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Freibad Tostedt: Alter Standort bleibt

Tostedt.  Die Tostedter müssen sich offenbar nicht mit einem neuen Standort für ihr Freibad anfreunden. Alle drei Planungsunternehmen, die Vorschläge zur Sanierung des maroden Freibads unterbreitet haben, raten davon ab, das Freibad zu verlegen. Zu teuer und ein zu hohes Risiko, dass die Bürger ein Freibad an anderer Stelle ablehnen könnten.

Auch ohne Standortwechsel haben Politik und Verwaltung jetzt die Qual der Wahl. Vier Vorschläge haben die drei Planungsunternehmen in der fast vierstündigen Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Donnerstagabend unterbreitet. Dabei war alles drin: ein herkömmliches Chlorbad, ein reines Naturbad mit biologischer Wasseraufbereitung und eine Kombination aus beidem. Vorgegeben war ein Kostenrahmen von maximal drei Millionen Euro. Das und der problematische Torfboden machten es den Unternehmen schwer, große Sprünge zu machen. Dennoch: die Vorschläge konnten sich sehen lassen.

Die spannende Frage ist, inwiefern die Wasserfläche des Freibads von derzeit 1000 Quadratmetern bei einer Sanierung in etwa gehalten werden kann. Immer wieder haben Freibadbesucher in der Vergangenheit über ein zu enges Nichtschwimmerbecken geklagt. Daher hat der erste Vorschlag eines rein konventionellen Chlorbads der Firma Polyplan aus Bremen wohl kaum eine Chance. Denn nach dem Konzept hätte das Freibad nur noch die Hälfte seiner jetzigen Wasserfläche. Dasselbe Unternehmen überraschte in seiner zweiten Variante dann aber mit einer Idee, wonach die Wasserfläche auf 1480 Quadratmeter erhöht werden könnte. Allerdings: „Bei einem Bad in der Größe kommen sie um eine Kombination aus Natur- und Chlorbad nicht herum“, stellte Stefan Bruns, Geschäftsführer von Polyplan.

Dieses Modell sieht ein Naturbad mit Badeseecharakter und Unterwasserpflanzenwelt sowie Sandstrand vor, das vom Chlor-Schwimmbecken mit vier 25-Meter-Bahnen getrennt wird. Der Reiz daran: Neuartige Gestaltung mit Erlebnischarakter. Wer seine Bahnen zieht, schwimmt erhöht. Nachteil: Der Sprungbetrieb müsste zeitweise gesperrt werden. Geschätzte Kosten: 2,9 Millionen Euro. Für Strom- und Wasserverbrauch müssten pro Jahr etwa 60.000 Euro aufgebracht werden, so der Chef von Polyplan. Zwar rät Bruns davon ab, das Bad zu beheizen: „Es verbrennt einen Haufen Energie und bringt ihnen kaum einen weiteren Badegast“, sagte er. Möglich sei aber, das Chlor-Schwimmbecken zu erwärmen.

Um das Bad attraktiver zu machen, empfiehlt Bruns eine Badelandschaft mit Wasserspaß-Elementen wie zum Beispiel einem Wassertunnel und andere Spielarten für Kinder und Jugendliche. „Das sind die Dinge, die das Bad zum Erlebnis machen.“ Er warnte davor, den Status Quo zu halten und lediglich „nachzusanieren“. „Das ist ein Fass ohne Boden. Und das Schlimme ist, der Badegast sieht es noch nicht einmal“, sagte er.

Ganz anders der Vorschlag der Planungsgruppe Hildesheim GmbH, die bereits das Freibad in Salzhausen saniert hat. Der Geschäftsführer Jörg Stachel sieht vor, die vorhandene Struktur des Freibads beizubehalten, das alte Becken als Baugrube zu nutzen und mit einer Pfahlgründung ein weiteres Becken hineinzusetzen. Nachteil: Dadurch geht Wasserfläche verloren. Der Schwimmerbereich mit Sprunggrube beträgt dann 380 Quadratmeter und das Areal für die Nichtschwimmer, das mit einer Wand abgetrennt werden soll, 270 Quadratmeter. Zudem liegt das Becken erhöht. Die Badbesucher müssten zunächst drei Stufen nehmen, bevor sie ins Becken steigen. Ein Hindernis für Menschen mit Behinderung und auch optisch könnte das einigen Badbesuchern aufstoßen. Andererseits: Viele Schwimmer sehen das möglicherweise als Gewinn, da sie zwar erst eine Treppe hoch müssten, dafür aber auf einem hoch liegenden Wasserspiegel ihre Bahnen ziehen.

Auch Jörg Stachel betonte die große Bedeutung eines Wassererlebnisbereichs, etwa mit einer Kletterwand für Jugendliche und aktiven Attraktionen für Kleinkinder – beispielsweise pumpen die Kinder Wasser oder lassen Schiffe fahren. „Das Kleinkind von morgen ist der Schwimmer von übermorgen“, sagte Stachel.

Der Chef der Planungsgruppe Hildesheim stellte außerdem in Aussicht, vorhandene Pläne für die Gestaltung des Kleinkindbeckens zu verwenden. Dann sieht es zwar genauso aus wie in einem anderen Bad, etwa in Papenhorst, reduziert aber die Planungskosten um 40 Prozent. Stachel hielt sich bedeckt, mit welcher Gesamtsumme die Samtgemeinde Tostedt am Ende zu rechnen hat, sicherte jedoch zugleich zu, unter den Maximalkosten von drei Millionen Euro zu bleiben.

Als drittes Unternehmen brachte sich Eko Plant aus Belgershain ins Spiel. Die Firma, die vorrangig Pflanzenkläranlagen baut, aber auch acht Freibäder realisiert hat, setzt auf ein reines Naturbad. Auch der Bio- und Vertriebsingenieur Carsten Lorf von Eko Plant plädiert für eine Becken-im-Becken-Variante, allerdings mit biologischer Wasseraufbereitung. Er rät dazu, den Fokus nicht nur auf die regelmäßigen Schwimmer, sondern auch auf Familien als Besucher zu legen und sich so von der herkömmlichen Freibadgestaltung zu lösen. Deshalb ist ein Sandstrand auch Teil seiner Konzeption. Weitere Attraktionen: Kletterwand, Breitwellenrutsche.

Das Beckenvolumen wird bis zu fünf Mal täglich umgewälzt, damit es über die Filteranlage biologisch gereinigt wird. „So bekommen wir jeden Tropfen Wasser zum Filter“, versichert Lorf. Vorteil: Kein Einsatz von chemischen Mitteln, da kein Chlorwasser und ansprechende Erlebnisbadgestaltung. Nachteil: Der mechanische Pflegeaufwand ist höher und bei hohen Temperaturen muss die Wassertemperatur mit Frischwasser heruntergekühlt werden, damit die biologische Wasseraufbereitung weiter funktioniert. Außerdem: um das Schwimmerbecken vom Nichtschwimmerbereich abzutrennen, müssten Leinen gezogen werden. Lorf schätzt die Kosten auf etwa 2,1 Millionen Euro. Die Wasserfläche bleibt so ziemlich gleich. Die Betriebskosten eines Naturbads und eines Chlorbads hielten sich in etwa die Waage, erläuterte Lorf. „Es stellt sich eher die Frage, ob ihnen das Konzept insgesamt zusagt.“

Reichlich Stoff für die Ausschussmitglieder, mit denen sie sich in den nächsten Wochen zu beschäftigen haben. „Damit haben wir eine Basis, mit der wir weiterkommen können, egal in welche Richtung“, sagte Samtgemeindebürgermeister Peter Dörsam. Anfang November tagt der Bau- und Planungsausschuss wieder. Dann geht’s weiter.