Harburg
HR-Regional

Die Harburger Hilfsbereitschaft

Sollte die Erstaufnahme auf dem Schwarzenberg bleiben – und danach sieht es trotz des Dreivierteldementis aus der Innenbehörde aus – werden die 150.000 Bürger des Bezirks Harburg im nächsten Jahr 3100 Flüchtlingen Obdach gewähren. Der feine Bezirk Eimsbüttel mit seinen 250.000 Einwohnern kommt im Jahr 2016 auf 2400 Flüchtlinge – und das nur, wenn die Sophienterasse trotz Gegenklage gebaut wird. Die Wiese des Hamburger Polo-Clubs im Bezirk Altona ist etwa genau so groß, wie die Fläche auf dem Schwarzenberg und war für Flüchtlingsunterbringung nie in der Diskussion.

Dass Reichtumsgefälle in dieser Stadt reicht nicht aus, um die ungleiche Verteilung der Flüchtlinge auf die einzelnen Stadtteile zu erklären. Dass Harburg so viele Flüchtlinge unterbringt, liegt auch an der Harburger Hilfsbereitschaft: Als die Finanzbehörde die Bezirksamtsleiter Anfang 2014 aufforderte, Flächen für die Flüchtlingsunterbringung zu benennen, setzte sie eine Frist von Freitag bis Montag. Jeder, der jemals eine Presseauskunft von der Finanzbehörde begehrte, weiß, dass diese Behörde selbst auf keinen Fall so schnell arbeitet. Die meisten Bezirksamtsleiter tippten sich deshalb an die Stirn und überzogen die Zweitagesfrist um mehrere Wochen. Nur die Harburger Liste lag sofort vor und wird deshalb als erste abgearbeitet.

Die Harburger Hilfsbereitschaft setzte sich auch später fort: Rund um die Unterkünfte gibt es ein großes Freiwilligennetzwerk. In anderen Bezirken gibt es Gerichtsverfahren. Für die Flüchtlinge ist es also eher ein Glücksfall, bei uns zu sein. Sollten wir sie ernsthaft nach Eimsbüttel abschieben wollen, damit hier ein Wanderzirkus zelten kann?