Harburg
Schweinewirtschaft

Ferkelstall soll wieder belegt werden

Siegfried Porth auf seinem Hof im Winsener Ortsteil Borstel. Dort sollen im November wieder Ferkel untergebracht werden

Siegfried Porth auf seinem Hof im Winsener Ortsteil Borstel. Dort sollen im November wieder Ferkel untergebracht werden

Foto: Rolf Zamponi

Stadt Winsen hofft auf Aussiedlung des Hofes in Borstel, Eigentümer ist bereit zu Verhandlungen

Winsen.  Erhard Schäfer (Grüne) hatte sich einiges vorgenommen. Mit zwei Anträgen wollte er am Donnerstagabend zwei Probleme der Stadt deutlich voranbringen: Die ausstehende Sanierung des Albert-Schweitzer Viertels und die missliche Lage aufgrund der Schweinemastanlage in Borstel. Am Ende der knapp zweistündigen Sitzung des Planungsausschusses jedoch waren die Anträge abgelehnt und Schäfer hatte die meisten Politiker und Verwaltungs-Mitarbeiter im Marstall verärgert. Mehrheiten hatte er keine.

Doch der Reihe nach. Für das Albert-Schweitzer-Vierte l plädiert Schäfer für einen Einstieg der Stadt. „Bei einem Kauf würden wir schnell in den Besitz von 189 Wohnungen kommen“, sagte der Politiker. Ein Ansatz, um nicht nur Wohnraum für Menschen zu schaffen, die keine Eigentum erwerben könnten, sondern auch um Flüchtlinge unterzubringen. „Ich möchte den Willen der Stadt sehen, sich im kommunalen Wohnungsbau zu engagieren.“

Problematisch ist jedoch, dass die Wohnungen der insolventen Capricornus gehören und von dieser erst zum Verkauf angeboten werden müssten. In diesem Fall hätte die Stadt ein Vorkaufsrecht. Sie könnte dann selbst kaufen, einen städtebaulichen Vertrag mit dem Käufer über die Sanierung schließen oder über das Vorkaufsrecht einen dritten Interessenten ins Spiel bringen. Doch noch gibt es weder ein klares Signal zum Verkauf, noch einen Käufer für die Wohnungen. „Wir können unser Vorkaufsrecht erst ausüben, wenn es soweit ist“, sagte Rolf Gevers (CDU). Es sei zudem wenig hilfreich, das Thema öffentlich zu behandeln. „Der Markt stellt sich darauf ein, wenn die Stadt Interesse zeigt.“ Ergebnis: Antrag mit fünf gegen vier Stimmern abgelehnt.

Auch mit dem Antrag auf Wiederaufnahme des Bebauungsplanes Borstel Nr. 5 „Im Dorfe“ konnte sich Schäfer nicht durchsetzen. Hintergrund: Mit dem Plan sollte die Lage um den von Wohnhäusern umgebenen Schweinemastbetrieb an der Lüneburger Straße geordnet werden. „Mit dem Plan ließen sich die Interessen auf einen Nenner bringen und Auflagen erteilen“, argumentiert Schäfer. Allerdings hatte zuletzt das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg klar gemacht, dass sich der Hof in einem Dorfgebiet befindet, wo an 15 Prozent der Jahresstunden der Geruch der Tiere hingenommen werden muss. Daher hatte das Gericht die Rücknahme der Baugenehmigung und die Anordnung der Stadt, die Ställe zu räumen als rechtswidrig eingestuft. „Wir haben eine unbefriedigende Situation. Aber wir können mit der Bauleitplanung kein Bundes- und Landesrecht aushebeln“, sagte der Leiter der Stadtplanung, Alfred Schudy. Die Verwaltung hofft darauf, dass der Betrieb doch noch ausgesiedelt werden kann.

Im Publikum hörte sich der Eigentümer des Hofes, Siegfried Porth, die Diskussion an und meldete sich im Ausschuss nicht zu Wort. Er geht davon aus, dass von November an wieder 1200 Ferkel in Borstel großgezogen werden. Über eine Aussiedlung können man aber verhandeln, „Wenn wir mit einem blauen Auge davon kommen. Wir können aber nicht alles bezahlen“, sagte Porth dem Abendblatt.