Harburg
HR-Regional

Der falsche Eindruck

So ein zum Wohnmobil umgebauter alter Kleintransporter, wie der, mit dem Du gerade vor mir fährst, ist was Schönes: Man kann damit die ganze Familie mit in den Urlaub nehmen, braucht keinen Flieger und kein Hotel und schont die Ressourcen. Auf langer Strecke ist selbst so ein Saugdiesel wie Deiner noch ziemlich sparsam.

Im Moment fährst Du aber vor mir durch die Stadt. Das mag Dein Motor nicht so, vor allem nicht kalt, und Du bist gerade gestartet, ich habe Dich ja netterweise aus Deiner Einfahrt einbiegen lassen. Die Familie ist auch nicht zu sehen, Du sitzt allein im Auto.

So kalt und im Stadtverkehr nimmt der olle Selbstzünder im Heck Deines Wagens locker 14 Liter Diesel auf 100 Kilometer – wegen des Plastikhochdachs wahrscheinlich noch etwas mehr. Dazu kommt auf die selbe Strecke noch ein halber Liter Öl, denn die schwarzen Rußwolken beim Anfahren und die schmierigen Flecken an der Motorwartungsklappe verraten, dass Du den Schmierstoff sowohl verbrennst, als auch an den Kolbenringen vorbei aus dem Motor drückst. Das kann man machen lassen, es kostet allerdings selbst unter Brüdern ohne Buchhaltung einiges.

Nach drei Kilometern Stadtfahrt ist Dein Motor immer noch nicht warm, aber er hat bis Mittag erst mal Pause: Du biegst an einer Schule auf den Lehrerparkplatz ein. Eine letzte Rußwolke und Dein Wagen steht. Zum Glück enttarnt Dich wenigstens der Greenpeace-Aufkleber als heimlichen Umweltschützer . Ich hätte sonst vielleicht einen falschen Eindruck von Dir.

Die Frau, die mir gerade die Vorfahrt nahm, um schnell noch hinter Dir auf den Lehrerparkplatz zu huschen – es ist fast acht – outet sich per Fisch-Aufkleber am Kleinwagenheck als beseelte Menschenfischerin. Ich frage mich, wie christlich sie wohl ist.