Harburg
Stadtteilschule

Bauwagen wird in Harburg zum Schüler-Refugium

Chillerkommando: Mareike (v.l.), Vanessa, Jordan, Sozialpädagoge Jonas Wiechert, Lennart, Felix und Sebastian probieren den Bauwagen aus.

Chillerkommando: Mareike (v.l.), Vanessa, Jordan, Sozialpädagoge Jonas Wiechert, Lennart, Felix und Sebastian probieren den Bauwagen aus.

Foto: Lars Hansen / HA

Auf dem neuen Mittelstufenhof der Lessing-Stadtteilschule in Harburg bietet ein selbstrenovierter Anhänger neue Möglichkeiten.

Harburg. So ein Sitzsack ist praktisch, weil er sich jeder nur erdenklichen Form anpasst. Das ist in einem Alter, in dem man mal in die Länge und mal in die Breite wächst, wichtig und bequem. Deshalb ist der Sitzsack auch das Möbel der Wahl im Bauwagen auf dem neuen Mittelstufenschulhof der Lessing-Stadtteilschule am Schwarzenberg. Hier sitzen Siebt- und Achtklässler und chillen – und sind dabei wesentlich weniger hippelig, als auf den kippligen Stühlen, die zwischen den Pausen ihre Backen stützen.

Letzte Woche wurde der Bauwagen eingeweiht. „Wir haben monatelang daran gearbeitet“, sagt Siebtklässlerin Mareike, „deshalb ist es schön, dass wir den Wagen schon vor den Ferien richtig benutzen können.“

Gruppe soll sich selbstverantwortlich um den Wagen kümmern

Mareike gehört zur Bauwagen-AG. Die Arbeitsgruppe hat nicht nur den Wagen so umgebaut, dass er als Pausenraum dienen kann, die Gruppe soll sich auch selbstverantwortlich um den Wagen kümmern. Die Grenzen der Selbstverwaltung sind nur durch Recht und Gesetz gesteckt und über dessen Einhaltung wacht Lehrerin Kerstin Eidam, die die Abteilungsleiterin für die Jahrgänge sieben und acht ist. Sie hat aus ihrem Büro einen direkten Blick auf den Wagen und den neuen Schulhof. Die AG versucht gerade, ihr Räumlichkeiten im anderen Gebäudeflügel schmackhaft zu machen.

Lessing-Stadtteilschule hat immer mehr Flächenbedarf

Zusammen mit dem Bauwagen wurde auch gleich die Fläche um den Wagen herum eingeweiht. Es ist der ehemalige Hausmeister-Garten. Seit kein Hausmeister mehr in der Schule wohnt, wird dieser auch nicht mehr benötigt. Die Schule hingegen hat immer Flächenbedarf, denn so heimelig ihr Gründerzeit-Prachtbau auch ist: Er bietet seinen Schülern nicht viel Außenfläche. „Die volljährigen Schüler dürfen das Schulgelände verlassen und das tun sie auch“, sagt Helmut Rudolph, stellvertretender Schulleiter an der Lessing-Stadtteilschule, „aber alle anderen nicht. Da wird es schon mal eng und kommt auch zu Konflikten. Für unsere jüngsten Schüler aus den Klassenstufen sieben und acht brauchten wir deshalb einen Rückzugsraum, und den haben wir hier gefunden.“

Erinnerungen an „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner

Gemeinsam mit Schülern und dem Schulsozialpädagogen Jonas Wiechert wurde ein Konzept für den neuen Schulhof entwickelt. Dazu gehörte es, möglichst viele Bäume stehen zu lassen und noch eine Möglichkeit zu schaffen, um sich bei schlechtem Wetter oder mieser Laune zurückziehen zu können – den Bauwagen. Er erinnert ein wenig an Erich Kästner, in dessen Jugendroman „Das fliegende Klassenzimmer“ sich die Pennäler in einem Eisenbahnwaggon trafen. Außerdem gibt es im Garten Stehtische und eine Tischtennisplatte. Den Bauwagen holte die Schule ganz aus den Niederlanden. „Da war echt eine Menge dran zu machen“, sagt Jonas Wiechert. „Hier war sogar noch eine Toilette eingebaut, die wir erst einmal demontieren und loswerden mussten, ebenso, wie Schränke und Tische. Den Fußboden zu legen, war ebenfalls relativ anstrengend für die Schüler“

Die Klassen fünf bis acht befinden sich zum größten Teil in Sinstorf

Innen lässt ein warmes Sonnengelb den Wagen geräumig und gemütlich zugleich wirken. Außen bemüht sich das Schwarz der Lackfarbe um Coolness. Noch ist das Wageninnere recht karg eingerichtet, aber bald soll sich das ändern. „Wir müssen noch etwas Geld zusammenbekommen und uns ein paar Gedanken machen, dann machen wir weiter“, sagt Mareike. „Das wird gut.“ Dass am Standort des alten Gebäudes überhaupt ein Schulhof für die untere Mittelstufe gebraucht wird, war so nicht geplant: Die Klassen fünf bis acht der Lessing-Stadtteilschule befinden sich zum größten Teil am anderen Standort, in Sinstorf. Dort sind allerdings alle Räume belegt, so dass eine siebte und eine achte Klasse in dem Altbau unterrichtet werden.

Ein neuer, gemeinsamer Standort sollte ursprünglich 2016 am Hanhoopsfeld fertiggestellt werden. Die Planungen verzögerten sich allerdings. 2016 ist jetzt das Jahr des Baubeginns am Hanhoopsfeld. Ein Jahr später hofft man, fertig zu sein.