Harburg
„A Summers Tale Festival“

Auf Hochtouren für das Festival

Nicht ohne Schnurtelefon: In den „Grünen Salon“ baut Petra Sommer von der Hanseatischen Materialverwaltung Omas Wohnzimmer einl

Nicht ohne Schnurtelefon: In den „Grünen Salon“ baut Petra Sommer von der Hanseatischen Materialverwaltung Omas Wohnzimmer einl

Foto: Susanne Rahlf / HA

Heute Abend startet das „A Summers Tale Festival“ mit Musik, Kunstaktionen und Workshops in Luhmühlen. Wir haben beim Aufbau zugesehen.

Luhmühlen.  Noch liegt Luhmühlen im Dornröschenschlaf. Wanderer auf dem Weg durch die Lüneburger Heide sitzen in den Biergärten unter schattigen Sonnenschirmen, rote Geranien blühen an reetgedeckten Häusern in den Blumenkästen. An der Hauptstraße reihen sich die Geschäfte, in denen man Sattel, Reitstiefel und Zaumzeug kaufen kann.

Man trinkt Bier in der „Kalesche“ und die Stromverteilerkästen zieren Malereien von blonden Reiterinnen auf weißen Rössern. In Luhmühlen dreht sich alles um Pferde und Reitsport. Kein Wunder: direkt hinter dem Ortsausgangsschild führt ein schmaler Waldweg zum Ausbildungszentrum Luhmühlen, in dem Spring- und Dressurreiter zu sportlichen Höchstleistern ausgebildet werden.

Doch in den kommenden Tagen werden die sanften Wiesen, schattigen Wäldchen und der große Hauptplatz von Menschen bevölkert sein, die Musik unter freiem Himmel genießen wollen. Von heute bis tief in die Sonnabendnacht läuft auf dem Gelände das „A Summers Tale-Festival“, mit 72 Künstlern auf den Bühnen, Performances, Workshops und einem bunten Programm für Familien.

Absolutes musikalisches Highlight auf der schwarzen Rundbühne auf dem Hauptplatz ist am Freitag der Auftritt der amerikanischen Rock-Punkikone Patti Smith. Weiterhin haben sich bekannte Blues-, Soul- und Popstars wie Tori Amos, Zaz, Sophie Hunger, Alex Clare oder die Band „Belle and Sebastian“ angesagt.

Neben Konzerten und DJ-Sets werden manchmal schräge aber immer spannende und witzige kulturelle Highlights geboten: Kunstprojekte, Kinoleinwände, Lesungen, dazu Workshops zum Thema Genuss und Musik, Yoga, Kanutrips, Ausflüge ins grüne Umland und vieles mehr. Wer zwischendurch eine Auszeit braucht, kann sich in den vielen Chillzonen entspannen.

Am vergangenen Montag konnte man langsam erahnen, was auf dem Gelände in den kommenden Tagen entstehen wird. Vier Kilometer Absperrzaun musste aufgebaut werden, mehr als 160 Wasser-, Kompost und Mobiltoiletten aufgestellt und 45 Duschen installiert werden. 600 Menschen kümmern sich darum, dass ab heute Abend alles steht und dass die erwarteten 5000 Besucher rundum gut versorgt sind.

„Man geht für eine Stunde weg – und wenn man wieder kommt, hat sich alles verändert“, sagt Julia Baer, die für den Veranstalter FKP Scorpio das Festival koordiniert. Rund anderthalb Jahre hat sie das Konzept für dieses Festival entwickelt und mit Leben gefüllt.

Vorlage waren die englischen Musikfestivals, bei denen den Besuchern neben den Künstlern auch Familienprogramm, Kunst und Workshops geboten werden und Nachhaltigkeit ein Thema ist. Während sie erzählt laufen kräftige junge Männer in Cargohosen vorbei, das Funkgerät immer fest in der Hand.

Die Wege sind weit, viele radeln mit Fahrrädern übers Gelände, wenn ihre Hilfe angefordert wird. Überall tragen junge Leute Sitzpodeste an ihren vorbestimmten Platz, am Festival Atelier werden Blumenkästen aus Holz zusammengehämmert und Wegweiser mit bunten Fäden bespannt.

Auf dem Platz vor der großen Rundbühne ist im Prinzip schon alles vorbereitet. Letzte Aufbauten an den großen Türmen mit den Lautsprechern werden noch gemacht, dann kann die Elektrik für Scheinwerfer und Musik installiert werden. Am Rande des Platzes steht schon das große weiße Restaurantzelt, in dem das Harburger Restaurant „Leuchtturm“ die Besucher mit anspruchsvollen Menüs beglücken wird.

Davor glänzt ein großer Kasten, der mit goldenen Kugeln dekoriert ist: „Das ist einer der vielen Kunst-Müllbehälter, die die Hamburger Bühnenbildnerin Martina Stoian eigens für das Festival entworfen hat“, sagt Julia Baer stolz.

Etwas weiter entfernt von der Bühne liegt eine Wiese, auf der das „Luhedeck“ aufgebaut ist. Die Wände des weißen Zeltes werden bei schönem Wetter aufgeklappt. Hier kann man entspannt Yoga machen, auch der Poetry-Slam Workshop und das Sommelier-Seminar werden hier stattfinden.

Vor dem Zelt ist ein Holzdeck aufgebaut, ein kleiner weißer Zaun und Blumenkästen machen den Ort zu einer Chillout-Zone kombiniert mit deutscher Gemütlichkeit. Die weißen Zäunchen werden auch den „Grünen Salon“ umfrieden.

Der zu Omas Wohnzimmer umgebaute Container ist noch nicht eingerichtet. Petra Sommer von der „Hanseatischen Materialverwaltung“ hat dazu Bilder aus Kaisers Zeiten, beige Plüschsessel, Schreibmaschine und Blümchenlampe ausgewählt.

Gerade wühlt sie in einer Kiste auf der Suche nach dem weißen Schnurtelefon mit Wählscheibe. Es soll dem Salon noch mehr den verstaubten Charme vergangener Zeiten verleihen und ist ideal für die Lesungen, die hier stattfinden werden.

Hier, am Wassergraben der Reitanlage ist es besonders idyllisch, wer Zeit und Muße hat, entdeckt in den hohen Bäumen Kunstinstallationen die sich sanft im Wind wiegen. Empfehlenswert ist auch der Besuch der kleinen, runden, rot-gelb gestreiften Zeltes neben dem zweiten Musikbühne. Es ist das „The Tales Café“.

Hier bekommt man Frühstück und kleine Snacks, hier gibt es Raum für Gespräche und Begegnungen: „Jeder kann sich beteiligen, ich bin sehr gespannt wie sich das entwickelt“, freut sich Julia Baer.

Alle Infos zu Tickets und Workshops auf: www.asummerstale.de oder telefonisch unter 01806 853 653.