Harburg
Buchholz

Jugendherberge soll zuerst als Flüchtlingsunterkunft dienen

Flüchtlinge sollen in Buchholz nicht mehr in Containeranlagen wohnen

Flüchtlinge sollen in Buchholz nicht mehr in Containeranlagen wohnen

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa

Anstatt weiteren Containeranlagen soll eine Jugendherberge gebaut werden, wo zunächst Flüchtlinge wohnen

Die Fraktionen von CDU und FDP im Buchholzer Stadtrat wollen Flüchtlingen mittelfristig nicht mehr zumuten, in Containeranlagen zu wohnen. Zudem sollten die Kosten, die diese provisorischen Anlagen mit sich bringen, lieber in dauerhafte Gebäude investiert werden. Deshalb schlagen CDU und FDP in einem gemeinsamen Antrag vor, am Sportzentrum eine Jugendherberge und Schulungsstätte zu bauen, die zunächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt und mit wenig Aufwand für den eigentlichen Zweck umgebaut werden kann.

Zur Finanzierung des Vorhabens solle die Stadt eigene Grundstücke verkaufen, darunter die sogenannte Jordanfläche hinter dem Rathaus und „Brumhagen OST“ – eine der Flächen, die im Rahmen einer Wohnbaupotenzialuntersuchung definiert wurden. Die Antragsteller halten die Pläne für sinnvoll, weil in Buchholz ohnehin große Nachfrage nach Bauplätzen besteht und zum anderen die Herberge und die Schulungsräume, die im städtischen Besitz bleiben sollen, an Dritte vermietet werden könnten. „Natürlich erscheint das Ganze zunächst etwas komplex, aber bei näherer Betrachtung wird sich zeigen, dass es zwar unkonventionell aber im Kern eine grundsolide Strategie ist. Denn auf vielen Seiten wird hiermit etwas sehr Sinnvolles für die Bürger dieser Stadt angeschoben. Und bei leeren Stadtkassen ist ein Konzept, das verfolgt werden muss“, so die Antragsteller Arno Reglitzky (FDP) und Jan Stöver (CDU). Die Grundidee einer nachgelagerten Gebäudenutzung ist in Buchholz bereits an den Berufsbildenden Schulen verwirklicht: Der Erweiterungsbau kann bei Bedarf in Reihenhäuser umgewandelt werden.

Die Idee eines Jugendgästehauses ist nicht neu: Die Grünen hatten dies bereits angeregt, als es vor rund drei Jahren um eine notwendige Erweiterung der Nordheidehalle ging. Der Sporthalle fehlten vor allem Umkleide- und Sanitärräume, diese hätte man in ein Gesamtkonzept mit einem Jugendhotel integrieren können, so die damalige Überlegung. „Wir unterstützen gute Ideen, auch wenn sie übernommen wurden“, sagt Fraktionschef Joachim Zinnecker diplomatisch. „Den zweiten Teil des Antrags finden wir allerdings nicht so gut.“ Sprich, den Verkauf der Jordanfläche an einen Investor, der dort womöglich weiteren gehobenen Wohnungsbau umsetzen würde. „Wir könnten uns dort geförderten Wohnungsbau vorstellen“, sagt Zinnecker. Ein Jugendgästehaus ließe sich auch ohne Verkauf städtischer Flächen realisieren – zum einen dank günstiger Zinsen, zum anderen, weil die Stadt das Haus, solange es als Flüchtlingsunterkunft dient, durch Mieteinnahmen vom Landkreis refinanzieren würde.

Die sogenannte Jordanfläche ist nach dem Jordanhaus benannt, das dort bis 2006 stand. Das 100 Jahre alte Haus hatte die Stadt angekauft, um dort das Standesamt, unterzubringen. Doch die Sanierungskosten erwiesen sich als zu hoch – das Haus wurde abgerissen. Seitdem ist dort eine Grünfläche, die angesichts des hohen Bedarfs an Wohnraum in der Buchholzer Innenstadt für Investoren höchst attraktiv sein dürfte.