Harburg
Crowdfunding

Stellwerk in Harburg startet Kampagne zu seiner Rettung

Zum Start der Crowdfunding-Kampagne für das Stellwerk präsentieren Alex Schmitz (v.l.), Nandor Olah und Christo Stohr einige Geschenke für Spender: eine Jules-Verne-Taschenbuchsammlung, Streetart und Schallplatten

Zum Start der Crowdfunding-Kampagne für das Stellwerk präsentieren Alex Schmitz (v.l.), Nandor Olah und Christo Stohr einige Geschenke für Spender: eine Jules-Verne-Taschenbuchsammlung, Streetart und Schallplatten

Foto: Thomas Sulzyc

Crowdfunding-Kampagne soll 15.000 Euro Spenden bringen. Es geht um nicht weniger als das Überleben des Musikclubs im Harburger Bahnhof.

Harburg.  Der Förderverein Stellwerk startet im Internet eine Kampagne zur Rettung des Musikclubs im Harburger Bahnhof. Auf der Crowdfunding-Plattform Nordstarter wollen die Clubmacher Spenden in Höhe von 15.000 Euro sammeln.

Crowd­funding ist eine neue Form der Finanzierung, bei der eine große Anzahl an Menschen jeweils einen meist kleinen Betrag spendet, um auf diese Weise gemeinsam ein Vorhaben zu unterstützen. Sie wird auch Schwarmfinanzierung genannt.

Mit dem Geld will der Förderverein die gesamte Ton- und Lichttechnik kaufen. Bis jetzt zahlt das Stellwerk die Ton- und Lichtanlage in Raten ab. Das führt zu hohen monatlichen Betriebsausgaben, die sich mit Kulturveranstaltungen Menge Holz“, sagt Clubchef Nandor Olah.

„Wir retten das Stellwerk!“ lautet der Titel der Crowdfunding-Kampagne. Damit wird unmissverständlich deutlich, dass es sich nicht wie normalerweise üblich um eine Projektfinanzierung handelt.

Hier geht es um das Überleben des Musikclubs im Harburger Bahnhof. Alle Harburger und Freunde der Subkultur haben bis zum 18. Oktober die Gelegenheit, Farbe zu bekennen und deutlich zu machen, ob sie den Musikclub wollen oder nicht.

Bringt die Kampagne nicht mindestens die als Ziel ausgesetzten 15.000 Euro ein, gilt sie als gescheitert – so ist die Regel. In diesem Fall geht das Geld an die Spender zurück.

Würde ein Scheitern der Kampagne auch das Aus des vor zehn Jahren eröffneten Musikclubs im früheren Dritte-Klasse-Wartesaal des Harburger Bahnhofs bedeuten? „Das ist ein Szenario, dass in meinem Kopf nicht passiert“, weicht Clubsprecher Alex Schmitz einer klaren Antwort aus. Bloß keine negativen Gedanken zulassen!

Die Kampagne sei ein Indikator, deutlich zu machen, ob die Menschen das Stellwerk wollen, sagt Nandor Olah. Gelinge der finanzielle Befreiungsschlag nicht, sei es nur eine Frage der Zeit, bis die verbliebenen Mitarbeiter ausgebrannt seien. Das Kernteam bilden heute nur noch Nandor Olah, Alex Schmitz, der Berater und ehrenamtliche Buchhalter Carsten Schölermann und der Auszubildende Christo Stohr.

Das „Stellwerk“ bietet verschiedenen musikalischen Subkulturen einen Raum: Techno, Drum&Bass, Dark Wave und HipHop. Dazu gibt es Fußball-Liveübertragungen, Poetry-Slam, Designmärkte. So etwa habe es vorher in Harburg nicht gegeben, sagt Nandor Olah. „Wir haben den kulturellen Auftrag angenommen.“

Ein Nachbarschaftsstreit mit der Bundespolizei im Harburger Bahnhof hat dazu geführt, das der Musikclub in seinen Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt ist. Die Beamten fühlten sich von den wummernden Bässen gestört. Laute Konzerte in dem großen Saal sind dem Club deshalb nicht erlaubt – nur noch in der viel kleineren Lounge. Das hat deutlich weniger Eintrittsgeld zur Folge. Mit dem Verbot zu lauten Partys im großen Saal zur Quersubventionierung der Kultur ist der Musikclub seiner Existenzgrundlage beraubt.

Die Internet-Kampagne soll dem Stellwerk wieder Zukunftschancen eröffnen. Wie üblich beim Crowdfunding, erhalten Spender sogenannte „Geschenke“: zum Beispiel Schallplatten oder Streetart-Skulpturen. Höchste Form der Danksagung ist eine auf dem Dachboden entdeckte Jules-Verne-Taschenbuchsammlung mit 100 Bänden für 1000 Euro.

Jeder kann auch mit weniger Geld das Stellwerk unterstützen. Für 50 Euro gibt es einen lackierten, originalen Stein aus dem Gleisbett, der sich in der Vitrine prächtig macht. Wer 100 Euro spendet, darf sein Fotoporträt ein Jahr lang an den Säulen im „Stellwerk“ zeigen.

Ein analoges facebook sozusagen. Weil die Spende an den gemeinnützigen Förderverein geht, darf jeder Unterstützer den Betrag von der Steuer absetzen.

www.nordstarter.org/stellwerk