Harburg
Töster Markt

In Tostedt drehte sich alles ums Feilschen

Alles aus Küche, Keller und Dachboden hatten Ingrid Robinson und ihr Mann Michael Schulz-Robinson im Angebot

Alles aus Küche, Keller und Dachboden hatten Ingrid Robinson und ihr Mann Michael Schulz-Robinson im Angebot

Foto: Susanne Rahlf / HA

Rund 50.000 Besucher zog es bei strahlendem Sonnenschein zum größten Flohmarkt Norddeutschlands nach Tostedt.

Tostedt..  Es war das perfekte Flohmarktwetter: Die Sonne lachte bei angenehmen 15 Grad von einem blitzblauen Herbsthimmel und sorgte am Sonnabend bei den Händlern und Besuchern des Tostedter Flohmarkts für beste Laune. 700 Aussteller hatten schon in aller Herrgottsfrühe ihre Waren ausgebreitet und boten auf dem größten Flohmarkt Norddeutschlands einfach alles, was das Herz begehrte.

Rund 50.000 Besucher aus Nah und Fern verbrachten den Tag der Deutschen Einheit in der Nordheide, viele waren mit Kind, Hund und Kegel unterwegs und kauften Gebrauchtes. Die rund 700 Händler hatten auf der 6,5 Kilometer langen Einkaufsmeile für jeden Geschmack das Passende im Angebot: Pütt und Pann, Kleidung, Elek­troartikel, Bücher, Platten, Schmuck, Bilder und jede Menge Dekoartikel. An den Ständen standen die Kunden teilweise Schlange, überall wurde gehandelt und gefeilscht.

Ganz früh am Morgen, schon kurz nach sechs Uhr, war Michael Busch mit Ehefrau Claudia und Sohn Luca unterwegs. Die Buchholzer Familie stöbert öfter mal auf den Märkten, aber „der hier ist der Beste“, waren sie sich einig. Als Profis wussten sie natürlich, dass rechtzeitiges Kommen die besten Schnapper sichert: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, lachte Claudia Busch. Für die nächste „Bagaluten-Wiehnacht“ mit der Band Torfrock entdeckte sie für sich einen flotten Wikingerhelm mit passenden roten Zöpfen, während ihr Mann Michael einen großen Plüsch-Elch ergatterte. „Der guckte so traurig“, erklärte er seinen Kauf.

Schon gegen Mittag fast ausverkauft war Erik van de Haterd. Der Holländer ist leidenschaftlicher Sammler von altem landwirtschaftlichen Gerät und musste sich gezwungenermaßen von Milchkannen, Holzfässern, Wasserpumpen und Zinkwannen trennen: „Ich habe eine ganze Scheune voll und einfach keinen Platz mehr“, sagte er.

Sehr zufrieden mit der Kundschaft war auch Michael Schulz-Robinson aus Tostedt. Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid Robinson hatte er Küche, Dachboden und Keller entrümpelt. Sie hatten von Omas Nudelholz über Fotoapparate, abgelegte Abendkleider und Opas Zylinder eine bunte Mischung im Angebot. Die beiden sind jedes Jahr in Tostedt, für sie war es dieses Jahr das 24. Mal, dass sie als Händler dabei waren. Dementsprechend gut waren sie vorbereitet: „Wir haben Brote, Kaffee und natürlich auch einen kleinen Schnaps dabei“, lachte das Paar gut gelaunt.

Für den kleinen Kilian Meyer-Klische aus Tangendorf dagegen war der Besuch beim Töster Flohmarkt eine Premiere. Zuerst gab’s für ihn von Mama Svenja und Papa Marco Pommes mit Ketchup und Zuckerwatte. Anschließend suchte sich der Fünfjährige nach langem Überlegen einen Plüsch-Dino aus und bezahlte ganz stolz mit seinem eigenen Taschengeld.

Besonders glücklich war auch Karin Juhl. Die Dänin besucht regelmäßig alle großen Second-Hand-Märkte in Deutschland. Sie war mit ihrem Mann schon am Vortag aus Vejle angereist und ebenfalls seit sechs Uhr morgens auf dem Flohmarkt unterwegs. „In Dänemark sind Sachen aus den 50er- und 60er Jahren total angesagt“, verriet sie und zeigte stolz ihre „Beute“. Gefunden hatte sie einen Teewagen und eine große Bodenvase aus den 50er-Jahren. Besonders stolz war sie auf einen schnittigen Wecker aus der gleichen Zeit. Auch ein Kronleuchtergestell aus den 60er-Jahren konnte sie ergattern und transportierte alles in einem kleinen Leiterwagen zum Auto.