Harburg
Integration

Stadtrundgänge für Flüchtlinge in Harburg

Ausgehend vom Sozialen Dienstleistungszentrum an der Knoopstraße sollen Flüchtlinge Harburg zukünftig bei geführten Touren besser kennenlernen

Ausgehend vom Sozialen Dienstleistungszentrum an der Knoopstraße sollen Flüchtlinge Harburg zukünftig bei geführten Touren besser kennenlernen

Foto: LKastend@wmg.loc / HA

Nach dem Vorbild von Nachbarbezirk Bergedorf will auch Harburg Willkommenstouren durch die City organisieren. In diversen Sprachen.

Harburg. Ein Stadtrundgang in Dari und Arabisch? Im Nachbarbezirk Bergedorf gibt es so etwas schon seit dem Frühjahr vergangenen Jahres. „Durch eine starke lokale Identifikation kann die schnelle Integration am besten gelingen. Ein gesunder Lokalpatriotismus mit inklusivem Verständnis kann hier sehr hilfreich sein“, sagte Jorge Birkner, Bergedorfs Integrationsbeauftragter. Und hatte die Infotouren für Zugewanderte innerhalb kürzester Zeit umgesetzt. Nun hat es die gute Idee offenbar auch nach Harburg geschafft.

Ziel ist es, zu einer besseren Orientierung der Flüchtlinge beizutragen

Die SPD-Fraktion hatte in einem Antrag vom 7. April 2014 die Verwaltung gebeten zu prüfen, ob dieses Projekt denn auch in Harburg umsetzbar wäre. In der jüngsten Sitzung des hiesigen Sozialausschusses am Montagabend im Rathaus präsentierte Sarah Heinlin vom Fachamt Sozialraummanagement nun ein Konzept der Verwaltung für ähnliche Rundgänge ab 2016.

„Ziel ist es, zu einer besseren Orientierung der Flüchtlinge und einem niedrigschwelligen Zugang zu Behörden beizutragen“, so Heinlin in ihrem Vortrag. Zudem soll auf diese Weise „Willkommenskultur gezeigt werden“. Als Zielgruppe wurden alle Neuzugewanderten im Bezirk, insbesondere Teilnehmer aus Integrationskursen und Bewohner aus Quartieren der öffentlich-rechtlichen Folgeunterbringung ausgemacht.

„Entscheidend für den Erfolg ist sicher, die Teilnehmer in ihren Herkunftssprachen anzusprechen“, sagte Heinlin. Das erleichtere nicht nur die Orientierung, sondern auch die Identifikation mit dem Stadtführer. Deshalb sollen die Willkommenstouren nach Möglichkeit in Arabisch, Persisch, Dari, Farsi, Englisch, Serbisch, Spanisch, Russisch, Türkisch, Französisch, aber auch in Deutsch angeboten werden.

„Alteingesessene“ Migranten sollen als Stadtführer fungieren

Bergedorfs Integrationsbeauftragter war in seinem Konzept noch einen Schritt weiter gegangen. Seiner Ansicht nach sollen die Stadtrundgänge vor allem von „alteingesessenen“ Migranten für neue Migranten sein. „Die gemeinsame Herkunftssprache sichert, dass Guides und Teilnehmer gewissermaßen auf Augenhöhe miteinander kommunizieren“, sagt Jorge Birkner. Die Teilnehmer hätten so weniger Hemmungen, Fragen zu stellen. Für ihn sei aber fast noch wichtiger: „Die Stadtführer dienen zudem als Vorbilder, wie die Integration vor Ort gelingen kann.“

Nach den Vorstellungen des Bezirksamts Harburg sollen die Willkommenstouren am Stadtmodell (WBZ) beginnen. Im Kundenzentrum (SDZ) sind dann Hinweise auf die wichtigsten Ämter wie Arbeitsamt/Jobcenter, Wohnamt, Jugendamt, Gesundheitsamt und die Mütterberatung vorgesehen. Im weiteren Verlauf sollen dann das Café Refugio, das Integrationszentrum und die Bücherhalle/Volkshochschule gezeigt werden. Den Abschluss soll ein Willkommensempfang durch den Bezirksamtsleiter oder eines Vertreters der Verwaltung im Harburger Rathaus bilden. Dabei ist auch die Übergabe einer Tasche mit dem Schriftzug „Willkommen“ in verschiedenen Sprachen geplant, in der die Teilnehmer weitere Informationsmaterialien wie die Neubürgerbroschüre, Flyer der freien Träger, eine Broschüre der Flüchtlingsinitiative Binnenhafen und einen Stadtplan finden.

Ganz neu ist die Idee der Willkommenstouren durch Harburg nicht

Angedacht sind überdies weitere Rundgänge, etwa speziell im Bereich Süderelbe, im Binnenhafen und eine Freizeit-Route, bei der etwa Stationen des Kulturpfads und andere Sehenswürdigkeiten Harburgs gezeigt werden.

Ganz neu ist die Idee der Willkommenstouren durch Harburg unterdessen nicht. Von Oktober bis Dezember des Vorjahres hatte es bereits neun gegeben, organisiert von einem Freiwilligen-Netzwerk um Doris Wache. „Wir sind seinerzeit die Spielplätze rund um den Schwarzenberg abgelaufen, haben aber auch Einkaufsmöglichkeiten, die Buchhandlung Leichers, die Bücherhalle und das Café Refugio gezeigt“, sagt Doris Wache gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Dabei sei aber auch deutlich geworden, dass weniger oft mehr sein kann. „Nach drei Stationen zeigten sich bereits erste Ermüdungserscheinungen bei mehreren Teilnehmern. Deshalb sollten die Touren nicht überfrachtet werden“, gibt Wache zu bedenken.

Das Bezirksamt beziffert Kosten des Projekts auf rund 10.000 Euro

Auf alle Fälle hat das Bezirksamt schon mal ausgerechnet, dass das Projekt bei 24 zweistündigen Rundgängen pro Jahr etwa 10.000 Euro kosten würden. Der größte Einzelposten entfallen dabei auf Übersetzungen der Infomaterialien in neun Sprachen (4000 Euro) sowie die Anschaffung und das Bedrucken der 2500 Taschen (2600 Euro). „Dafür liegt uns jetzt eine Deckungszusage aus dem Bundesprogramm ,Demokratie Leben’ vor“, so Sarah Heinlin. Geplant ist indes auch eine Aufwandsentschädigung für die Stadtführer in Höhe von 15 Euro pro Rundgang. Deren Finanzierung steht aber noch nicht.