schlagworte wie „Ghetto“, „Konzept?“ oder „Demokratie?“.

Am 25. Oktober hatte die Bürgerinitiative bereits etwa 1500 Menschen mobilisiert. Bei strömenden Dauerregen seien 350 Menschen erneut ein starkes Signal, so BI-Mitglied Eike Ludwig. Die Bürgerinitiative wolle weiter kontinuierlich Menschen auf die Straße bringen.

Die Demonstranten betonen, sie seien keine Rechtsradikalen. Sie haben weder Glatzen noch tragen sie Springerstiefel. Es sind Bürger aus der Mitte der Gesellschaft in Funktionsjacken und Turnschuhen. Auch Kinder sind dabei und verteilen Luftballons. Einige ergraute Bürger sind darunter und klammern sich an ihre Regenschirme. Sie berichten davon, wie viel sie schon für den Stadtteil Neugraben-Fischbek getan hätten und dass sie nun um seine Zukunft fürchten müssten.

Es ist insbesondere die Zahl, die den Bürgern Angst macht: 4.200 Flüchtlinge in einem Stadtteil. Die Bürger fürchten sich vor Zuständen wie in den Vororten von Paris, in denen vor Jahren chancenlose und sozial benachteiligte Jugendliche randalierten. „Mit einer so hohen Anzahl von Flüchtlingen schafft man Voraussetzungen wie in den Pariser Vororten“, sagt Michael Majer, 48, aus Neugraben, der sich beruflich mit Arbeits-, Gesundheits- und Sicherheitsfragen beschäftigt. „Die Bildung und Sicherheit wird immer mehr heruntergefahren. Wie soll man da eine Integration von den vielen Flüchtlingen bewerkstelligen?“, fragt er.

Seine Partnerin Heike Wiechmann, 51, Bilanzbuchhalterin stimmt ihm zu. Sie denkt vor allem an die vielen Kinder, schätzungsweise 800, die nach Neugraben-Fischbek ohne Sprachkenntnisse kommen und integriert werden sollen. „Das können die Schulen nicht auf einmal wuppen“, sagt sie. Ihr Eindruck ist, dass Hamburg die Flüchtlingsproblematik in den Süden verschiebe. Sie fordert eine ausgewogenere Verteilung der Flüchtlinge auf das ganze Stadtgebiet. „Ich bin auch ein Bürger dieser Stadt und möchte berücksichtigt werden.“

Immer wieder kommen die Bürger in den Gesprächen auf die Vergangenheit – auf Probleme und Herausforderungen, denen sie sich bei der Integration von Migranten etwa in der Siedlung Sandbek und im Nachbarortsteil Neuwiedenthal stellen mussten. Wilfred Gronkowski, 64, leitender Angestellter aus Fischbek hat Verständnis für die Menschen, die aus Angst vor Bombenterror ihr Heimatland verlassen. „Aber so viele an einem Ort wird zu einem sozialen Brennpunkt führen. Das wird nicht gut gehen“, sagt er.