Harburg
Amtsgericht Harburg

Fünf Jahre alten Jungen überfahren: 2800 Euro Strafe

Das Amtsgericht in Harburg an der Buxtehuder Straße

Das Amtsgericht in Harburg an der Buxtehuder Straße

Foto: Thomas Sulzyc

Amtsgericht Harburg verurteilt Autofahrer, der ein Kind im vergangenen Jahr beim Rechtsabbiegen im Phoenix-Viertel lebensgefährlich verletzt hatte.

Harburg. Die Richterin betonte, er hätte den kleinen Jungen sehen müssen. Das Amtsgericht Harburg hat am Dienstag den Autofahrer, der vor einem Jahr beim Abbiegen den fünf Jahre alten Leon im Phoenix-Viertel lebensgefährlich verletzt hatte, zu 2800 Euro Geldstrafe verurteilt.

Der 60 Jahre alte L. aus Pfaffenhofen in Oberbayern musste sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Bei dem Unfall ist der Junge von einem VW Polo überrollt wurden, dass er sich schwere Verletzungen der Leber, Lunge und Milz zugezogen hat. Die Lunge sei „zerrissen“ gewesen.

„Ohne ärztliche Behandlung wäre der Junge gestorben“, so der medizinische Sachverständige von der Universitätsklinik Eppendorf. Die Ärzte mussten die Gallenblase entfernen. Leon wird deshalb sein Leben lang Fettiges nur in kleinen Portionen essen dürfen. Für den Transport aus dem Krankenhaus Mariahilf in das Universitätsklinikum hatten Ärzte den Jungen in ein künstliches Koma versetzt.

Leon hatte am 19. Juli 2014 zunächst einen wunderschönen Tag verbracht. Zusammen mit seinem Vater kam er von einer Geburtstagsfeier. Gegen 19.30 Uhr überquerte der Junge zu Fuß an der Kreuzung Hohe Straße/Maretstraße die Fahrbahn, als die Ampel auf Grün stand.

Ebenfalls bei Grün bog S. mit seinem VW Polo in die Kreuzung ein, hätte für den Jungen halten müssen. Stattdessen überrollte der Wagen den Jungen. Ob nur mit dem rechten Vorderreifen oder zusätzlich mit dem Hinterreifen, konnte das Gericht nicht mehr rekonstruieren.

Warum der 60-Jährige den kleinen Leon übersehen und nicht gebremst hat, konnte das Gericht nicht abschließend klären. Fußgänger hätten an der Ampel gestanden, seien aber nicht losgegangen, erklärte L. vor Gericht. Er sei abgebogen – und auf einmal habe es „Bums“ gemacht.

Die Verständigung gestaltet sich schwierig. L. ist slowakischer Staatsbürger. Der Zeitarbeiter lebt seit 2011 in Deutschland, spricht aber nahezu kein Deutsch. Eine Dolmetscherin übersetzt simultan. Laut Polizei sei L. zur Unfallzeit nicht alkoholisiert gewesen und habe nicht unter Drogeneinfluss gestanden.

Mit seiner Schilderung, er sei nach dem Zusammenstoß sofort aus dem Auto gesprungen, um zu helfen, so dass er vergessen habe, die Handbremse anzuziehen und deshalb der Wagen den Jungen überrollt habe, verärgert er die Richterin. Eine Schutzbehauptung, die nicht stimmen könne, sagt sie. Der Vater selbst hat seinen Sohn zu der nahe gelegenen DRK-Station getragen.

L. ist wegen Fahrerflucht im Jahr 2013 vorbestraft. Die Richterin schreibt ihm noch ins Stammbuch: „Sie müssen Fußgänger beim Rechtsabbiegen immer bestmöglich behandeln.“

Das Wichtigste: Leon geht es heute wieder gut.