Harburg
Wachwechsel in Steinbeck

Kurt Hölzer sagt als Bürgermeister Tschüs

Foto: Corinna Panek / HA

Nach fast 40 Jahren Ortsratsmitgliedschaft hat Steinbecks Ortsbürgermeister Kurt Hölzer seinen Rücktritt verkündet.

„Schauen Sie mal, hier hinterm Haus verläuft der Steinbach“, sagt Kurz Hölzer zur Begrüßung. Nach dem Bächlein ist die Buchholzer Ortschaft Steinbeck benannt, deren Belange Hölzer seit fast 40 Jahren vertreten hat. Tags zuvor hat er im Ortsrat angekündigt, sein Amt als Ortsbürgermeister zum 31. Januar niederzulegen.

Im Arbeitszimmer seines Hauses, das voller Ordner und Fotokartons ist, plaudert Hölzer, 78, CDU, drauflos. Nicht allein aus Altersgründen höre er auf. Auch Resignation ist im Spiel. „Meine Idee war, 2016 keinen Ortsrat mehr zu wählen, sondern einen Ortsvorsteher einzusetzen. Dafür hätte ich eine Zweidrittelmehrheit benötigt, doch die FDP wollte das nicht unterstützen“, sagt Hölzer. Ein Argument war, Bürokratie abzubauen, ein weiteres, dass ein Ortsrat wenig Befugnisse hat. Jüngstes Beispiel: Die Steinbecker Grundschule soll erweitert werden, der Ortsrat wurde aber hinsichtlich der Gestaltung vor vollendete Tatsachen gestellt. Hölzer macht keinen Hehl daraus, dass er den grün gestreiften Entwurf unpassend für Steinbeck findet, zumal die gerade erschienene Gestaltungsfibel der Stadt für die Ortschaften Rotklinkern den Vorzug gibt. „Das ist ein Denkmal der Ignoranz gegenüber dem nicht beteiligten Ortsrat.“

Die Entwicklung Steinbecks hat Hölzer von Anfang an begleitet. 1971 zog er mit der Familie von Hamburg-Nienstedten hierhin. 1971 wurde nach der Gebietsreform der erste Ortsrat gewählt. 1976 wurde Hölzer angesprochen, ob er für den Ortsrat kandidieren wolle. Er wurde stellvertretender Ortsbürgermeister, seine erste Amtshandlung war die Einweihung einer Fertighaus-Mustersiedlung am Vaenser Weg.

1984 wurde er Ortsbürgermeister. Weil er sich für die Ansiedlung von Möbel Kraft im Gewerbegebiet, das in Steinbeck liegt, einsetzte, machte er sich nicht nur Freunde: Die neuen Bewohner der Musterhaussiedlung blickten nun auf das Kraft-Hochregallager. „Ich war auf einem Plakat als der Böse dargestellt und habe die Wahl verloren“, sagt er. Kein Unglück: Hölzer, der im Hamburger Forschungszentrum Desy als Abschnittsleiter in der Datenverarbeitung tätig war, wurde ohnehin nach der Wende zu Desys Niederlassung im brandenburgischen Zeuthen geschickt. Nach seiner Rückkehr wurde er 1996 wieder zum Bürgermeister gewählt und blieb seitdem im Amt.

Steinbeck hat sich verändert. Hölzer erzählt und erzählt und hat für alles Fotos parat. Von der Entwicklung der Baugebiete Fasanenstieg und Kattenberg, aber auch den Veränderungen der Buchholzer Innenstadt. „Die Bewohner von Fasanenstieg und Kattenberg fühlen sich als Buchholzer, nicht als Steinbecker“, sagt Hölzer. Ortsmittelpunkt sei nicht mehr das Hotel „Zur Eiche“, sondern die Schule. Hier findet das Dorffest statt, das Hölzer 1985 initiierte. Eines seiner Lieblingsprojekte – von Steinbeckern für Steinbecker. Mit Karussellfahrten für fünf Cent und einem Kuchenbüffet, das immer diejenigen organisieren müssen, die 40 Jahre alt geworden sind. Doch auch hier hakt es: Offiziell ist der Ortsrat Veranstalter, doch „in diesem Jahr haben nur zwei Ortsratsmitglieder das Dorffest besucht. Den Auf- und Abbau habe ich nur mithilfe meiner Kinder und Enkel bewältigen können“, sagt Hölzer. Das Dorffest 2016 ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Es gab aber auch Sternstunden. Alle Ortsräte hatten gegen den Plan des Stadtrates, die Baumschutzverordnung zu verschärfen, aufbegehrt. Die Pläne wurden schließlich nicht umgesetzt. „Ich habe damals gesagt: ,Glauben Sie, dass Hans-Joachim Stöver die Eichen vor seinem Gasthaus fällt und es dann Zum Rhododendron nennt?“

Für markige Sprüche oder verrückte Ideen ist sich Hölzer, der gern und viel lacht, ohnehin nie zu schade. Wohl jeder in Buchholz kennt seinen Smart mit der Aufschrift „Hier kommt Kurt“ in Anspielung auf den Blödel-Schlager. Die „Radkappen“ sind Deckel von Gurkengläsern, „links rot, rechts grün. Backbord und Steuerbord. Schließlich habe ich den Verein zur Förderung der Dampfschifffahrt auf dem Steinbach mitgegründet.“ Oder er ruft Arbeitern auf dem Strommast zu: „Kennt ihr eigentlich das Lied ,Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert’?“

Das gilt in manchen Dingen auch für Steinbeck. Dass die Stadt es anders als der Ortsrat nicht notwendig fand, eine Verbindung vom Neubaugebiet zur Bremer Straße herzustellen, ärgert Kurt Hölzer mindestens so wie der grüne Schulanbau. Freude bereitet ihm indes das Projekt Buchholz Digital . „Ich bin stolz, dass es gelungen ist, ganz Steinbeck mit Glasfaser zu versorgen“, sagt Hölzer. Bei Minusgraden sei er von Haus zu Haus gegangen, um die Bürger vom schnellen Internet zu überzeugen. Das will er auch künftig. Mit einem befreundeten IT-Fachmann plant er einen Stammtisch für Buchholz-Digital-Anwender. Und wenn die Einführung eines Ortsvorstehers geklappt hätte? „Ich hätte zur Verfügung gestanden.“ Aber auch diesmal ist es kein Unglück, dass es anders kommt: Kurt Hölzer freut sich aufs nächste Frühjahr. Das erste ohne Dorffest-Stress.