Harburg
Architekturdenkmal

Ein Kleinod Finkenwerders wurde aufpoliert

Die Friedhofskapelle wurde 1926 nach Plänen von Fritz Schumacher gebaut

Die Friedhofskapelle wurde 1926 nach Plänen von Fritz Schumacher gebaut

Foto: Lars Hansen / HA

Finkenwerders alte Friedhofskapelle verfiel über viele Jahre. Jetzt wurde der Schumacher-Bau saniert und der Geschichtswerkstatt übergeben. Die hat Pläne.

Finkenwerder. Die Davidwache, das Planetarium, das Tropeninstitut, Dulsberg– kaum ein Architekt hat Hamburg so geprägt, wie Fritz Schumacher. Sein Stil, der die neoklassizistische Formverliebtheit der Gründerzeit mit der Nutzungspragmatik der Moderne in Backsteinarchitektur vereinte ist überall in der Stadt anzutreffen und wird bis heute kopiert.

Schumacher war aber nicht nur ein Mann für die großen Bauten. Als Hamburger Oberbaudirektor entwarf er auch Klos und Kleinkinderplanschbecken. Auch diese kleinen Bauten wurden mit großer Liebe zum Detail entworfen und gebaut.

Zwei solcher Kleinode befinden sich auf dem alten Finkenwerder Friedhof: Die Eingangspforte und die Kapelle entstanden in den Jahren 1926 und 1927. Weil auf dem alten Friedhof schon lange keine Beisetzungen mehr stattfinden, blieb die Kapelle jahrelang ungenutzt.

Lediglich das garten-und Friedhofsamt nutzte das Baudenkmal als Geräteschuppen. „Das will heute niemand mehr zugeben“, sagt der Finkenwerder Kommunalpolitiker Ralf Neubauer (SPD), „aber durch die Fenster konnte man die Schaufeln und Schubkarren sehen.“

Die Kapelle verwahrloste äußerlich und das ließ sie halbstarken Tunichtguten als probates Ziel für angewandten Vandalismus erscheinen. Einige zerstörten Fensterscheiben, andere übermalten die Backsteinmuster mit bunter Sprühfarbe.

Vielen Finkenwerdern war das ein Dorn im Auge. Nichtunbedingt, weil hier ein Schumacher-Werk verkam, sondern weil die beschmierte Kapelle schlicht unansehnlich war. In der Bezirksverwaltung wurde laut über einen Abriss nachgedacht.

Dazu kam es nicht. Im Gegenteil: Am Mittwoch wurde die sanierte Kapelle neuen Nutzern übergeben. Die Geschichtswerkstatt Finkenwerder will damit neues Leben auf den alten Friedhof bringen.

„Wir planen hier Ausstellungen, und Vorträge“ sagt Helmke Kaufner von der Geschichtswerkstatt, „außerdem sollen Schulkurse, mit denen wir kooperieren, hier arbeiten können.“

Für die Geschichtswerkstatt hat der alte Friedhof eine besondere Bedeutung: Sie entstand in den 90er-Jahren aus der Aufarbeitung der Zwangsarbeit bei der deutschen Werft im dritten Reich. die Zwangsarbeiter, die die Strapazen nicht überlebten, wurden auf dem alten Friedhof anonym verscharrt, während Finkenwerders Nazis wenige Meter davon entfernt pompöse Gedenkfeiern für deutsche Soldaten abhielten, die im ersten Weltkrieg gestorben waren.

Noch heute ist diese Zeit einer der Schwerpunkte der Geschichtswerkstatt. „Allerdings gibt es immer weniger Zeitzeugen“, sagt Helmke Kaufner. „Wir beschäftigen uns deshalb verstärkt auch mit der direkten Nachkriegszeit.“

Acht Monate dauerte die Sanierung der Kapelle. Architekt Heiko Donsbach freute sich dabei darüber, wie begeistert die Handwerker der einzelnen Gewerke ihre Arbeit erledigten. „Alle waren mit viel Ehrfurcht vor dem Werk dabei und gleichzeitig sehr neugierig“, sagt Donsbach.

Bezirksamtsleiter Andreas Grote freute daran ganz besonders, dass Donsbach und die begeisterten Handwerker den geplanten Etat unterschritten und 4000 von den bereitgestellten 109.000 Euro übrig ließen. „Das hat man nicht oft“, sagte Grote.

Die Geschichtswerkstatt plant sechs Ausstellungen und sechs Vortragsveranstaltungen pro Jahr in der Kapelle abzuhalten. Außerdem soll die Geschichtswerkstatt in der jeden Dienstag und Donnerstag nachmittags geöffnet sein. Ein Problem dabei sind die fehlenden Toiletten, aber Helmke Kaufner und ihre Mitstreiter führen bereits Gespräche.

Außerdem könnte die Geschichtswerkstatt noch ein paar Sach-oder Geldspenden gebrauchen. „Wir benötigen ein paar Spinde, eine Leinwand, Audiorekorder und Beamer“, sagt Kaufner.

Erst einmal ist sie jedoch froh, angekommen zu sein und froh darüber, wie schön die Sanierung gelungen ist: „Allein, wenn ich mir die Giebelwand ansehe, merke ich. was für ein Kleinod wir hier haben“, sagt Kaufner. „Die diagonalen Muster im Mauerwerk, der romanische Bogen über gotisch anmutenden Fenstern, das ist alles so typisch Schumacher.“

Zum ersten Mal öffnet die Geschichtswerkstatt zur kulturellen Deichpartie am 12. und 13. September.