Harburg
Überraschung in Winsen

Grundschule soll erst um 17 Uhr enden

In Winsen sollen die Grundschüler möglichst bis 17 Uhr in der Schule betreut werden

In Winsen sollen die Grundschüler möglichst bis 17 Uhr in der Schule betreut werden

Foto: Peter Steffen / dpa

SPD, Grüne und Freie Winsener bringen Antrag im Winsener Schulausschuss durch. Betreuung ist noch nicht gesichert

Winsen.  Die Diskussion über die Ganztagsgrundschule in Winsen hat seit Montagabend eine neue Richtung. Im Schulausschuss der Stadt haben SPD, Grüne und Freie Winsener ihren Antrag mit fünf gegen vier Stimmen durchgebracht. Die Mehrheit ergab sich durch ein Votum einer der hinzugewählten Expertinnen, die diesem Ausschuss angehören. Damit gil die Empfehlung, vom Schuljahr 2016/17 an eine Betreuung an fünf Tagen bis jeweils 15.30 Uhr anzubieten und diese bei Bedarf auch auf vor acht Uhr sowie bis 17 Uhr auszudehnen. In den Ferien soll es für neun Wochen eine kostenpflichtige Betreuung geben. Einig war man sich im Ausschuss darüber, zum 1. Dezember bei der Landesschulbehörde einen Antrag zur Einrichtung der Schulen zu stellen und mit den ersten beiden Jahrgängen zu beginnen.

Doch wie viel Wert die Entscheidung hat, wird sich erst im Verwaltungsausschuss (VA) am 1. Oktober zeigen. Denn in diesem Ausschuss sind die Politiker unter sich. Die CDU, die den Vorschlag nicht unterstützt, hat vier Stimmen, die SPD zwei, die Grünen einen und Wilfried Rieck (Winsener Liste), der sich im Ausschuss enthalten hatte, eine. Er sei noch „unentschlossen“ wie er am Donnerstag kommender Woche votieren werde, sagte Rieck am Montagabend nach der Sitzung. Klar scheint jedoch, dass Bürgermeister André Wiese schon wegen der Kosten für die Stadt eher zurückhaltend auf den Antrag der drei Parteien reagieren wird. Die endgültige Entscheidung wird im Rat am 7. Oktober fallen.

Umstritten für die neue Schulform ist vor allem die Finanzierung durch die Stadt. Der Erste Stadtrat Christian Riech hatte (wie berichtet) erneut darauf verwiesen, dass eine Betreuung bis 15.30 Uhr für die beiden Jahrgänge die Stadt etwa 40.000 Euro pro Schule und Jahr kosten würde. Hochgerechnet auf fünf Schulen ergäbe dies 200.000 Euro. Später müssten dann noch die dritten und vierten Klassen einbezogen werden. Für die Zeiten nach 15.30 Uhr könnten dann Eltern zu Beiträgen herangezogen werden. Dann endet die Schulzeit offiziell. Die vom Land bereit gestellten Mittel reichen aber nur, um ein Angebot bis 14 Uhr zu machen.

Für die drei Antragsteller kann die Stadt die Summe für die Betreuung aufbringen, schon um sich als familienfreundliche Stadt zu beweisen. „Winsen ist nicht arm“, sagte die Ausschussvorsitzende Brigitte Netz (SPD). Dagegen hatte Angelika Teuchert für die CDU-Fraktion vorgeschlagen, die derzeit bereitgestellten Mittel von 10.000 Euro sowie fünf Euro pro Ganztagsgrundschüler auf 15.000 Euro aufzustocken. Sie würden dann für zunächst vier, ein Jahr später für fünf Grundschulen gezahlt werden. „Für Defizite muss vereinbart werden, dass die Stadt für sie aufkommt“, sagte Teuchert. Den Vorschlag nannte Benjamin Qualmann (SPD) eine Notlösung, Erhard Schäfer (Grüne) „beschämend“. Mit der Abstimmung hatte sich der Antrag der CDU jedoch erledigt.

Offen ist derzeit noch, welche Träger-Organisationen für eine Betreuung gewonnen werden können. Für eine Kooperation zwischen Stadt, Schulen und Kirche, Rotem Kreuz oder Kita-Nord gebe es noch „viele inhaltliche Fragezeichen“, sagte Riech. Der Grund: Im Kindertagesstättengesetz ist diese Zusammenarbeit nicht festgeschrieben. Jedenfalls hat die Kita-Nord, eine Tochter der Elbkinder, ein Engagement zunächst abgelehnt. Immerhin: Einig waren sich die Politiker im Ausschuss, dass künftig auch die Alte Stadtschule, wo es schon ein Ganztagsmodell gibt, mit den anderen vier Schulen gleichgestellt werden soll. Für sie hatte Teuchert einen Antrag auf vier neue Gruppenräume gestellt. Damit wird sich die Verwaltung nun befassen. „Allerdings werden hier nicht innerhalb weniger Wochen Ergebnisse vorliegen“, schränkte Stadtrat Riech ein.

Vor der Diskussion über die Ganztagsgrundschule hatten die Politiker zwei Zuschüsse für geplante Investitionen bewilligt. Dabei wurden 20.000 Euro für die Sanierung der Kita Eckermannstraße des DRK Kreisverbandes Harburg-Land ohne Diskussion durchgewinkt. Dagegen gab es Kritik daran, 30.000 Euro für die marode Elektrik der Kita Matthias-Claudius-Weg frei zu geben. Hintergrund: Zum einen seien die Arbeiten nicht ausreichend erklärt und zum anderen sei das Gebäude mit Baujahr 1962 allenfalls noch einige Jahre zu nutzen. Der einstimmige Beschluss: Der VA soll die nötigen Mittel für die Instandsetzung, nicht aber für eine Renovierung bereit stellen. Damit hat der Schulausschuss dem VA noch eine zweite Aufgabe übertragen.