Harburg
Verkehr

Mehr Bauschutt soll nach Hittfeld

Der Blick von oben auf die Deponie Hittfeld. Gleisschotter, Bauschutt, Beton und Gips werden hier unter anderem gelagert

Der Blick von oben auf die Deponie Hittfeld. Gleisschotter, Bauschutt, Beton und Gips werden hier unter anderem gelagert

Foto: Matthias Friedel, www.luftbilder / Dörner

Dörner will Laufzeit der Deponie verlängern. Weiterhin Verkehrsprobleme, da Lkw-Fahrer die neue Kiestrasse nicht nutzen.

tötensen.  Argwohn und Ablehnung waren aus jedem einzelnen Satz, den die Anwohner Tilmann Quensell entgegenbrachten, herauszuhören. Der Geschäftsführer der Firma Dörner hatte keinen leichten Stand in der Informationsveranstaltung im Hotel Rosengarten, in der Quensell vorstellte, wie und warum das Unternehmen die Deponie in Hittfeld ausweiten möchte.

Zu lange haben die Bürger in den Ortschaften Tötensen und Westerhof den Lärm zahlreicher vorbeiratternder Lastwagen ertragen müssen. Vergeblich warten sie seit Jahrzehnten auf eine Tempo-30-Zone. Selbst die neue Kiestrasse, die Dörner für fast eine Million Euro bauen ließ und die vor wenigen Wochen eröffnet wurde, bringt keine Entlastung. Nun also noch mehr Bauschutt, noch mehr Lastwagen.

Dörner will die Deponie erhöhen, da trotz aller Recyclingbemühungen immer mehr Bauschutt anfällt. „Viele erzählen, alles wird wiederverwertet“, sagte Tilmann Quensell. „Aber wir bekommen immer mehr Baustoffe, die verbunden und verklebt sind.“ Das liegt an einer geänderten Bauweise. Um den Energiebedarf zu senken, kommen mehr Dämmstoffe zum Einsatz. Higtechmaterial, das schwierig wieder zu verwerten sind. Quensell geht davon aus, dass die Nachfrage nach Bauschuttdeponien künftig noch weiter steigen wird. Die nächste Ersatzbaustoffverordnung verschärfe die Richtlinien zum Recyclen sogar noch.

Der Platz, um die belasteten Stoffe zu lagern, wird also knapp. Deshalb will Dörner mit Hilfe einer Kuppe die Deponie in Hittfeld erhöhen. Damit hätte das Unternehmen auf einen Schlag 1,3 Millionen Kubikmeter mehr, um „mäßig belastetes Material“ wie etwa den Bauschutt einer Tankstelle zu lagern. Zugleich soll die Deponie nicht wie geplant 2025 geschlossen werden, sondern noch acht bis zehn Jahre länger laufen. Quensell betonte, dass sich die Zahl der Schutttransporte pro Tag nicht erhöhe. Vielmehr sollen die Lastwagen die Deponie über einen längeren Zeitraum anfahren.

Dennoch: Eine unerträgliche Vorstellung für die Anwohner. Der Frust über die lauten Brummis hat sich in Jahrzehnten angestaut. Er ist so groß, dass ein Zuhörer, der unterschiedlichen Zahlen in der Präsentation auf die Spur kam, dahinter Absicht vermutete. Regina Lutz, Ortsbürgermeisterin von Tötensen, brachte es auf den Punkt: „Hamburg wird seinen Dreck los. Sie verdienen Geld damit. Wir sind nur der durchlaufende Posten und haben nur Nachteile. Irgendwann reicht es.“ Die Einwohner sind vor allem deshalb aufgebracht, weil die neue Kiestrasse nicht die erhoffte Wirkung erzeugte.

Eigentlich sollten die Lastwagenfahrer, die von Hamburg auf die Autobahn 7 fahren, die Abfahrt Fleestedt nutzen, dann die Hittfelder Landstraße befahren und rechts in die Kiestrasse, die parallel zur Autobahn 1 verläuft, einbiegen. Aber die Mehrzahl der Fahrer fährt über die altbekannte Route: Die Brummifahrer wechseln von der A 7 auf die A 261, fahren an der Anschlussstelle Tötensen ab und dann geht’s weiter durch Westerhof und Tötensen in den Bäcker-Busch-Weg. „Der Verkehr hat sich nicht geändert“, sagte ein Anwohner. „Ab 5.30 Uhr ist es mit dem Schlafen vorbei.“

Quensell schien überrascht. „Unser Gefühl ist, dass die Kiestrasse stark frequentiert wird“, sagte er. Er versicherte, dass Dörner die Fahrer dazu anhalte, die neue Route zu nutzen, räumte aber auch ein, dass es Zeit brauche, bis sich das einspiele. Das Problem sei die fehlende Kontrolle. Eine Lösung könnten die On-Board-Units sein, mit denen Dörner seine Lastwagen bis März 2016 ausrüsten will. „Dann wissen wir, wo sie fahren, ob sie stehen oder kippen.“ Am Ende versicherte Quensell, diese Daten der Gemeinde Rosengarten zur Verfügung zu stellen. „Wenn wir die Daten nicht bekommen, werden sie keine Freude haben“, sagte Bürgermeister Dirk Seidler.