Harburg
Kunst

Ausstellung „Wahlverwandtschaften“ im SchauRaum

Petra Hagedorn im Atelier Schauraum wo sie die Austellung "Wahlverwandschaften" präsentiert

Petra Hagedorn im Atelier Schauraum wo sie die Austellung "Wahlverwandschaften" präsentiert

Foto: Tobias Johanning

Die Neuländer Künstlerin Petra Hagedorn präsentiert im SchauRaum am Schwarzenberg ihre jüngste Ausstellung „Wahlverwandtschaften“.

Harburg. Wahlverwandtschaften, das war nicht nur ein Thema für Johann Wolfgang von Goethe, den Dichterstar der Nation. Auch die Neuländer Künstlerin Petra Hagedorn hat es immer wieder inspiriert. Wenn auch auf ganz andere, quasi genreübergreifende Weise.

Wenn Rockstar Mick Jagger, Frontmann der legendären Rolling Stones, die Arme über einem, gefährlich das Maul aufreißenden Tiger breitet, bekommt der geneigte Betrachter schon mal den Anflug einer Ahnung, was Petra Hagedorn so umtreibt.

Anscheinend Zusammenhangloses in Beziehung und damit in einen neuen Kontext zu setzen, das zeichnet auch ihre aktuelle Ausstellung „Wahlverwandtschaften“ im SchauRaum an der Schwarzenbergstraße 42 aus, die an den kommenden beiden Wochenenden, jeweils Sonnabend und Sonntag in der Zeit von 16 bis 18 Uhr zu sehen ist.

„Ich bin vom Zeichnen und Malen zur Fotografie gekommen. Jetzt will ich den Wandel in meiner künstlerischen Darstellungsweise nachvollziehbar machen, in dem ich meine alten Bilder mit neuen Fotografien zusammenbringe“, beschreibt sie ihre Intention.

Statt mit Pinsel und Farbe wird mit der Computermaus gemalt

In der Digitalfotografie mit einer Nikon T 100 hat sie gänzliche neue Möglichkeiten der künstlerischen Arbeit und eine ungeahnte Faszination gefunden. Wann immer sie ihr Zuhause am Neuländer Elbdeich verlässt, die Kamera ist fast immer dabei. Mit ihr hält sie Alltägliches wie Überraschendes fest. Als Grundlage und Ausgangspunkt für einen Prozess, in dem die Fotos dann mit dem Computer bearbeitet, verändert, verfremdet werden.

„Ich habe schon immer gern experimentiert“, sagt die 1950 geborene Diplom-Designerin, die nach dem Abitur an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg mit dem Schwerpunkt Illustration studiert hat. Jetzt male ich sie eben nicht mehr mit Pinsel und Farben auf Leinwand, sondern mit dem Computer“, sagt Petra Hagedorn.

Die digitalisierten Fotos werden in ihrem Atelier zusammengefügt, durch Vergrößerung und Filterung verfremdet oder mit anderen grafischen Elementen versehen. „Dadurch ergeben sich reizvolle Texturen, die in dieser Art nur am Computer erzeugt werden können“, erklärt die Künstlerin. Ehemals fotografische Formen würden am Ende wie gemalt wirken, am Computer erzeugte Elemente wie fotografiert.

Mit Stilelementen der „Art Brut“ eine andere Wahrnehmung ermöglichen

„Wird der Computer normalerweise dazu benutzt, Informationen zu präzisieren, so macht Petra Hagedorn es genau umgekehrt: Ihr dient der Rechner als Mittel, ihre perfekt geschulte grafische Handschrift zu vereinfachen“, befand einmal Hajo Schiff, ein bekannter Kunstkritiker und Kurator aus Hamburg. Mit der Computermaus als durchaus nicht optimalem Zeichengerät entwerfe sie jene kindlich-naiven Stilelemente, die man kunstgeschichtlich „Art Brut“ nenne. Sie würden in der Folge des Surrealismus den Blick für andere Wahrnehmungsformen öffnen. „Noch heute können uns die scheinbar naiven Formen dazu dienen, die Dinge nicht so zu sehen, wie sie gewohnheitsmäßig erscheinen, sondern wie sie bedeutungsmäßig sind“, so Hajo Schiff.

Als beredtes Beispiel für solch ein Werk steht das Bild „Verunsicherung“. Zu sehen ist eine rot-grüne Schildkröte, die mit ihren Doppelkonturen sich und uns wirklich irritiert zu fragen scheint, in welcher Welt sie sich eigentlich gerade befindet und wo sie denn da hingeraten ist.

Zuweilen sind Hagedorns Fotos aber auch so gut, dass es einer aufwendigen Bearbeitung gar nicht bedarf. So wie ihr Lichtbild von einem Osterfeuer, das derzeit im Rahmen einer Ausstellung im Hamburger Rathaus gezeigt wird. „Ich sehe zuweilen, was andere nicht sehen“, sagt Petra Hagedorn. Das ist, was ihre besonderen Fotografien letztlich oft auszeichnet.

Das gilt aber in gleichem Maße auch für ihre Frühwerke, die auf der klassischen Leinwand entstanden sind. Sieben werden in ihrer dritten Einzelausstellung im SchauRaum zu sehen sein. Die aber ansonsten von 50 Fotos im Formal 10 X 10 Zentimeter und 20 Porträts geprägt wird.