Harburg
Amtseinführung

Erste Frau leitet das Amtsgericht Tostedt

Foto: Bianca Wilkens / HA

38-jährige Dr. Astrid Hillebrenner aus Buxtehude löst Joachim Pittelkow aus Tostedt ab. Gestern fand die Amtseinführung statt.

Tostedt.  Diese Frau vereint gleich mehrere Superlative: Sie ist die erste Frau, die das Amtsgericht Tostedt leitet, und sie ist eine der jüngsten. Die 38 Jahre alte Astrid Hillebrenner wurde am Montag offiziell in ihr Amt eingeführt und löst damit Joachim Pittelkow als bisherigen Amtsdirektor ab, der nach 37 Jahren Dienstzeit am Amtsgericht in den Ruhestand geht.

Hillebrenner arbeitete als Staatsanwältin in Lüneburg und Stade

Für die Frau aus Buxtehude ist das Amtsgericht Tostedt kein Neuland. Schon von 2007 bis 2011 war sie als Amtsrichterin in Tostedt tätig. „Ich hatte hier eine wunderbare Zeit. Das Amtsgericht Tostedt zeichnet sich durch eine hohe Kollegialität aus. Und ich habe die Arbeit hier als sehr kon­struktiv empfunden“, sagte sie.

Astrid Hillebrenner hat eine steile Karriere hingelegt. Nach ihrem Rechtswissenschaftsstudium in Hamburg arbeitete sie als Staatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg und Stade. Der erste Karriereaufstieg folgte mit dem Wechsel als Richterin zum Landgericht Stade. Vor ihrem Amtsantritt als Direktorin in Tostedt machte sie Station beim Niedersächsischen Justizministerium als Referatsleiterin, unter anderem für Opferhilfe, Prävention und Jugendstrafrecht. Das „besondere Potenzial“ von Astrid Hillebrenner habe sich schon sehr früh gezeigt, lobte Carl-Fritz Fitting, Präsident des Landgerichts in seiner Ansprache. Er habe sie als „sehr fleißige, kompetente und teamfähige“ Frau kennengelernt.

Sie ging als mutige Richterin in die Geschichte ein

Dass es sie von Hannover wieder nach Tostedt zieht, hat sich offenbar schon früh abgezeichnet. Zwar fand sie es spannend, in ihrer Zeit beim Justizministerium einen Einblick in die Landespolitik zu bekommen. Aber es war für sie klar, wieder zurück in die Praxis zu gehen. Dafür ist sie viel zu gerne Richterin. „Ich mag es, in die unterschiedlichen Rechtsgebiete einzutauchen und es mit so vielen unterschiedliche Bürgern zu tun zu haben“, sagte sie. „Ich hatte mir schon gewünscht, nach Tostedt zurückzukehren.“

Als Richterin hat sich Astrid Hillebrenner schon allein deshalb in Tostedt einen Namen gemacht, da sie den Rechtsextremisten Stefan Silar, der viele Jahre den Laden „Streetwear Tostedt“ betrieb, 2011 zu einer Freiheitsstraße von einem Jahr und sechs Monaten verurteilte. Zwar kassierte das Oberlandesgericht Celle das Urteil später wieder. Dennoch: Mit dieser Urteilsverkündung ging sie als mutige Richterin in die Geschichte ein.

Mit der rechten Szene umgehen zu müssen, sich mit Jugendlichen auseinander setzen zu müssen, die „absurdes, braunes Gedankengut“ verbreiten, sah auch der scheidende Amtsdirektor Joachim Pittelkow als eine der größten Herausforderungen in seiner Zeit am Amtsgericht an. „Für mich als gebürtigen Tostedter war es schwer verdaulich, dass mein Wohnort in Verruf geriet“, sagte er.

Redner würdigten Pittelkow auf Abschiedsfeier

Alles, was Rang und Namen hat, erschien zur gestrigen Feierstunde in das Amtsgericht Tostedt, um Joachim Pittelkow zu verabschieden: Landrat Rainer Rempe, Landgerichtspräsident Carl-Fritz Fitting, Samtgemeindebürgermeister Peter Dörsam, Leitender Oberstaatsanwalt Hartmut Nitz sowie der Vorsitzende des Anwaltvereins Stade, Christian Denkeler.

Die Redner würdigten den bescheidenen 66-Jährigen als jemanden, der „immer eng und konstruktiv“ mit ihnen zusammengearbeitet habe (Rempe) und der den Präventionsrat in Tostedt stark unterstützt habe (Dörsam). „Ich habe Herrn Pittelkow als einen kollegialen, einfühlsamen Richter kennengelernt, der mit viel Ruhe und Kompetenz verhandelt hat“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hartmut Nitz.

Kurze Wege und unbürokratisches Handeln war sein Credo. Und offenbar hat Joachim Pittelkow so etwas wie einen sechsten Sinn. Als Astrid Hillebrenner das Amtsgericht Tostedt nach ihrer ersten Tätigkeit verließ, prophezeite er: Sie kommt bestimmt wieder. Astrid Hillebrenner dazu: „Es ist schön, wieder zurück zu sein.“ Sie freut sich darauf, ein „so gut aufgestelltes Gericht“ zu übernehmen.