Harburg
Südlich der Elbe

Rasantes Wachstum der Flüchtlingsheime

Auf dem Wohnschiff „Transit“ sollen bis zu 216 Flüchtlinge wohnen

Auf dem Wohnschiff „Transit“ sollen bis zu 216 Flüchtlinge wohnen

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa

Allein im laufenden Jahr 2015 müssen in ganz Hamburg 4300 Plätze für Asylbewerber neu geschaffen werden.

Harburg. Heute ist Weltflüchtlingstag. Die UN-Vollversammlung hat den 20. Juni zum zentralen internationalen Gedenktag ausgerufen. Weltweit sind mehr als 50 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Hunger und Verfolgung. Wenn heute die aktuellen Zahlen veröffentlicht werden, sind neue, traurige Rekordmarken zu befürchten. „Die Zahlen sind gewaltig. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass diese Menschen Mütter und Väter, Töchter und Söhne sind, Menschen wie Du und ich“, mahnte António Guterres, Flüchtlingshochkommissar der Vereinten Nationen.

Arbeiten zur Errichtung neuer Quartiere laufen auf Hochtouren

Knapp 203.000 Anträge auf Asyl wurden im Vorjahr bundesweit gestellt. Auf Hamburg entfielen dabei mehr als 13.000. Das stellt die involvierten Behörden weiter vor enorme Herausforderungen, denn die Schaffung neuer Unterkünfte hält nicht Schritt mit der Ankunft neuer Flüchtlinge. „5600 Plätze waren im Vorjahr bereits geplant. Weitere 4300 müssen in diesem Jahr noch hinzukommen“, hatte Heie Kettner von der Hamburger Sozialbehörde (BASFI) unlängst in Harburg gesagt.

So laufen die Arbeiten zur Errichtung neuer Quartiere auch südlich der Elbe unverändert auf Hochtouren. Das Abendblatt hat sich umgesehen und den aktuellen Stand der Realisierung protokolliert.

Von Borstelbek bis Wetternstraße

Für das Quartier in der Wettern­straße mit 206 Plätzen sind bereits Ende vergangen Jahres zwei neue Wohnblöcke gebaut worden, die inzwischen fertiggestellt und auch schon bezogen sind.

Am Radeland in Bostelbek befinden sich drei der Pavillonbauten im Innenausbau, für zwei weitere läuft der Rohbau. Die Anlage für 168 Asylbewerber soll voraussichtlich Mitte September dieses Jahres bezugsbereit sein.

Im Stadtteil Neuland steht bislang ein Pavillon für die Anlage Lewenwerder II. Konzipiert ist sie mit acht zweigeschossigen Modulhäusern, in denen es nach der geplanten Fertigstellung Ende September je acht Wohnungen für Familien und Alleinstehende in Wohngemeinschaften geben soll. Die Gesamtkapazität hier: 298 Plätze.

In der Region Süderelbe befinden sich laut Susanne Schwendtke, Sprecherin des städtischen Unterkunftsbetreibers fördern und wohnen, zwei weitere Objekte im Baugenehmigungsverfahren: „Start für den ersten Bauabschnitt Am Aschenland in Neugraben soll Ende November 2015 sein.“

Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge befindet sich in der finalen Ausbauphase

Unweit des Recyclinghofs werden zehn doppelstöckige Modulbauten für bis zu 250 Flüchtlinge entstehen. In jedem Gebäude befinden sich 13 Zimmer, aufgeteilt in vier wohnungsähnliche Einheiten mit Sanitär- und Kücheneinheit. Das Quartier soll kurzfristig aber noch um weitere 208 Plätze wachsen.

Die Anlage an der Cuxhavener Straße 564 gegenüber der ehemaligen Röttiger-Kaserne in Fischbek ist für 168 Personen ausgelegt. Hier sollen acht Pavillonbauten entstehen, von denen sechs reine Wohnhäuser sind und zwei Gebäude mit Mischfunktion. Einziehen sollen hier sowohl Flüchtlinge, als auch Wohnungslose. Heie Kettner von der BASFI hatte bei seinem Bericht in Harburg einen Baustart fürs erste Quartal nächsten Jahres avisiert. Susanne Schwendtke hat den Termin jetzt jedoch auf Mitte April korrigiert.

In der finalen Ausbauphase befindet sich die Unterkunft für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge an der Cuxhavener Straße 186 – 188. Hier stehen inzwischen drei Pavillons, von denen der erste bereits bezogen ist. „Derzeit laufen der Innenausbau und die Ausstattung der anderen zwei Häuser“, sagte BASFI-Sprecher Marcell Schweitzer dem Abendblatt.

Umbauarbeiten Nöldekestraße 17 in Verzug

In Verzug sind unterdessen die Umbauarbeiten in der Nöldekestraße 17. In der ehemaligen Polizeiwache sollten 36 jugendliche Flüchtlinge bereits Anfang Mai Quartier finden. Doch die Bauarbeiten in zwei Stockwerken des Gebäudes sind nach wie vor nicht abgeschlossen.

„Grundsätzlich erfolgt eine schnellstmögliche Belegung aller Einrichtungen, da wir den Platz für die Flüchtlinge dringend benötigen“, so Schweitzer. Aus diesem Grund werde der Bezug sukzessive fortgesetzt, wann immer Wohneinheiten fertiggestellt sind.

Das trifft auch auf die Erweiterung der Zentralen Erstaufnahme an der Schlachthofstraße zu. Die Anlage für 448 Flüchtlinge in der Regie des DRK, bestehend aus mehreren zweistöckigen Wohncontainer-Einheiten, ist bereits vollendet und bezogen.