Harburg
Heimfe

Uta Falter lebt seit 80 Jahren für die Kunst

Das Lebenswerk der 91-jährigen Künstlerin Uta Falter-Baumgarten wird vom 15. Oktober bis zum 12. November im Privathotel Lindtner ausgestellt

Das Lebenswerk der 91-jährigen Künstlerin Uta Falter-Baumgarten wird vom 15. Oktober bis zum 12. November im Privathotel Lindtner ausgestellt

Foto: Lindtner / HA

Ausstellung im Privathotel Lindtner in Heimfeld zeigt Werke der letzten noch lebenden Bossard-Schülerin

Heimfeld.  „Ich freue mich zwar sehr, bin aber auch froh, wenn alles gut über die Bühne gegangen ist“, sagt Uta Falter-Baumgarten kurz vor Beginn ihrer Vernissage im Heimfelder Privathotel Lindtner . Man unterschätze oft die Anstrengungen, die hinter einer Ausstellung stehen. „Mit dem Entwurf und der Erstellung der Werke ist es nicht getan“, sagt sie. Dazu käme die Konzeption eines solchen Events. „Da geht es um die Höhe der Ausstellungsstücke, die richtige Belichtung, die perfekten Sockel“, sagt Falter-Baumgarten. „Aber die Mannschaft hier im Hotel hat sich rührend bemüht, meine Vorstellungen umzusetzen.“

Kindheit geprägtvon Kunst und Literatur

Uta Falter-Baumgarten ist 91 Jahre alt und immer noch aktiv schaffende Künstlerin. Die in Heimfeld geborene Bildhauerin fand schon als Kind den Weg zur Kunst. „Ich habe immer schon gerne gebastelt und gezeichnet“, sagt die Harburgerin. Von ihren Eltern wurde diese Vorliebe gefördert. Ihr Vater Hermann Baumgarten habe seiner Zeit auch Künstler werden wollen. „Das war in seiner Familie jedoch nicht akzeptiert“, sagt Falter-Baumgarten. Trotzdem sei er kreativ gewesen und habe diese Vorliebe an seine Tochter weitergegeben. „Die Atmosphäre in meinem Elternhaus war geprägt von schöner, interessanter Kunst und Literatur“, sagt sie.

Als sie die 12. Klasse des Gymnasiums besuchte, stimmten die Eltern dem Besuch der Hansischen Hochschule für Künste zu. Die frühe Förderung ihrer Mutter und des Vaters half ihr dabei, an der Kunsthochschule tatsächlich als Studentin akzeptiert zu werden. „Ich wollte meine künstlerischen Ambitionen unbedingt weiterverfolgen“, sagt Uta Falter-Baumgarten. Ob sie von ihrer Leidenschaft mal würde leben können, darüber habe sich die damals 16-jährige Schülerin keine Gedanken gemacht. „Wo das hinführen sollte, war mir völlig unklar. Der Wunsch zu gestalten stand erstmal im Zentrum meiner Bemühungen und Gedanken.“

Die letzte lebende Schülerin desBildhauers Johann Michael Bossard

1941 wechselte die Heimfelderin dann nach einem einführenden Semester in die Bildhauerklasse von Johann Michael Bossard. Heute ist sie die letzte lebende Schülerin des Künstlers. Einblicke in sein privates Schaffen und in sein Anwesen in der Nordheide, das heute als Kunststätte Bossard besichtig werden kann, habe sie in der damaligen Zeit nur wenige erhalten. Falter-Baumgarten beschreibt ihren Lehrer als zurückhaltend. „Seine eigene Person und sein Schaffen stellte er nicht in den Vordergrund. Als Lehrer hat er sich um jeden von uns sehr bemüht. Er war ein pädagogisches Talent.“

Ihr Studium muss die junge Studentin 1944 kriegsbedingt beenden. Fortan leistet sie Kriegsdienst im Kavallerieregiment in Lüneburg. Dort reitet sie als Remontereiterin junge Pferde für das Militär ein. Nach Kriegsende heiratet sie in jungen Jahren einen aus Kriegsgefangenschaft entlassenen jungen Offizier. Zunächst ist sie die Hauptverdienerin der jungen Familie. Um Geld zu verdienen, entwirft sie keramische Formen für die Hebra-Werke in Erbach. Ihr Mann studiert in dieser Zeit Veterinärmedizin. Später hilft sie in seiner Praxis aus.

Neben der Betreuung der drei Kinder und der Arbeit in der Praxis ihres Mannes sei für Kunst wenig Zeit geblieben. Die meisten Werke aus diese Zeit sind Kinderporträts und kleinere Figuren aus Steinguss. Erst mit Mitte 30 fand sie die Zeit wieder „kontinuierlich schaffend zu werden“. 1964 richtet sie sich dann in ihrem Elternhaus in Heimfeld, das sie auch heute noch bewohnt, ihre eigene Werkstatt ein. Ausgestattet mit einem Brennofen, widmete sie sich der Erstellung von Skulpturen. „Mit den eigenen Händen gestalten, ist für mich etwas enorm Erstrebenswertes“, sagt sie.

Im Harburger Privathotel Lindtner stellt die 91-jährige noch bis zum 12. November einige ihrer Werke und Bronzeskulpturen aus. Zuletzt stellte Falter-Baumgarten vor fast 20 Jahren in denselben Räumlichkeiten aus. Nun freuen sich die beiden langjährigen Freundinnen – Hotelchefin Heida Lindtner und Falter-Baumgarten – auf das gemeinsame Projekt. „Ich bewundere die Kraft meiner Freundin“, sagt Lindtner. Die Vernissage läuft unter dem Namen Stationen. Passend zu dem abwechslungsreichen Leben der Heimfelder Künstlerin.

Seit 1979 findet der aufmerksame Harburger ihre Kunst auch inmitten der Fußgängerzone. Die fast zwei Meter hohe Skulptur schmückt seitdem den Platz Lüneburger Tor. „Die Kinderpyramide“ zeigt vier Kinder, die einander auf den Schultern balancieren. Auch bezeichnet als „Harburger Großstadtgören“.