Harburg
Neue Schulleiterin

Ein Schalke-Fan dirigiert jetzt die GSH

Vicky-Marina Schmidt ist seit 1. August 2015 neue Schulleiterin der Goethe Schule Harburg

Vicky-Marina Schmidt ist seit 1. August 2015 neue Schulleiterin der Goethe Schule Harburg

Foto: Lutz Kastendieck / HA

Die gebürtige Gelsenkirchenerin Vicky-Marina Schmidt ist neue Leiterin der Goethe Schule Harburg. Und sie ist sehr beliebt bei den Schülern.

Harburg..  Was als Erstes auffällt: Vicky-Marina Schmidt hat offensichtlich die Fähigkeit zu begeistern. Wo immer Schüler ihr auf den weitläufigen Fluren der Goethe Schule Harburg (GSH) begegnen, wird die neue Schulleiterin überaus freundlich begrüßt, mit ihrem Namen angesprochen, manchmal sogar spontan umarmt und geherzt. Sie ist in bestem Sinne längst angekommen an ihrer neuen Wirkungsstätte – und das in geradezu rekordverdächtigem Tempo.

Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Immerhin sind seit Beginn des neuen Schuljahres gerade erst vier Wochen verstrichen. Und wir reden hier über die mit etwa 1700 Schülern und mehr als 180 Lehrern zweitgrößte Schule in ganz Hamburg. „Nun, ja, ich habe mich ja schon in allen rund 70 Klassen persönlich vorgestellt“, relativiert die 46 Jahre alte Nachfolgerin von Heidrun Pfeiffer ihren rasant gestiegenen Bekanntheitsgrad.

Große, komplexe Einheiten als Herausforderung und Inspiration

Doch erklärt das allein die deutlichen Gesten der Zuneigung sicher nicht. Sie dürften auch der offenen, zugewandten Art geschuldet sein, in der die schlanke Frau mit den langen, blonden Haaren auf ihre Schützlinge und Kollegen zugeht. Wann immer es geht, nimmt sie sich die Zeit für eine persönliche Frage nach dem Befinden, dem Woher und Wohin, natürlich auch nach Sorgen und Problemen, die vielleicht zeitnah gelöst werden müssen.

Hat ihr die schiere Größe der GSH aber nicht auch ein wenig Angst gemacht? „Nein“, versichert sie im Brustton tiefster Überzeugung, „dann hätte ich mich hier auch nicht beworben“. Sie habe nun mal ein Faible für große, komplexe Einheiten und empfinde deren Vielfalt und Potenziale als überaus reizvoll. „Das alles zu einem harmonischen Ganzen zu fügen, ist für mich herausfordernd, spannend und inspirierend zugleich“, sagt Schmidt.

Zumal die Goethe Schule Harburg auch das Zusammenführen eigener Interessen ermögliche. „Das ausgeprägte Kulturprofil der GSH hat meine Entscheidung schon stark beeinflusst“, sagt der erklärte Fan italienischer Opern, zeitgenössischen Theaters und klassischen Jazz. So bedauere sie schon jetzt, dass sie zum aktiven Unterrichten wohl nur selten kommen werde. Sie habe viele Jahre mit großer Leidenschaft Deutsch und Musik gelehrt, das sei ihr immer eine „Herzensangelegenheit“ gewesen.

„Die Karriere als Schulleiterin war keine Flucht aus dem Lehrerberuf“, versichert sie. Es seien aber irgendwann Fragestellungen und Intentionen aufgekommen, denen sie unbedingt hatte nachgehen wollen. „So bin ich gewissermaßen zwangsläufig auf die Leitungsebene geraten. Die notwendigen Weiterbildungen haben dann auch einen gewissen Ehrgeiz geweckt.“

Als erklärter Schalke-FanAbsolution bekommen

Nach mehreren Stationen an freien Schulen, darunter eine Wichern- und eine Bugenhagen-Schule nördlich der Elbe, war ihr Wechsel an die GSH auch mit einer Rückkehr ins staatliche Schulsystem verbunden. Schmidt findet es schade, dass die beiden Systeme mehr neben- als miteinander existieren. Sie könnten sich ihrer Ansicht nach gegenseitig weit mehr bereichern, als sie das aktuell tun. Etwa bei der Umsetzung der Inklusion oder neuen Ansätzen in der Wissens- und Wertevermittlung.

Daran konkret etwas zu ändern, hat sie jetzt vielleicht die Chance. Den notwendigen Vertrauensvorschuss seitens Lehrern, Eltern und Schülern hat sie schon mal. In dem mehrstufigen Bewerbungsprozess hat sie sich jedenfalls final durchgesetzt.

Dabei störte es die Schülervertreter nicht einmal, dass Frau Schmidt im Fußball zwar auch die Farbkombination Blau-Weiß favorisiert, ihre große Liebe aber nicht dem HSV, sondern Schalke 04 gehört: „Wenn man gebürtige Gelsenkirchnerin ist, bekommt man dafür anscheinend selbst in Hamburg Absolution.“

Selbst fit hält sich die Schulleiterin übrigens mit Fahrradfahren, Skaten und Paddeln. „Wenn man wie ich nur einen Steinwurf vom Eilbekkanal entfernt wohnt, drängt sich das ja förmlich auf“, erklärt sie. Zudem wird sie von ihrer Hündin „Piccola“ auf Trab gehalten. Die sie nun auch jeden Tag in die Goethe Schule Harburg begleitet.

Im kommenden Jahr beginntder Umbau des Schulcampus

Dort hat der weiße Mischling aus Portugiesischem Wasserhund und Terrier seinen festen Platz unter dem mächtigen Schreibtisch gefunden, den Vicky-Marina Schmidt aus ihrer vorigen Schule mitgebracht hat, wo er extra für sie gebaut worden war. Mit seinen Böcken aus massiven Stahlprofilen und der Platte aus Bambusholz wirkt er fast ein wenig wie ein Schutzwall, wenn es doch mal ganz dicke kommen sollte.

Zum Beispiel, wenn im kommenden Jahr die umfangreichen Bauarbeiten zur Umgestaltung des Schulcampus an der Eißendorfer Straße beginnen. Dann braucht es sicher nicht nur gute Nerven, sondern zuweilen auch etwas Ablenkung. Dafür haben ihr die alten Kollegen einen Kunstdruck mit vielen bunten Paradiesvögeln geschenkt. Und gleich daneben hängt eine Collage des niederländischen Künstlers Tjeerd Tuin­stra mit dem weisen wie wahren Aphorismus: „Der Frieden fängt im eigenen Herzen an.“