Harburg
Wohnungen

Neuer Schritt für das Schweitzer-Viertel

Winsens Bürgermeister André Wiese ist im Albert-Schweitzer-Viertel aufgewachsen

Winsens Bürgermeister André Wiese ist im Albert-Schweitzer-Viertel aufgewachsen

Foto: Rolf Zamponi

Planungsausschuss der Kreisstadt Winsen befasst sich mit dem Konflikt um die Sanierung des Quartiers. Und soll neue Ziele setzen.

Winsen.  Im Konflikt um die Sanierung des Albert-Schweitzer-Viertels steuert die Kreisstadt jetzt nach. „Wir passen unsere Planungen an das neue Baurecht an, in dem auch Klimaschutz und energetische Sanierung festgeschrieben sind. Zudem wollen wir erreichen, dass in dem Viertel alte und jungen Menschen sowie Ausländer und Deutsche gut zusammenleben können“, sagte Bauamtsleiter Andreas Mayer dem Abendblatt. Grundsätzlich wird damit der geltenden Rahmenplan für das Viertel überarbeitet und aktualisiert. Zu den Zielen dabei gehören auch grundsätzlich die Verbesserung der lokalen und sozialen Wohn- und Lebensbedingungen sowie das Ansiedeln neuer Bewohner, die nicht zur Gruppe der sozial benachteiligten Menschen gehören.

Mit der Strategie, der der Planungsausschuss am heutigen Montag noch zustimmen muss, will die Verwaltung mehr Einfluss auf die seit Jahren überfällige Sanierung der 189 Wohnungen nehmen. In den mehrgeschossigen Wohnblöcken leben derzeit rund 500 Menschen.

„Der Zustand der Wohungen ist längst nicht so wie er sein sollte“

Seit September 2012 gilt für das Viertel ein Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot für Fenster, Dächer, Flure und Balkone. Mindestens 1,942 Millionen Euro müssten nach den städtischen Recherchen investiert werden. Doch der Eigentümer Capricornus ist seit Jahren insolvent. Seitdem gibt es zwar Schriftwechsel, Absichtserklärungen und Besichtigungen, aber „der Zustand der Wohungen ist längst nicht so wie er sein sollte“, versichert Mayer. Die geänderten Vorschriften würden die Position der Stadt vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg verbessern, erwartet Winsens Bauamtschef.

Ein Termin oder eine Entscheidung für eine Einigung mit Capricornus steht jedoch aus. Bekannt ist in Winsen aber, dass der Potsdamer Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorf die Wohnungen zusammen mit Immobilien aus acht weiteren Städten verkaufen will. „Offensichtlich strebt Graf Brockdorf einen Verkauf im Paket an. Die Wohnungen in Winsen gelten dabei als Perle, weil sie trotz ihres Zustandes Rendite bringen“, sagt Mayer. Die Stadt setzt aber darauf, dass der Insolvenzverwalter sich zu einem Verkauf von einzelnen Vierteln entschließen könnte. Das könnte den Einstieg eines neuen Eigentümers vereinfachen.

Stadt wird keine Wohnungsbaugesellschaft für das Viertel gründen

„Für den neuen Besitzer würden dann das Modernisierungsgebot und zudem die jetzt ausgearbeiteten, neuen Regeln gelten“, sagt Bauamtsleiter Mayer. Das wäre für die Verwaltung ein Weg aus der Misere. Mit ihrem Vorkaufsrecht hat die Stadt dabei einen Trumpf in der Hand, um die Bedingungen durchzusetzen. „Denn wir könnten einen Verkauf ansonsten blockieren“, sagt Mayer.

Für Bürgermeister Wiese ist dabei jedoch klar: Die Stadt wird keine eigene Wohnungsbaugesellschaft für das Viertel gründen. „Wir wollen da keine falschen Hoffnungen wecken“, hatte der Bürgermeister im Abendblatt-Interview im vergangenen September deutlich gemacht.