Harburg
Fleestedt

Politiker stimmen für Lidl-Neubau

Projekt in Fleestedt nimmt nach jahrelanger Beratung wichtige Hürde. Bürger können noch ihre Bedenken äußern

Fleestedt.  Bei Neuansiedlungen oder Erweiterungen von Lebensmittelmärkten und anderen Geschäften ist die Gemeinde Seevetal vorsichtiger geworden. Noch immer scheint ihr der Schock über das jähe Ende der Pläne für Aldi und der Erweiterung von Knolles Markt in Ramelsloh in den Knochen zu stecken. Bei jedem Projekt wird deshalb nahezu mantraartig wiederholt, es müsse noch geprüft werden, ob es in die Vorgaben der Raumordnung passe und dass man ja noch lange nicht am Ende des Planungsprozesses sei.

Auch der bereits seit einigen Jahren geplante Lidl-Neubau am Fleestedter Ring in Fleestedt bildet da keine Ausnahme, obwohl im Umwelt- und Planungsausschusses der Gemeinde am Dienstagabend betont wurde, wie schön es sei, dass man nun endlich vorankomme.

Bei einer Enthaltung stimmten die Politiker für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Bauamtsleiter Gerd Rexrodt machte den Bürgern im Publikum aber sogleich deutlich, dass die weiteren Planungen mindestens noch ein halbes, vielleicht sogar ein Jahr dauern würden und sie ausreichend Gelegenheit hätten, ihre Bedenken und Anregungen zu äußern.

Die Eckpunkte des Projekts stellte Architekt Helmut Klaassen vom Architekturbüro Joachim Schmidt den Ausschussmitgliedern vor. So wird der derzeit 900 Quadratmeter große Markt für den Neubau komplett abgerissen, ebenso Teile des leerstehenden Schlecker-Markts. Der knapp 1200 Quadratmeter große Neubau rückt in die nordöstliche Ecke des Grundstücks zwischen Winsener Landstraße und der Bebauung am Lindenweg. Somit ist der Blick auf den Fleestedter Marktplatz nur noch über den Parkplatz möglich.

Der Eingang in den Lidl-Markt erfolgt über den Parkplatz, die Kühlräume, deren Kühltechnik nach Aussage von Lidl nicht mehr Lärm machen soll als gesetzlich erlaubt, liegen an der nördlichen Seite zur Winsener Landstraße, dort sollen auch Lkw den Markt anliefern können. Die Fahrzeuge müssen dafür allerdings über den Fleestedter Ring und den Parkplatz fahren, weshalb nur wendige City-Lkw eingesetzt werden können.

Die Parkplätze, die Architekt Klaassen als „derzeit ungünstig“ bezeichnete, sollen auf 2,50 Meter verbreitert werden, um so die Kundenfreundlichkeit zu erhöhen. Das Dach des Markts soll begrünt werden, damit die Anwohner einen schöneren Anblick als Beton haben.

Aus den Reihen der Politiker gab es grundsätzliche Zustimmung, aber auch kleinere Verbesserungsvorschläge. „Wir begrüßen das Vorhaben. Es ist eine Bereicherung für den Ortskern“, sagte etwa Gerd Otto Kruse, der als beratendes Mitglied für Bündnis 90/Die Grünen im Ausschuss sitzt. Das neue Wartehäuschen an der dem Lidl-Markt vorgelagerten Bushaltestelle sollte jedoch weiter Richtung Osten rücken, damit es näher an die Türen der Busse heranreicht.

Die Fahrradständer wiederum sollten weiter entfernt aufgestellt werden, damit die Räder nicht so schnell beschädigt werden. Er regte an, generell mehr Fahrradständer zu errichten, die allerdings der Investor bezahlen soll. Außerdem könnten doch Alleebäume entlang des Marktes gepflanzt werden, um die kahle Wand zur Winsener Landstraße zu verdecken.

Als „neuralgischen Punkt“ bezeichnete der CDU-Fraktionsvorsitzende Walter Schulz zwar die Anlieferzone. Ihm sei jedoch wichtiger, dass sich die Parkplatzsituation für die Kunden verbessere. Die breite Wand in Richtung Winsener Landstraße sei keine Zierde für den Ort, räumte auch er ein. Das begrünte Dach, das Lidl zuerst nicht schaffen wollte, dann aber schließlich doch, sei seiner Ansicht nach aber ausreichend als Grünfläche.

Reiner Wohlers, Immobilienleiter der Lidl-Regionalgesellschaft in Wenzendorf, bescheinigte den Politikern, dass er selten so hart verhandelt habe wie mit ihnen. Die Bevölkerung könne man für solche Volksvertreter nur beglückwünschen.