Harburg
Jugendzentrum

Im „youZ“ müssen Jugendliche drinnen bleiben

Foto: Bianca Wilkens / HA/Bianca Wilkens

Fehlendes Außengelände am Jugendzentrum in Nenndorf: Es laufen Gespräche über ein mögliches Ausweichen in die Nachbarschaft.

Rosengarten.  Seit Jahren predigen Sportlehrer, wie wichtig es für Kinder ist, sich zu bewegen. Bundesweite Studien belegen, dass die wachsende Lust Kinder und Jugendlicher, sich lieber vor den Fernseher oder Computer zu hocken, die Gesundheit gefährdet. Im Jugendzentrum (youZ) in Nenndorf aber sind die Jugendlichen dazu verdonnert, drinnen zu bleiben. Toben? Rennen? Fußball? Nein, Fehlanzeige. Ausgerechnet das youZ dürfen die Jugendlichen nicht verlassen. Es fehlt an einem direkten Außengelände.

Gemeindeverwaltung habe die Anwohner vorm Lärm verschonen wollen

Dabei gibt es um die Ecke eine grüne Wiese der Grundschule Nenndorf, die am Nachmittag fast ungenutzt bleibt. Das Areal gehört der Gemeinde. Doch bislang fehlt es an einer Regelung, dass die Jugendlichen, die das youZ besuchen, auf das Gelände dürfen. Der Sozialpädagoge Olaf Schröder, der zusammen mit Cornelia Rubach das Jugendzentrum leitet, führt Gründe dazu aus der Vergangenheit an.

Die Gemeindeverwaltung habe die Anwohner vorm Lärm verschonen wollen, als klar war, dass das youZ in die ehemalige Hauptschule Auf dem Ast in Nenndorf ziehe, so Olaf Schröder. Deshalb ist es für die youZ-Besucher tabu, sich draußen auszutoben. Zuvor hatte das youZ an der Bremer Straße im ehemaligen Teermannshoff seinen Standort. Der alte Gasthof, an dem der Berufsverkehr vorbeirauschte, war auch kein ideales Domizil als Jugendzentrum. „Deshalb ist es gut, dass wir die Räume hier jetzt haben. Jeder der hier reinkommt, findet es ansprechend“, sagt Olaf Schröder.

Im Sommer ist es oft unerträglich, drinnen bleiben zu müssen

In der Tat: Die Räume sind hell und freundlich gestaltet. Die Jugendlichen können Billard, Kicker, Dart und Air Hockey spielen. Wer sich in die Ecke lümmeln möchte, kann das auf einem gemütlich eingerichteten Podest. Mangas zeichnen, Cupcakes backen, Kicker bauen, Kurzfilm drehen, Schlüsselanhänger gestalten – all das können die Kinder und Jugendlichen im youZ.

Doch das ändert nichts daran, dass es an Platz an der frischen Luft fehlt. Sobald sich eine größere Gruppe im Jugendzentrum aufhält, fürchten die ehrenamtlichen Betreuer, dass etwas zu Bruch geht. Also bloß nicht zuviel herumtoben. „Zum Fußball spielen müssen wir uns immer eine Wiese suchen“, sagt der ehrenamtliche Betreuer Phillip Gröning, 16, aus Langenrehm. Vor allem im Sommer wird es oft unerträglich, in den warmen Räumen sitzen bleiben zu müssen. „Für die Kinder ist es einfach blöd. Die brauchen gar nicht viele Spielgeräte, sie wollen einfach nur raus“, sagt Cornelia Rubach.

Gelände der Grundschule Nenndorf als Ausweichmöglichkeit im Gespräch

Weil sie das aber nicht dürfen und sich in der Nähe des youZ auch kein Supermarkt oder Bolzplatz befindet, habe der Standort in Rosengarten klare Nachteile gegenüber anderen Jugendzentren im Landkreis Harburg, erklärte Schröder in seinem Jahresbericht im Jugendausschuss der Gemeinde Rosengarten vor wenigen Wochen.

Vielleicht ist aber für die Jugendlichen bald doch der Weg frei, frische Luft schnappen können. Ranga Hoffmann, Leiterin der Grundschule Nenndorf, jedenfalls zeigt sich gegenüber der Idee, das Gelände den Jugendlichen am Nachmittag zu überlassen, aufgeschlossen: „Es ist nur wichtig, dass man regelt, wer verantwortlich ist, wenn einmal etwas kaputt geht“, sagt sie. Auch Bürgermeister Dirk Seidler würde eine Nutzung des Geländes begrüßen. Ihm ist es wichtig, dass der Grundschule keine Nachteile entstehen. „Es muss sichergestellt werden, dass das Gelände so hinterlassen wird, wie die Schule es braucht. Noch in dieser Woche wollen sich Vertreter der Grundschule, der Verwaltung und des Jugendzentrums über das Thema austauschen.