Harburg

Neuer Wohnmobilstellplatz in Harburg geplant

Marc Jans hat letztes Jahr den Wohnmobilpark „Elbepark Bunthaus“ in Moorwerder eröffnet

Marc Jans hat letztes Jahr den Wohnmobilpark „Elbepark Bunthaus“ in Moorwerder eröffnet

Foto: Lars Hansen / HA

Die Harburger Verwaltung will einen Wohnmobilstellplatz ermöglichen. In Wilhelmsburg gibt es bereits einen. Der Betreiber gibt Tipps

Geht es nach dem Willen der Harburger Bezirksversammlung, werden in Harburg oder in Süderelbe demnächst wohlhabende Touristen mit Wohnmobilen kampieren. Ein Antrag der CDU, der die Verwaltung auffordert, geeignete Flächen zu benennen, wurde mehrheitlich angenommen. Nur: Was ist eine geeignete Fläche? Beantworten kann das zum Beispiel Marc Jans. Er eröffnete im letzten Jahr in Moorwerder den „Elbepark Bunthaus“. Schon in diesem Jahr ist sein Wohnmobilstellplatz im Sommer fast ausgebucht.

Die Nacht war ruppig. Der Sommersturm hat zwar längst nicht so stark geweht, wie vorherbefürchtet, aber kräftig geblasen hat er. Jetzt scheint die Sonne wieder. Marc Jans sitzt mit einer Kaffeetasse vor der Rezeption, auf der Norderelbe tuckert ein Schiff vorbei und der größte Teil der morgendlichen Völkerwanderung ist vorbei. Die, die weiterreisen haben größtenteils schon ausgecheckt. Die, die Tagesausflüge machen, haben sich mit Tipps eingedeckt und sind zur Bushaltestelle gegangen.

„Anbindung ist das Wichtigste“, sagt Jans, „Gerade bei einem Wohnmobilplatz in der Großstadt. Darauf müssten die Harburger achten, wenn sie Flächen suchen. Von unserem Platz aus ist man in 30 bis 40 Minuten mit Bus und S-Bahn in der Innenstadt und das finden viele unser Gäste schon grenzwertig. Alles was länger dauert, wird schwierig.“

Ralph Seiffert kann das bestätigen: „In die Stadt hinein sind wir bequem gekommen“, sagt er. „Aber dadurch, dass die Busse abends nur stündlich fahren, muss man gut planen.“

Seiffert sieht sich nicht als typischen Wohnmobilisten, aber den gibt es auch nicht. Er ist mit seiner Freundin in einem gemieteten Wagen unterwegs. Die beiden wollen nach Wacken. Allerdings wollen sie beim Rockfestival nicht auf die spärliche sanitäre Infrastruktur angewiesen sein, für die die Veranstaltung legendär ist. Weil es Wohnmobile im Sommer immer nur für zwei Wochen zu mieten gibt, haben die beiden Bayern um ihren Festivalbesuch herum einen Norddeutschlandurlaub gebastelt. Wohin sie wollen, wissen sie noch nicht genau. „Wahrscheinlich nach Sankt Peter-Ording“, sagt Seiffert, „aber wir hören uns noch um.“

Das ist eine weitere wichtige Funktion von Stellplätzen: Die Gäste tauschen sich aus. Dass der Platz in Moorwerder schon ein Jahr nach der Eröffnung gut angenommen wird, liegt auch an Mundpropaganda und spricht für Marc Jans’ Arbeit. Die erschöpft sich nicht im Zuweisen von Plätzen und im Kassieren der Gebühren. Er und seine Mitarbeiter geben Ausflugstipps, erklären den HVV, nehmen die Brötchenbestellungen für den nächsten Tag entgegen, sehen nach dem Rechten, reichen eine Hand wo Hilfe benötigt wird und halten nicht zuletzt die Sanitärbereiche in Ordnung.

„Die klassischen Wohnmobile sind zwar autark“, sagt Jans, „aber weil man zu uns auch mit einem alten Campingbus kommen kann, brauchen wir die Anlagen sowieso. Und wenn sie schon mal da sind, benutzen auch die Leute mit den Luxuswohnmobilen lieber die Duschen und Toiletten auf dem Platz.“

Das liegt zum einen daran, dass so ein Wohnmobil„Badezimmer“ eher eng ist, zum anderen aber auch an der Arbeit, die Toilette und Dusche verursachen: Frischwasser muss getankt werden, Abwasser und gesättigte Toilettenchemie entsorgt. „Auch das muss ein Stellplatz bieten: Ver- und Entsorgungsstationen“, sagt Jans, „Und Strom darf man nicht vergessen: Ohne externen Stromanschluss will kaum jemand sein Wohnmobil abstellen.“

Ein fabrikneues Wohnmobil kostet mindestens 50.000 Euro. Die Luxusklasse beginnt ab 120.000, Obergrenze flexibel. Wer so viel investiert, lässt auch am Zielort gerne mehr Geld, das ist der Hintergrund des CDU-Antrages: „Reisende mit Wohnmobilen stellen eine besonders kaufkräftige Gruppe der Touristen dar, die Hamburg besuchen. Bei dieser Gruppe profitiert nicht nur die Hamburger Innenstadt, sondern auch das Umfeld des Stellplatzes, besonders Einzelhändler und Restaurants.“ schreibt der Abgeordnete Hanno Hintze in der Antragsbegründung.

Marco Jans kann das nicht direkt bestätigen: Sein Platz liegt isoliert. Er hat schlicht keine Nachbarn, die profitieren könnten. Da könnte Harburg punkten. Und mit den Saisonzeiten: Im Herbst, der besten Städtereisenzeit, muss der Elbepark schließen: Sturmflutgefahr. Da hat es das hügelige Harburg besser, bräuchte aber Anbindung, Anlagen und Leute wie Jans – wegen der Mundpropaganda.