Harburg
Harburger Schrebergärten

Landesbetrieb verhandelt mit Bahn um "Seeveparadies"

Heinz Podulski und Ulrich Eggert hoffen noch immer auf eine für den Verein glückliche Lösung

Heinz Podulski und Ulrich Eggert hoffen noch immer auf eine für den Verein glückliche Lösung

Foto: Jochen Gipp / HA

Der Hamburger Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) ist im Gespräch mit Deutscher Bahn AG für eine Lösung

Rönneburg/Meckelfeld.  Knapp ein Jahr ist es her. Da herrschte große Unruhe unter den rund 140 Mitgliedern des Kleingartenvereins "Seeveparadies" . Die Deutsche Bahn AG hatte als Eigentümerin des rund 9,5 Hektar großen Kleingartengeländes dem Vereinsvorstand mitgeteilt, das Grundstück, das sich im Gebiet von Hamburg-Rönneburg und dem niedersächsischen Meckelfeld befindet, verkaufen zu wollen. Inzwischen hat sich die Unruhe unter den Schrebern gelegt. Sie gärtnern weiter in ihren Parzellen, genießen auch jetzt die Zeit der Schulferien, um ihre grünen Oasen zu pflegen und Obst und Gemüse zu ernten. Etwa sechs Hektar groß ist die reine Gartenfläche.

Alle Sorge, der angekündigte Grundstücksverkauf könnte das Ende des Seeveparadieses sein, scheint derzeit verflogen. Der Harburger Heinz Podulski, 77, Sprecher der Seeveparadies-Schreber, setzt alle Hoffnungen auf laufende Verhandlungen zwischen dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG Hamburg) und der für die Kleingartenverwaltung zuständigen Immobilien-Abteilung der Deutschen Bahn. Daniel Stricker, Sprecher der Hamburger Finanzbehörde und des LIG, bestätig die derzeit mit der Bahn AG geführten Gespräche. Er sagt: „Es ist allerdings noch zu früh, Ergebnisse zu vermelden. Dies wird sicher auch noch einige Zeit dauern.“ Solange auf dieser Ebene von Stadt Hamburg und Bahn AG verhandelt werde, besteht nach Einschätzung von Podulski vorerst keine Gefahr für die weitere Nutzung der Kleingartenanlage durch die Schreber.

Mit einer Unterschriftensammlung hatten die Kleingärtner vom Seeveparadies vor einem Jahr Entschlossenheit bewiesen, ihre „Scholle“ verteidigen zu wollen, sie hatten Harburger Bezirkspolitiker auf ihre Notlage aufmerksam gemacht und um Unterstützung gebeten. Jürgen Heimath, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Harburger Bezirksversammlung, hatte die soziale Verantwortung der Deutschen Bahn angemahnt. Er sagte: „Die Deutsche Bahn sollte das im Flächennutzungsplan als Grünland ausgewiesene Gelände den Schrebern zu einem nicht überteuerten, angemessenen Preis zum Kauf anbieten.“ Er schätzte, das dies die einfachste Lösung des Problems sei. Die Ausweisung als Grünland im Flächennutzungsplan bedeutet auch, dass außer Landwirtschaft oder Gartennutzung auf diesem Gelände zwischen dem Ufer des Seevekanals und der Bahnstrecke Harburg-Maschen keine andere Nutzung denkbar ist. Der Vorstand der Deutsche Bahn AG hatte deshalb den Auftrag erteilt, alle nicht mehr benötigten Grundstücke zu verkaufen.

Das Kleingartengelände am Wagenwerksweg war vor gut 45 Jahren entstanden, nachdem unter anderem Bodenaushub vom Bau des Rangierbahnhofs Maschen abgeladen worden war. Die ersten Kleingärten waren vor etwa 42 Jahren angelegt worden. Der inzwischen 80 Jahre alte Ulrich Eggert erinnert sich, dass die Schreber großen Mengen an Mutterboden herbeischaffen mussten, um in ihren Gärten Pflanzen gedeihen lassen zu können. In der Anfangszeit waren fast ausschließlich Eisenbahner im Kleingartenverein Seeveparadies vertreten. Inzwischen sind die Schrebergärtner eine weitgehend internationale Gemeinschaft und nach einer längeren Flaute gibt es auch wieder zahlreiche junge Familien mit Kindern, die sich eine Parzelle einrichten. Die meisten Pächter kommen aus dem Bezirk Harburg und dem nördlichen Niedersachsen. Der Verein zählt aber auch Pächter aus dem weiteren Hamburger Stadtgebiet und sogar aus dem südlichen Schleswig-Holstein.

Die durchschnittliche Parzellengröße liegt bei 500 Quadratmeter Gartenfläche. Die Lauben haben eine Grundfläche von 20 Quadratmetern. Die jährliche Pacht liegt bei 150 Euro zuzüglich etwa 100 Euro Vereinsbeitrag. Podulski blickt zurück: „Als ich 1973 zusammen mit meiner Frau Helge die Parzelle anlegte, war ich 35 Jahre alt. Unsere beiden Töchter sind hier als Kinder groß geworden. Sie sind hier mit dem Schlauchboot auf dem Seevekanal gefahren. Das ist hier wirklich paradiesisch.“

Zusammen mit seiner Frau Sigrid verbringt Ulrich Eggert bereits seit 39 Jahren fast jeden Tag im Garten. Das waren mühsame Jahre des Aufbaus, bis wir hier etwas ernten konnten“, erinnert er sich. Umso größer ist die Sorge, dass die Verkaufsabsichten der Bahn AG ein rasches Ende für die liebevoll angelegten Gärten und die mit viel Fleiß in Schuss gehaltenen Gartenlauben bedeuten könnte. Die meisten Schreber bringen ihre Obst- und Gemüseernte zum Einfrieren oder Einkochen nach Hause und können als Selbstversorger viel Geld sparen. Heinz Podulski: „Das soll so bleiben.“