Harburg
Niederdeutsch

Am Kiekeberg soll ein Plattzentrum entstehen

Die plattdeutsche Theatergruppe „De Steenbeeker" probt mit Ohnsorg-Schauspielerin Sandra Keck

Die plattdeutsche Theatergruppe „De Steenbeeker" probt mit Ohnsorg-Schauspielerin Sandra Keck

Foto: Lars hansen / HA

Plattdeutsch gehört zum Landkreis Harburg, sagt Plattdeutschbeauftragter Herbert Timm. Deshalb soll nun ein „Plattzentrum“ am Kiekeberg entstehen.

Winsen.  Platt gehört zum Landkreis Harburg wie Heide und Marsch. Davon ist Harburgs stellvertretender Landrat Heiner Schönecke (CDU) überzeugt. Deshalb unterstützt er die Vorschläge von Herbert Timm, der sich viele Jahre als Plattdeutschbeauftragter des Landkreises ehrenamtlich darum gekümmert hat, in einer Vielzahl von Initiativen die niederdeutsche Sprache lebendig zu erhalten.

Dazu zählen unter anderem Angebote am Kiekeberg, Vorlese- und Theaterwettbewerbe, der Quickborn-Preis für Literatur auf Plattdeutsch sowie das Zentrum für Platt in Salzhausen.

Plattdeutsch ist ein Kulturschatz der Region, den es zu pflegen gilt

Timm, der für sein Engagement unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, hat angekündigt, im kommenden Jahr sein Ehrenamt aus persönlichen Gründen niederzulegen. Nun hat sich Herbert Timm mit einem Vorschlag an einige Mitglieder des Kreistages gewandt. Künftig könnten die verschiedenen Institutionen vom Freilichtmuseum Kiekeberg aus koordiniert werden. Sinnvoll wäre es aus Timms Sicht daher, eine feste Stelle zu schaffen.

Heiner Schönecke unterstützt Timms Vorschlag. Der Landkreis könne mehr tun als bisher, um die Arbeit der vielen Initiativen, Vereine und Ehrenamtlichen zu unterstützen. Immerhin sprechen nach Angaben des Instituts für Niederdeutsch 14 Prozent der Niedersachsen regelmäßig Platt. Darunter sind auch viele Harburger.

„Es wäre gut, wenn es ein Gesicht gibt, das im Kreis für Plattdeutsch steht“, sagt Schönecke. Es gehe darum, einen wichtigen regionalen Kulturschatz zu erhalten. „Da reicht ein Besuch im Ohnsorg-Theater oder eine Band, die auf Platt singt, nicht“, sagt Schönecke.

Vielmehr müsse sich Niederdeutsch seinen Platz als gleichwertige Alltagssprache neben Hochdeutsch zurückerkämpfen. Projekte in Kindergärten, Schulen und Pflegeeinrichtungen seien gute Ansätze. Doch für kontinuierliche Maßnahmen bedarf es der Hilfe aus der Politik. Wenn es nach Schönecke ginge, müsste der Kreistag eine Strategie für die kommenden Jahrzehnte entwerfen.

„Wer Platt spricht, ist den Menschen gleich näher“, sagt Heiner Schönecke, der auch bei offiziellen Anlässen gern mal Platt spricht und sich darauf freut, seinen Enkeln in den Ferien auf Helgoland Harry Potter vorzulesen – natürlich auf Platt. Sogar über eine Kreistagssitzung auf Platt sei immer mal wieder gesprochen worden, sagt Schönecke.

Die Grünen wollen sich an Beispielen aus Schleswig-Holstein orientieren

Die Idee hat parteiübergreifend Anhänger. Einer von ihnen ist Volkmar Block. Der stellvertetende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag sieht einen großen Verlust im Ausscheiden von Herbert Timm. „Die Arbeit, die unser Plattdeutschbeauftragter leistet, ist hervorragend.“ Deshalb sei es wichtig, seine Arbeit fortzusetzen.

Block verweist auf die Erfahrungen aus Schleswig-Holstein, wo die Zahl der Schulen, die Plattdeutsch lehren, zuletzt zugenommen hatte: „Vielleicht kann man sich dort informieren, was dazu beigetragen hat.“ Zudem wäre es aus Sicht von Block sinnvoll, bei der Landesregierung in Hannover um Unterstützung nachzufragen. Auch die Europäische Union unterstütze die Pflege von Regionalsprachen finanziell.

Auch Brigitte Somfleth, Ortsbürgermeisterin in Meckelfeld, Klein-Moor hat zuletzt auf dem Schützenfest in Moor bewiesen, dass ihr Platt flüssig über die Lippen kommt. Und dass, obwohl Somfleth, wie sie selbst sagt, „leider nicht zweisprachig aufgewachsen ist.“ Die zweite stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag unterstützt den Einsatz für die Pflege der Plattdeutschen Sprache „ohne Wenn und Aber“.

Eine finanzielle Unterstützung durch den Landkreis, wie Timm sie anregt, beurteilt die SPD-Kreistagsabgeordnete jedoch zurückhaltend. „Die Finanzsituation auf Kreisebene ist nicht gerade rosig. Ob unbedingt eine feste Stelle geschaffen werden muss, können wir diskutieren“, sagt Somfleth.

Wie die Förderung der Plattdeutschen Sprache künftig organisiert wird, entscheidet sich nach der Sommerpause. Derzeit erarbeitet die Kreisverwaltung eine Stellungnahme, die dann im Kreistag diskutiert wird – wenn es nach Heiner Schönecke geht, gerne op Platt.