Harburg
Familienzentrum Meckelfeld

Hier sind die Kleinen ganz groß

Die Krippengruppe der Kita mit (von links) Marie, Luca und Ole ist nur eines von vielen Angeboten des Familienzentrums

Die Krippengruppe der Kita mit (von links) Marie, Luca und Ole ist nur eines von vielen Angeboten des Familienzentrums

Foto: Christiane Tauer / HA

Im neuen Stillcafé des Familienzentrums Meckelfeld können Mütter Experten Fragen stellen und andere Mütter treffen

Meckelfeld.  Quietschvergnügt sitzt Livia auf Mamas Schoß. Judith Yomi hat alle Mühe, ihr acht Monate altes Energiebündel festzuhalten. „Eigentlich ist alles super“, sagt sie lächelnd. Aber so allmählich mache sie sich doch Gedanken, dass die Kleine immer noch nichts anderes zu sich nehmen will als Muttermilch. Die Eißendorferin ist deshalb ins Stillcafé mit angeschlossener Mütterberatung ins Familienzentrum Meckelfeld gekommen. Über ihre Mutter, die in Meckelfeld lebt, habe sie von dem neuen, wöchentlichen Angebot der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde erfahren, erzählt sie. Jetzt sitzt sie bei Stillberaterin Sabine Roßnick und lässt sich erklären, wie sie ihrer Tochter das feste Essen nach und nach schmackhaft machen kann.

Mütter wie Judith Yomi fühlten sich mit ihren Sorgen häufig allein gelassen, sagt Kirchenvorstandsmitglied Gehrd Grothusen. In den Kinderarztpraxen sei oftmals keine Zeit für ausgiebige Beratung, da bliebe vielen nur noch das Internet, wenn sie den Rat von Experten suchen, sagt er. „Nur leider gibt es im Netz auch viele falsche Informationen.“ Der pensionierte Kinderarzt hat deshalb gemeinsam mit Silke Lührs, ebenfalls Kirchenvorstandsmitglied und Organisatorin des Familienzentrums, das Stillcafé ins Leben gerufen.

Anders als beispielsweise Hamburg besitzt der Landkreis Harburg kein flächendeckendes Netz an staatlichen Mütterberatungszentren. Zudem wird es auch bei der Hebammenversorgung immer enger, denn viele Geburtshelferinnen, die auch noch einige Wochen nach der Geburt der Mutter beistehen, geben aufgrund von Versicherungsschwierigkeiten ihre Praxen auf. Wohin sollen sich die jungen Mütter also wenden, wenn das Stillen partout nicht funktionieren will, das Kind Schwierigkeiten beim Einschlafen hat oder sie nicht wissen, ob sich das Baby gut entwickelt? „Die Mütter sind verunsichert und fühlen sich einem großen Druck ausgesetzt“, sagt Silke Lührs. Mit dem neuen Angebot wolle das Familienzentrum helfen.

Sie betont dabei, dass sich die Mütterberatung zum einen nicht nur an Stillende richtet, sondern auch an Mütter, die ihre Babys mit der Flasche füttern. Zum anderen sind auch Schwangere willkommen, die wissen wollen, welche Möglichkeiten der Entbindung es gibt, wie eine Geburt überhaupt abläuft oder wie sich ihr eigener Körper nach Schwangerschaft und Geburt wieder erholen kann.

Darüber hinaus verweist Silke Lührs auf ein weiteres Problem: Viele Mütter, aber auch Kinder, leiden unter Kontaktarmut. Die Frauen sind den ganzen Tag mit ihren Babys alleine zu Hause und gehen höchstens zum Einkaufen vor die Tür. So entsteht schnell Frust. „Bei uns können sie Mütter von gleichaltrigen Kindern treffen und sich untereinander austauschen“, sagt sie. Denn über die Mütterberatung ist eine Vernetzung zu den Mutter-Kind-Gruppen des Familienzentrums möglich, die dort bereits seit mittlerweile 37 Jahren angeboten werden und die in Zeiten, in denen es noch keine Krippenplätze für unter Dreijährige gab, die einzige Möglichkeit für junge Eltern waren, ihre Kinder mit Gleichaltrigen spielen zu lassen. „Zu Spitzenzeiten hatten wir hier 100 Kinder“, erinnert sich Silke Lührs.

Von solchen Zahlen sind Katrin Langenbeck und Annika Wesolowski heute weit entfernt. Die beiden Gruppenleiterinnen bieten derzeit zwei feste Gruppen für bis zu zehn Mütter mit ihren Kindern an. Das zweieinhalbstündige Angebot läuft immer donnerstags parallel zum Stillcafé sowie am Freitag und richtet sich an unter Dreijährige, die nicht in die Krippe gehen, aber trotzdem soziale Kontakte knüpfen sollen. „Und natürlich ist es auch für viele Mütter wichtig, dass sie einfach mal rauskommen“, sagt Katrin Langenbeck.

Weitere Angebote des Familienzentrums sind die musikalische Früherziehung, die laufend mit neuen Kursen startet, sowie eine Krippengruppe für 15 Kinder und drei Elementargruppen für je 20 Kinder. Der Kindergarten besteht seit mehr als 40 Jahren und war der erste in Meckelfeld, wenn nicht sogar in ganz Seevetal.

Für Judith Yomi hat sich der Besuch im Familienzentrum auf jeden Fall gelohnt. Sie geht mit dem Wissen nach Hause, dass sie nicht die einzige Mutter ist, bei der sich das Baby nicht wie aus dem Lehrbuch entwickelt. Stillberaterin Sabine Roßnick hat ihr Mut gemacht. Sie hat ihr empfohlen, der kleinen Livia trotz ihrer Abneigung gegen Breie immer wieder ohne Druck die unterschiedlichsten Sachen anzubieten. Sie hat ihr die Lektüre des Buches „Mein Kind will nicht essen“ von Carlos Gonzalez ans Herz gelegt. Und sie hat ihr geraten, dass gemeinschaftliche Essen zu einem festen Ritual werden zu lassen. Ein Patentrezept gebe es aber nicht, räumt sie ein. „Man muss sich jedes Kind einzeln anschauen.“

Das Stillcafé mit Mütterberatung findet immer donnerstags von 10 bis 12 Uhr im Familienzentrum Meckelfeld, Glockenstraße 3-5, statt. Weitere Informationen gibt es bei Silke Lührs, Telefon 040/7682762, oder im Internet unter www.familienzentrum-meckelfeld.de