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Winsen

Neuer BBS-Schulleiter: Navigator und Lehrer mit Vision

Thomas Degen mit Schülern bei einem Fußballturnier

Thomas Degen mit Schülern bei einem Fußballturnier

Foto: Rolf Zamponi / HA

Thomas Degen ist seit Anfang Juni neuer Leiter der Berufsbildenden Schulen Winsen und Chef von knapp 150 Lehrern

Er ist „gekommen, um zu bleiben“. Seit dem 1. Juni ist Thomas Degen, 44, neuer Schulleiter der Berufbildenden Schulen Winsen und noch in der Phase der ersten Eindrücke. „Immerhin verlaufe ich mich in dem Gebäude nicht mehr“, sagt er mit seinem trockenen Humor. Dabei verhalte er sich noch „wie ein Schwamm. Ich sauge alles auf“. Auswerten will er alles in den Ferien. „Ideen habe ich“, versichert der gebürtige Kieler, der sein Abitur in Bremerhaven gemacht hat. Und einen Anspruch: Ich möchte klar und verbindlich sein.“

Der Nachfolger von Andrea Dierich, die in die Landesschulbehörde gewechselt ist, ist davon überzeugt, dass sich die Winsener Schule entwickeln wird. „Aber es wird keine One-Man-Show“, sagt Degen. Als Schulleiter müsse man dabei ein wenig Visionär sein. Verwalten allein genügt ihm nicht.

Die Laufbahn des späteren Lehrers beginnt nach dem Schulabschluss mit zwölf Monaten bei der Marine in Neustadt. Degen fährt als Navigationsgast auf einem Hochseeschlepper, der als Plattform für die Ausbildung für Taucher eingesetzt wird., Es folgen eine Lehre als Bankkaufmann und ein Volkswirtschaftstudium in Osnabrück. Nach dem Vordiplom wechselt er nach Duisburg, um dort auf Lehramt zu studieren. Sein Fach ist Wirtschaftslehre mit Vertiefung Banken und Handel. Nach dem Referendariat in Oldenburg kommt er 2002 nach Syke, beginnt dort an den Berufsbildenden Schulen.

Im Beruf geht es über den Jahrgangsleiter der Stufe 11 und den kommissarischen Leiter des beruflichen Gymnasiums hinauf zum Abteilungsleiter für die Ausbildung der Kaufleute und Verwaltungsangestellten bis hin zum Ständigen Vertreter des Schulleiters. Die Karriere sieht fast wie geplant aus. „War sie aber nicht“, sagt Degen. Sicher habe er sich um neue Aufgaben bemüht. Aber es seien auch immer Stellen frei geworden, die „zu mir gepasst haben.“ Dann kommt bei ihm wieder der trockene Humor durch. „Hägar, der Chef der Wikinger um seinen Sohn Wiki, hat seinen Aufstieg einmal so beschrieben: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und ganz viel Pech.“

Pech hat Degen aber offensichtlich mit Winsen nicht gehabt. Zwar ist die Schule mit 2500 Schülern und knapp 150 Kollegen etwas kleiner als in Syke. Aber die Berufe, die ausgebildet werden, sind ähnlich. Dazu kommt eine erfolgreich arbeitende Oberstufe. Immerhin haben in diesem Schuljahr insgesamt 114 Schüler in Winsen das Abitur bestanden.

Erst in der vergangenen Woche hat Degen seinen alten Kollgen deutlich gemacht: „Macht Euch keine Sorgen, mir geht es sehr gut hier.“ Schade findet er allenfalls, dass er nun nur noch zwei Stunden pro Woche unterrichtet. Gern hätte er mehr Kontakt zu den Schülern. Für das Foto legt er Wert darauf, dass jetzt viele Schüler mit aufs Bild kommen und schlägt einen Besuch beim gerade von der Schule ausgerichteten Fußballturnier vor.

Seinen Wohnort hat der Schulleiter in die Hamburger Hafencity verlegt. Hintergrund: Seine Frau Karen arbeitet in der Hansestadt für eine Bank. Nach zahlreichen Wohnortwechseln sieht er sich als Norddeutscher. Am Revers seines Jackets steckt aber auch eine Plakette mit der Europa-Flagge. Ein klares Bekenntnis zur europäischen Union.

Thema von Degen in Winsen ist nun das Kennenlernen der Stadt und ihrer Bewohner. Zuletzt war er bei einem Treffen mit Unternehmern und hat sich dort für die kommende Woche zu einem Gespräch mit Bürgermeister André Wiese verabredet. Dann folgen erst einmal die Ferien.

Die nutzen er und seine Frau vor allem zum Reisen. Schwerpunkte sind in Asien Vietnam, Kambodscha, Laos oder Burma, in Afrika Ruanda, Burundi, Uganda und Tansania. Gern geht das Ehepaar auch auf Expeditionskreuzfahrten oder segelt auf einem Schiff eines Bremer Vereins mit. „Ich dürfte zwar auch als Skipper fahren, möchte aber im Urlaub gern lieber an Deck arbeiten. Ich brauche ein Kontrastprogramm zu meiner Arbeit.“

In Hamburg kann es dann vorkommen, dass er und seine Frau auf ihre Erfahrungen im Ausland zurückkommen – am Herd. „Ich koche gern, alles was mir schmeckt. Sowohl europäische als auch asiatische Gerichte“, sagt Degen. „Die Küche zu Hause gehört mir.“