Harburg
Hoopte

Bildhauerin Rousseau: Ästhetin und Menschenfreundin

 ihrem idyllischen Garten. Zwischen plätscherndem Wasser und üppigem Grün entdeckt der Besucher auch diese nackte Schön

ihrem idyllischen Garten. Zwischen plätscherndem Wasser und üppigem Grün entdeckt der Besucher auch diese nackte Schön

Foto: Susanne Rahlf / HA

Die Hoopter Bildhauerin Iris Rousseau liebt Körper und ihre Bewegung. Ihre bevorzugten Materialen sind Ton und Bronze

Iris Rousseau ist nie allein. Wenn sie durch ihr Haus am Katende in Hoopte geht, sind Judith, Isabell, Deborah, Eva, Emmanuel, Stefan und Katharina immer bei ihr. Dazu Dackel, Enten, Katzen Vögel und vieles mehr.

Seit 30 Jahren modelliert und gestaltet die Künstlerin und Bildhauerin Menschen und Tiere. Zunächst war ihr Material der Ton, später kam die Bronze dazu. Ihr Wohnhaus ist gleichzeitig ihre Galerie, viele Abgüsse aus den Jahren der künstlerischen Arbeit sind hier ausgestellt. Hinter dem Haus, in dem idyllischen Garten plätschert Wasser in Brunnen und einem kleinen Gartenteich. Gesäumt ist auch er von Skulpturen und Büsten der Bildhauerin.

„Ich arbeite nur gegenständlich nie abstrakt“, ist das Motto der 73-Jährigen und so strahlen alle ihre Arbeiten denn auch eine ganz besondere Körperlichkeit aus. Anmutig sind ihre Wesen, geschmeidig und dabei trotzdem voller Kraft und Spannung. Iris Rousseau zeigt sie in der Bewegung, in Situationen mitten aus dem Leben. Vor allem Kinder und Frauen hat sie in Bronze gegossen. Kommt man in die Ausstellungsräume, die sich auf drei Etagen auf 380 Quadratmetern befinden, begegnet man als erstes der lesenden Großmutter. Die lebensgroße Figur, die auf einer Bank sitzt und ein Buch in den Händen hält, entstand, so wie alle Figuren, nach lebenden Vorbildern. „Ich arbeite nur mit Modellen“, betont Iris Rousseau. In diesem Fall bat sie ältere Damen aus Hoopte darum, ihr zu zeigen, wie sie sitzen. Dabei stellte sich heraus, dass ältere Frauen eine andere Körperhaltung haben, als jüngere – für Rousseau eine wichtige Erkenntnis, die dazu beigetragen hat, dass ihre Figur so lebensecht geworden ist.

Im Raum nebenan begegnet der Besucher einer sechsköpfigen Kindergruppe. Zwei kleinere sitzen ebenfalls auf einer Bank mit einem Buch, davor steht ein Mädchen und lugt den beiden über die Schulter. Gegenüber sitzen drei größere Kinder und hören scheinbar gespannt zu, was der kleine Bursche vorliest. So wie diese Kindergruppe da sitzt hat sie jeder schon mal gesehen. Es sind die Details, die Körperhaltung, die die Lebendigkeit in diese und die vielen anderen Arbeiten bringt. „Die Schönheit und die Ästhetik des Menschen, das ist für mich ganz wichtig“, sagt sie von sich selbst. Charme, Charakter, Stolz oder auch Freundlichkeit – das soll sich am Ende in ihren Arbeiten widerspiegeln. „Die Aussage des Menschen ist mir wichtig, sonst ist ein abgebildetes Gesicht nur eine leere Maske“, befindet die Bildhauerin. Monatelang arbeitet sie an einer Skulptur. Die lesende Großmutter forderte sie fast anderthalb Jahre bis sie mit dem Erreichten zufrieden war.

Abends, wenn sie ihre Werkstatt verlässt, wird die modellierte Arbeit in feuchte Tücher gehüllt, damit der Ton nicht austrocknet. Wenn sie am Morgen das Objekt wieder auspackt, fallen ihr Details ins Auge, die stören. „Eigentlich bin ich nie fertig, es gibt immer irgend etwas, was ich noch besser machen könnte. Ich bin ein wahnsinniger Perfektionist“, sagt sie selbstkritisch.

In ihrer Werkstatt, in der die ersten Skizzen für eine Arbeit entstehen, hängen an einer Tür Studien zu Händen, Muskelpartien und Köpfen. Wie gekonnt es der Künstlerin gelingt, die Zeichnungen vom Papier in eine in Metall gegossene Körperlichkeit zu bringen, ist schon beeindruckend. Im obersten Stock der Galerie steht auf einem Sockel eine dieser Studien. Es sind die Hände eines prominenten Hamburger Herzspezialisten. Sie sind sozusagen eingefroren in der Bewegung, in dem Moment, wenn ein neues Herz eingesetzt wird. Es sind nur die Hände des Arztes und doch strahlen sie eine Kraft und Ruhe aus, dass man sich sofort vertrauensvoll in diese begeben würde, wenn es nötig wäre.

Die Arbeit mit dem Material ist hart und schwer

Ähnlich ausdruckstark sind die Porträtbüsten aus Bronze, die im obersten Stock zu sehen sind. Heutzutage sind sie aus der Mode gekommen, dennoch gibt es immer noch Menschen aus Wirtschaft und Politik, die sich so verewigen lassen wollen. Die Gesichter der Portraitierten haben alle Charakter, die lebensechte Darstellung Rousseaus lassen sie fast lebendig werden. Für alle Bronzearbeiten modelliert sie zunächst in Ton. In verschiedenen Arbeitsprozessen entstehen daraus Gipsabdrücke und am Ende dann in der Gießerei der Guss aus Bronze. Wer sich dafür interessiert, wie die einzelnen Prozesse ablaufen, kann sich gern die Details bei einem Besuch in der Galerie erklären lassen.

Die Arbeit mit dem Material ist hart und schwer, deshalb übernimmt ihr Mann Eduard van Leeuwen, alles, was viel Kraft und technisches Geschick erfordert. Von ihm ließ sie sich auch dazu inspirieren, sich mit dem argentinischen Tango zu beschäftigen. Dazu gestaltete sie eine Skulptur des argentinischen Tangotänzers Juan Corvalan. Sein sehniger schlanker Körper biegt sich zu einer imaginären Melodie, die Beine setzen zu einer fleißenden Bewegung an. Jeden Abend, wenn der Tag sich dem Ende zuneigt, wird der große Teppich vor der Skulpturengruppe mit den Tangotänzern im obersten Stock der Galerie eingerollt. Dann tanzen auch Iris Rousseau und ihr Mann, „natürlich in Tangokleid und Anzug“, lacht Rousseau.

Das Paar arbeitet Hand in Hand und das schon ein ganzes Leben lang. Zur Kunst kam Iris Rousseau erst spät. Nach einer Ausbildung zur Wirtschaftsleiterin arbeitete sie als Geschäftsführerin in renommierten Hotels. In den 60er-Jahren fuhr sie gemeinsam mit ihrem Mann zur See und arbeitete mehrere Jahre für Entwicklungshilfe-Projekte in Papua New Guinea. In den 70er-Jahren leitete das Paar gemeinsam internationale Seemannsheime im Iran, Kamerun und Gabun. Schon in Papua New Guinea entdeckte Iris Rousseau den Werkstoff Ton für sich und ließ sich von prähistorischen und einheimischen Kultur- und Gebrauchsgegenständen inspirieren. Ende der 80er-Jahre kehrte das Paar nach Deutschland zurück und ließ sich in Hoopte nieder. Heute ist Iris Rousseau eine anerkannte Bildhauerin, vor allem ihre Skulpturen, Porträts, Kleinplastiken, Reliefs und ihre Frauenakte aus Bronze sind zu ihrem Markenzeichen geworden.

Doch nun will sie sich nur noch auf die Bronzeplastiken konzentrieren. Deshalb bietet die Künstlerin in ihrem Atelier bis zum 19. Juli kleine und größere Keramikobjekte sowie Lampen und Leuchten zum Sonderpreis an. Weiterhin stellt sie die Bilder verschiedener befreundeter Künstler aus, die ebenfalls zum Verkauf stehen.

Atelier Iris Rousseau, Katende 11a in Hoopte. Öffnungszeiten: Freitag 14 bis 19 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11 bis 19 Uhr, Telefon: 04171/635