Hittfeld/Nenndorf

„Das ist wie ein Sechser im Lotto“

Aufgestiegen: Bezirksschornsteinfegermeister Heiko Wasner

Aufgestiegen: Bezirksschornsteinfegermeister Heiko Wasner

Foto: Martina Berliner / HA

Heiko Wasner ist neuer Bezirksschornsteinfeger in Teilen von Seevetal und Rosengarten. Er musste sich gegen starke Konkurrenten durchsetzen.

Hittfeld/Nenndorf.  Heiko Wasner ist vielen noch in guter Erinnerung: Von 1998 bis 2009 war er stets freundlich und gut gelaunt auf die Dächer von Holtorfsloh, Ohlendorf, Ramelsloh, Horst, Helmstorf, der Lindhorster Heide und Teilen Kleckens gestiegen. Dann hatte der Schornsteinfegermeister den Arbeitgeber gewechselt – und damit auch den Kehrbezirk.

Seit Monatsbeginn ist er zurück in seinem angestammten Revier – als Bezirksschornsteinfeger. Die formale Bestellung durch den Landrat des Landkreises Harburg erfolgt Ende November.

Anders als noch seine Vorgänger Jens Pogunke und Kai Knaack hat sich Heiko Wasner im Rahmen der seit 2013 gesetzlich vorgeschriebenen Ausschreibung gegen Konkurrenz durchsetzen müssen. Dass er den Bezirk bereits gut kennt, sei ausschlaggebend gewesen, glaubt er. „Die Entscheidung war wohl ziemlich knapp. Einer der vier Mitbewerber hat bereits einen eigenen Kehrbezirk und somit diesbezüglich mehr Erfahrung als ich“, sagt Heiko Wasner.

Für ihn bedeutet die Selbstständigkeit einen Sprung ins kalte Wasser. Es galt, binnen kürzester Zeit einen Mitarbeiter zu finden. Keine einfache Sache auf dem engen Handwerkermarkt. Mit Maximilian Langhof hat er einen guten Fang gemacht. Weil er die gute Leistung des 20-Jährigen sehr schätze, entlohne er ihn über Tarif, erzählt Wasner. „Schließlich repräsentiert Maximilian meinen Betrieb nach außen.“ Der Jung-Geselle aus Bienenbüttel stammt aus einer Feger-Familie und übt seinen Beruf mit Leidenschaft aus. Darin gleicht er seinem Chef.

Heiko Wasner bedauert, selbst nun nicht mehr so viel draußen sein zu können. „Als Schornsteinfeger ist man ja ein Handwerker, der – anders als ein Fliesenleger oder Klempner – über Jahre immer wieder ins Haus kommt. Da lernt man seine Kunden gut kennen, von vielen wird man zu einer Tasse Kaffee eingeladen.“ Wind und Wetter, Ruß, Rauch und schwindelnde Höhen haben ihm nie etwas ausgemacht. Allerdings, sagt der 43-Jährige, müsse man auch ans Alter denken. „Irgendwann fällt es nicht mehr so leicht, aufs Dach zu klettern. Da ist es gut, wenn man Chef ist und dafür Mitarbeiter hat.“

Auch wenn er momentan noch topfit ist: Dreiviertel seiner Arbeitszeit verbringt er am Schreibtisch. Entweder im heimischen Döhle oder, um Wege zu sparen, mit Laptop im Zweitbüro im Hause seines Schwiegervaters in Ohlendorf. „Der Verwaltungsaufwand ist enorm, weil es eine starke Dokumentationspflicht gibt. Die Software ist kompliziert. Wenn mich mein ehemaliger Chef, Alf Marquardt vom Kehrbezirk Heidekreis, nicht unterstützen würde, könnte ich die Arbeit im Augenblick nicht schaffen.“

Und das, obwohl er zurzeit täglich 16 bis 18 Stunden ackert. „Bis zum Jahresende muss ich alle 2500 Haushalte meines Bezirks kontrolliert haben. Und es sind noch viele Dinge aus der Vergangenheit aufzuarbeiten.“ Zwei bis drei Jahre werden seiner Einschätzung nach noch vergehen, bis Routine eingekehrt ist. Das Familienleben leide sehr darunter, sagt der Vater zweier Kinder, die erst zwei Jahre beziehungsweise vier Monate alt sind. „Aber ich habe es ja nicht anders gewollt. Für keinen anderen Kehrbezirk hätte ich mich beworben. Aber für diesen musste ich es einfach tun. Weil ich die Leute dort kenne und diese Ecke liebe.“

Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit. Als 2013 die neue Kehrverordnung freie Schornsteinfegerwahl in Punkto Kehren und Messen erlaubte, entschieden sich viele Seevetaler und Rosengartener für Heiko Wasner. „Nur die Schlussabnahme von Feuerstätten und die Feuerstättenschau, die innerhalb von sieben Jahren zweimal erfolgen muss, sind auch weiterhin hoheitliche Arbeiten des Bezirksfegers.“

Dennoch werden wohl die allermeisten Haushalte Wasners Betrieb auch mit dem Fegen beauftragen. Anderenfalls müssten die Eigentümer nämlich selbst dafür Sorge tragen, dass die Arbeiten im vorgeschriebenen Turnus erledigt werden. „Es lohnt ja auch finanziell nicht, jemand anderen zu beauftragen. Das kommt eher teurer. Ein freier Schornsteinfeger muss schließlich die Anfahrtskosten in Rechnung stellen.“

Das ist einer der Gründe dafür, dass sich die Befürchtungen vieler heimischer Schornsteinfeger als unbegründet erwiesen haben. Als die neue Verordnung ihr Monopol aufhob, hatten viele die Sorge gehabt, im EU-weiten Wettbewerb nicht bestehen zu können. „Es gibt heute nicht weniger, sondern mehr Arbeit für uns als früher“, sagt Heiko Wasner.

Denn der Beruf hat sich gewandelt, auch wenn Schornsteinfeger mit rußigem Gesicht, schwarzem Anzug, Zylinder, Besen und Kugel so antiquiert wirken, als seien sie einem Roman von Charles Dickens entsprungen.

Ein moderner Schornsteinfeger sieht zwar noch genauso aus wie vor zweihundert Jahren, aber er ist dennoch viel mehr als ein Kaminkehrer. Er bringt Rauchmelder an, stellt Energieausweise aus und berät zum Thema Energie und Heiztechnik. Lebenslange Fortbildung ist auch in diesem Beruf selbstverständlich.

Nur eines hat sich nicht verändert: Der Schornsteinfeger gilt vielen Menschen noch immer als Glücksbringer. „Die Leute freuen sich, mir zu begegnen und möchten mich gern anfassen. Sie schütteln mir die Hand, kratzen mir Ruß vom Anzug oder drehen an meinen goldenen Knöpfen mit dem Heiligen Sankt Florian“, berichtet Heiko Wasner.

Ihm ist das recht. Er fühlt sich ja selbst als vom Glück begünstigt. „Dass ich diesen Kehrbezirk bekommen habe, ist für mich wie ein Sechser im Lotto.“