Praxis

In Neugraben Schüler lernen Mathe auf dem Bau

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Lutz Kastendieck
Schüler der Grundschule An der Haake besuchen im Rahmen des Matheunterrichts die Baustelle auf ihrem Schulgelände Lange Striepen

Schüler der Grundschule An der Haake besuchen im Rahmen des Matheunterrichts die Baustelle auf ihrem Schulgelände Lange Striepen

Foto: Lutz Kastendieck / HA

An der Straße Lange Striepen können Grundschüler hautnah verfolgen, wie ihr neues Schulgebäude wächst.

Neugraben.  Seit dem Beginn des neuen Schuljahres können die Schüler der Grundschule an der Haake hautnah verfolgen, wie auf ihrem Gelände an der Straße Lange Striepen ein neues Schulgebäude wächst. Jetzt hatten die Mädchen und Jungen der vier dritten und fünf vierten Klassen sogar die Gelegenheit, die Baustelle zu erkunden.

„Wir haben das als eine Art praktischen Mathematikunterricht organisiert“, sagt Schulleiterin Gudrun Wolters-Vogeler. In enger Absprache mit der Bauleitung hat sie die Begehung des Baufelds ermöglicht. Und führt diese auch selbst durch.

Ausgerüstet mit Schutzhelmen wie Bauarbeiter folgen ihr die Schüler der Klasse 4c auf das Fundament des vier Millionen Euro teuren Neubaus. Der soll einmal zweistöckig und dank Lift barrierefrei aufragen mit Platz für acht Klassenzimmer, zwei Fachräume sowie die Büros der Schulleitung und Teamräume für das Kollegium.

„Die Fläche wirkt viel größer, wenn man direkt draufsteht“, findet Oliver. Dass der gesamte Neubau einen Umfang von 256 Meter haben wird, hätte er nicht gedacht. Genau darum geht es den Pädagogen der Schule. Mit der Begehung sollen die Schüler die Dimensionen einer Fläche praktisch erfahren.

Deshalb schreiten sie das Fundament als erstes seiner Länge nach ab und zählen dabei ihre Schritte. Die Anzahl schwankt, natürlich. Und in einer Gesprächsrunde wird auch gleich mal geklärt, warum das so ist. Dass nämlich nicht die Größe der Füße für die Differenzen im Ergebnis sorgt, wie ein Junge vermutet hat, sondern die Länge der Beine.

„Die Schüler bekommen in jedem Fall eine bessere Vorstellung von Längenverhältnissen und können die Maßeinheiten besser einordnen“, so Wolters-Vogeler: „Und sie können erleben, wie aus einer ebenen Fläche ein dreidimensionaler Raum entsteht.“ Denn am anderen Ende des Fundaments wachsen bereits jene Außenwände in die Höhe, die einmal die Bühne der Schule beherbergen sollen.

Im Frühjahr 2017 soll derNeubau übergeben werden

Immer wieder lässt die erfahrene Schulleiterin die Mädchen und Jungen Höhen und Breiten einzelner Elemente des Baus schätzen. Da, wo es offensichtlich Schwierigkeiten bereitet, verweist sie auf Vergleichsmaße, die aus dem Alltag bekannt sind. Etwa die Größe von Klassenlehrer Karl Brandshagen, als es um die Höhe einer Türöffnung geht.

Zum Schluss dürfen die Viertklässler auch noch Bauleiter Tim Kühn befragen. Dabei geht es ihnen nicht nur um die Anzahl der Fenster und Türen, die später einmal den Rohbau komplettieren werden. Sondern auch darum, wann sie denn endlich in den neuen Klassenräumen lernen können.

„Nun“, sagt Kühn, „wenn alles weiter so gut läuft wie bisher, wird der Neubau im Frühjahr 2017 wohl stehen. Momentan sind wir dem Zeitplan etwa drei Wochen voraus. Deshalb bin ich ganz optimistisch, dass wir den Termin der Übergabe auch einhalten können.“ Diese an sich positive Prognose nehmen die meisten Schüler indes nur bedingt erfreut zur Kenntnis. Denn wenn der Neubau bezugsfertig ist, gehen sie längst auf weiterführende Schulen.

Gudrun Wolters-Vogeler betont derweil, wie harmonisch Bau- und Schulbetrieb parallel funktionieren. „Die mit viel Krach verbundenen Arbeiten hat die Bauleitung außerhalb der Unterrichtszeiten verlegt, so dass die Schüler beim Lernen von der Baustelle so gut wie gar nichts mitbekommen“, erklärt sie.

Es soll auch eine Küche geben,in der täglich frisch gekocht wird

Ebenso wichtig ist ihr unterdessen, wie gut der Entwurf des Hamburger Architekturbüros Dohse das inklusiv geprägte pädagogische Konzept der Schule berücksichtigt hat. So werden unter anderem immer zwei Klassenräume durch eine Tür verbunden sein. Es wird eine Bühne und eine Küche geben, in der das Mittagessen täglich frisch und abwechslungsreich vor Ort gekocht wird, anstatt Speisen eines externen Caterers nur noch mal zu erwärmen.

„Insofern werden wir unseren Schülern in Zukunft einen modernen, multifunktionalen Schulbau anbieten können. Mit allem Komfort, der das Lernen angenehmer und attraktiver macht“, so Gudrun Wolters-Vogeler. Darauf würden sich aber auch die Lehrer, Sonderschulpädagogen und Erzieher freuen: „Weil so auch das Lehren einfach mehr Spaß machen wird.“

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