Harburg
Maschen

Decatur-Brücke bleibt auf unbestimmte Zeit ein Nadelöhr

Seevetals Bauamtsleiter Gerd Rexrodt und Bürgermeisterin Martina Oertzen wollen offen alle Alternativen diskutieren

Seevetals Bauamtsleiter Gerd Rexrodt und Bürgermeisterin Martina Oertzen wollen offen alle Alternativen diskutieren

Foto: Christiane Tauer / HA

Brücke ab August nur einspurig befahrbar. Keine Angaben über Dauer der Einschränkung. Alternativen sollen offen diskutiert werden.

Maschen.  Seevetal funkt SOS nach Hannover. Hilfe, lasst uns nicht mit dieser Brücke allein! Seit feststeht, dass die marode Decatur-Brücke über den Bahnhof Maschen nicht sanierungsfähig ist, ist die Sorge im Hittfelder Rathaus groß. Ein Neubau würde bis zu 30 Millionen Euro kosten – unbezahlbar für die Gemeinde ohne Hilfe von Land oder Deutscher Bahn.

Vom 28. August an bekommen jetzt auch die Bürger zu spüren, dass mit der Brücke etwas nicht mehr in Ordnung ist. Die beidseitige Verkehrsführung wird aufgehoben, Autos dürfen nur noch mit Tempo 30 auf einer Spur über die Mitte der Straße fahren. Eine Ampel an den jeweiligen Enden der Brücke sowie an den zwei Zufahrtsrampen zur Bahn soll den einspurigen Verkehr regeln. Bereits in den Wochen zuvor ist mit Behinderungen wegen des Einrichtens der neuen Verkehrsführung zu rechnen.

„Für uns ist es ganz schwer, diese Maßnahme den Bürgern verständlich zu machen“

Das Fatale an der Sache: Niemand im Rathaus kann sagen, wie lange die Einschränkung bestehen bleibt. Vier Jahre oder mehr seien möglich, sagt Bürgermeisterin Martina Oertzen. Vor allem die langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Grünphasen von fünf bis sechs Minuten dürften den Autofahrern zu schaffen machen. Die Brücke ist 750 Meter lang und eine längere Grünphase als 100 bis 120 Sekunden ist nicht vorgesehen.

„Für uns ist es ganz schwer, diese Maßnahme den Bürgern verständlich zu machen“, sagt Seevetals Bauamtsleiter Gerd Rexrodt. Viele würden sagen: Die sieht doch so aus wie immer, warum das Ganze? Die Gutachten, die im Zuge der sogenannten Nachrechnungsrichtlinie zur Sicherheit von Brückenbauwerken gemacht wurden, hätten aber klar ergeben, dass beispielsweise Schnee oder eine einseitige Belastung durch einen Verkehrsstau ein Risiko darstellten. „Niemand muss fürchten, dass die Brücke einstürzt“, beruhigt Rexrodt. Gleichwohl wolle die Gemeinde auf Nummer sicher gehen und nicht so lange warten, bis das Land oder die Deutsche Bahn aktiv werden.

Grundsatzfrage, wozu die Brücke überhauot gebraucht wird

Dass das tatsächlich noch dauern kann, hat Martina Oertzen in dieser Woche schriftlich bekommen. Das niedersächsische Verkehrsministerium hat einen offiziellen Gesprächstermin auf Anfang 2016 verschoben. Nur wenige Tage zuvor hatte eine Sprecherin auf Anfrage des Abendblatts erklärt, dass es das Gespräch noch im Sommer geben werde. „Das ist enttäuschend“, sagt Martina Oertzen und erinnert an die schönen Worte, die der zuständige Minister Olaf Lies bei seinem Besuch in Seevetal im Mai gemacht hatte, als er der Gemeinde seine Unterstützung versprach.

Sie stellt dabei die Grundsatzfrage: „Wozu brauchen wir die Brücke überhaupt?“ Das monströse Bauwerk, das 1973 von der Bahn an die Gemeinde übergeben wurde, sei keine klassische Brücke der Gemeinde, zumal sie auch noch zu einem Bahnhof führe, der aus Maschener Sicht auf der falschen Seite der Gleise liege. Vor allem die Bahn selbst sei für ihre Logistik auf die Brücke angewiesen.

Auch die Möglichkeit eines Tunnels soll geprüft werden

Die Gemeinde hatte von der Bahn bei der Übergabe zwar 3,6 Millionen D-Mark als Ablösesumme erhalten. Doch wenn man bedenkt, dass Seevetal seitdem 2,4 Millionen Euro, also mehr als das Doppelte dieser Summe, in die Brücke investiert hat, ist das Geld sozusagen längst aufgebraucht.

Die Bürgermeisterin setzt jetzt auf eine Diskussion, bei der aus ihrer Sicht keine Überlegung ausgeklammert werden darf. Der Suchraum für eine neue Brücke müsse auf die Gemeinde Stelle ausgeweitet und auch die Möglichkeit eines Tunnels geprüft werden. „Wir müssen da völlig ergebnisoffen rangehen.“ Einmal in Schwung, will sie ebenfalls die Frage beantwortet wissen, warum der Bahnhof Machen nicht auf die andere Seite der Gleise verlegt werden könne.

Copmputersimulation soll zeigen, wie weit der zu erwartende Rückstau reich

Bis all das geprüft wird, muss die Gemeinde mit der einspurigen Verkehrsführung leben. 2800 Fahrzeuge, in Spitzenzeiten 160 pro Stunde, fahren täglich über die Brücke. Davon zehn bis zwölf Prozent Lkw – und 75 Busse der Linien 248 und 343. Vor allem für sie wird die Wartezeit an der Ampel ein Problem, denn ihre Abfahrts- und Ankunftszeiten sind auf die Züge aus Hamburg und Lüneburg getaktet. Erst im vergangenen Dezember hatte die Gemeinde die Busverbindungen aufwendig verbessert.

In einer Computersimulation soll jetzt getestet werden, bis wohin der Rückstau reicht. „Wenn die Autos bis zur Aral-Tankstelle an der A 39 stehen, hätten wir ein Problem“, sagt Martina Oertzen. Ob es letztlich gelinge, die Busse rechtzeitig über die Brücke zu bekommen, sei vollkommen offen. Eine Alternative stelle der Umweg über Meckelfeld dar. Diese Ausweichroute werden vermutlich auch viele Bahnpendler vorsorglich wählen, um nicht lange an der Brücke warten zu müssen.