Harburg
Buchholz

Fischladen: Mobiler Verkauf statt eigener Laden

Das Fischgeschäft an der Bahnhofstraße ist geschlossen

Das Fischgeschäft an der Bahnhofstraße ist geschlossen

Foto: Corinna Panek / HA

Geschäftsinhaber Frank Pagel setzt jetzt auf mobilen Verkauf auf Wochenmärkten und vor Lebensmittelgeschäften

Der letzte Buchholzer Fischladen ist Geschichte: Fisch-Pagel hat sich aus dem Ladenverkauf zurückgezogen. Vor zwei Jahren war das Geschäft zunächst von seinem Stammsitz an der Bahnhofstraße in die Neue Straße umgezogen und hatte dort das frühere Fischgeschäft und Bistro „Mare“ übernommen. An der Bahnhofstraße waren Lager und Produktion verblieben – ohne Verkauf. Beide Läden stehen nun leer.

„Ich bin aber noch da“, betont Frank Pagel. Der Buchholzer Fischhändler verlegt sein Geschäft jetzt ganz und gar auf Wochenmarktverkauf. „Der Trend im Fischhandel geht zum mobilen Verkauf“, sagte er dem Abendblatt. Konkret heißt das: Pagels Verkaufswagen stehen mittwochs und sonnabends in Buchholz auf dem Wochenmarkt, dienstags und freitags bei Edeka Dalinger in Hanstedt und donnerstags bei Edeka Dalinger in Bendestorf.

Unterstützt wird Pagel von seinem Kollegen und Geschäftspartner André Lanz. Außerdem hat sich der ehemalige Pagel-Mitarbeiter Sven Liessem mit eigenem Verkauf selbstständig gemacht und ist in Holm-Seppensen, Sprötze, Maschen und Salzhausen anzutreffen. Pagel selbst hat auch noch weitere Pläne, die er später bekanntgeben will.

Bis zum Monatsende will Frank Pagel zudem die Gebäude an der Bahnhofstraße geräumt haben. „Ich war dort zuletzt ohnehin nur noch Mieter“, sagt er. Grund ist die geplante Umgestaltung der Buchholzer Bahnhofstraße, die das lokale Unternehmen Terra Real Estate plant und dazu die Immobilien an der Bahnhofstraße aufgekauft hat. Terra will die meisten Gebäude an der Bahnhofstraße abreißen und auf den Grundstücken neue Wohnhäuser, Läden und ein Hotel errichten.

Das Fischgeschäft hatte seit 1950 seinen Sitz an der Bahnhofstraße, es wurde von Frank Pagels Großvater Willi gegründet und später von seinem Vater Bernd geführt. Frank Pagel übernahm das Geschäft vor zehn Jahren.

Kunden, die Bestellungen aufgeben möchten, erreichen das Unternehmen telefonisch zurzeit noch unter der angestammten Nummer 0 41 81/52 34, dort läuft allerdings der Anrufbeantworter. Dieser verweist auf die Kollegen Lanz (01 71/842 12 96) und Liessem (0 41 87/909 79 00). Die Homepage www.fisch-pagel.de ist zurzeit nicht aktiv.

Einen allgemeinen Trend zum mobilen Verkauf kann der Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende für Niedersachsen und Bremen im Verband der Fischfachgeschäfte, Peter Koch-Bodes aus Bremen, nicht bestätigen. Ob jemand als stationärer oder mobiler Händler erfolgreich sei, hänge von vielen Faktoren ab, sei es vom Standort oder vom Sortiment. „Oft geben Geschäfte auch nur deshalb auf, weil sie keinen Nachfolger finden.“

Der Verkauf auf Wochenmärkten habe dennoch eine große Bedeutung. „Wochenmärkte sind Treffpunkte. Hier kann man sich mit Kunden unterhalten und die Kunden kennen sich untereinander.“ Das Drumherum beim Einkauf gehört also dazu.

Eine gewisse Rolle spielen auch die Supermärkte, von denen immer mehr frischen Fisch am Verkaufstresen anbieten. Selbst die Discounter hätten inzwischen Frischfisch im Angebot, der dann aber nicht offen, sondern – genau wie das Frischfleisch – in Folie verpackt verkauft wird. „Hier sind vor allem Lidl und Aldi Süd engagiert. Allerdings verändert sich das Verhalten der Kunden damit nicht: Sie haben vorher beim Discounter Tiefkühlfisch gekauft und nehmen stattdessen eben den frischen. In gewisser Weise kannibalisieren sich die Händler damit auch.“

Insgesamt gebe es zwar einen Rückgang bei den Fachgeschäften, „aber die Guten bleiben über“, betont Koch-Bodes.