Harburg
Legendäre Hallen

Bendestorfer Filmstudios stehen vor dem Abriss

Szenen zum Filmdreh "Wahn der Sinnlichen"

Szenen zum Filmdreh "Wahn der Sinnlichen"

Foto: Susanne Rahlf / HA

Die Produktionshalle auf dem Gelände der ehemaligen Filmstudios ist marode. Investor will Wohnungen errichten.

Jesteburg.  Was wird aus der Halle A1? Die Produktionshalle auf dem Gelände der ehemaligen Filmstudios in Bendestorf ist marode, so wie alle Gebäude, die hier in den 50er-Jahren entstanden und die schon lange nicht mehr für Dreharbeiten genutzt werden. Der Investor Friedrich W. Lohmann steht seit Jahren in den Startlöchern, er will die heruntergekommenen Gebäude abreißen und das Gelände für eine neue Bebauung erschließen. Anschließend will er das vorbereitete Gelände an einen Projektentwickler veräußern. Irgendwann könnten hier bis zu 30 Wohnungen für ältere Menschen und junge Familien entstehen.

Seit mehr als zehn Jahren wird über die ehemaligen Filmstudios diskutiert. Mehrere Konzepte für eine Sanierung und Nachnutzung wurden erstellt – alle scheiterten an der Finanzierbarkeit. Ende September nun beschloss der Bendestorfer Gemeinderat die neunte Version des Bebauungsplans „Am Schierenberg“, mit der der Abriss und die Neubebauung vorangetrieben werden soll. „Die Umwidmung des ehemaligen Filmgeländes zu einer Wohnbebauung ist mit einer angemessenen und positiven Entwicklung für den Ort Bendestorf verbunden“, sagt die Verwaltung dazu.

Zwar weiß die Gemeinde um die historische Bedeutung der Filmstudios – „aber es ist ein Pfund, mit dem man nicht mehr wuchern will“, sagt Walfried Malleskat, der dem Verein Freundeskreis Filmmuseum Bendestorf vorsteht. Sein Verein hat es geschafft, mit einem finanziellen Aufwand von 400.000 Euro zumindest das ehemalige Tonstudio zu retten. Inzwischen ist das alte Produzentenkino im oberen Teil des Gebäudes wieder hergestellt. Es verfügt nun über modernste Digital- und Analogprojektoren und eine 25 Quadratmeter große Leinwand. 35-Millimeter, Blue-ray, digitales dcp Kinoformat oder DVD – hier können Filme aller Formate gezeigt werden. Im unteren Teil der Tonstudios soll das Filmmuseum einziehen, allerdings fehlen noch 200.000 Euro, um die Zugänge barrierefrei umzubauen.

Malleskat würde sich freuen, wenn die Halle A1 bleiben könnte. Unterstützer der Idee hoffen darauf, dass sie unter Denkmalschutz gestellt wird. Für Künstler und Filmschaffende gäbe es hier viel Potenzial: Zum einen für Filmdrehs, und Workshops, zum anderen als Ort für junge Filmer, die hier ihre Arbeiten fertigstellen könnten. Das Interesse, vor allem bei jungen Filmschaffenden, ist groß. Vor ein paar Wochen drehte der Hamburger Filmemacher Dennis Albrecht einen Teil seiner Serie „Filmstadt Hamburg“. In den letzten Tagen war das Gebäude bevölkert von den Freunden und Kollegen um die Hamburger Künstlerin Anna Steinert. Sie drehte hier ihren Kurzfilm „Wahn der Sinnlichen“, ihre Abschlussarbeit an der Hochschule für bildende Kunst (HbfK).

Gerade die Morbidität des Geländes hat sie gereizt, nach Bendestorf zu kommen. „Ich kannte die Studios durch meine Besuche im Kunsthaus Jesteburg und wollte unbedingt hier drehen“, sagt die 32-Jährige. Der Drehort bietet den Schauspielern Raum für Improvisation und Inspiration: „Alles, was vor Ort ist, wird integriert“, berichtet Steinert. Das Produzentenkino hat sie in ein surreales Labor verwandelt, die Wände sind mit schwarzen Tüchern verhängt. Auf einem großen Tisch dampft ein Topf, daneben stehen Flaschen mit bunten Flüssigkeiten, Glaskolben, Pipetten und übergroßen Spritzen. Dicker Nebel wabert nebenan durch einen kleinen Raum. Auf einem Stuhl sitzt Alexander Rischer mit wirrer Haarfrisur und weiß geschminkten Gesicht und probt für seine Szene als morbider Portier, der Fabelwesen mit bunten Masken in die Laborwelt nebenan einlassen soll.

In diesen jungen kreativen Filmemachern sieht Malleskat einen Baustein, der die Zukunft der Filmstudios und auch der Halle A1 sein könnte. Weiterhin sollen im Produzentenkino regelmäßig Perlen der Filmkunst gezeigt werden. In Kürze ist dort der lange vergessene Hildegard-Knef-Film „Es geschehen noch Wunder“ zu sehen, weiterhin ist eine Kostümschau im Stil der 50er-Jahre geplant. Auch die Arbeiten von Dennis Albrecht und Anna Steinert werden im kommenden Jahr über die neue Leinwand flimmern. Für die Zukunft setzt Malleskat auch auf mehr Vernetzung: „Bendestorf könnte Vorführstätte beim Hamburger Filmfest sein. Das gleiche gilt für das Hamburger Cinefest und das Schülerfilmfestival „Heide-Wendland-Klappe.“

Die Zukunft des Tonstudios ist also gesichert, ob es für die Halle A1 reicht, ist fraglich. Die Chancen dafür stehen schlecht. Die Gemeinde Bendestorf befürwortet in ihrem vorerst letzten Ratsbeschluss das Ende.