Harburg
Neugraben

Neugrabens Falken im Livestream

7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag ist ein Turmfalkenpaar mit Nachwuchs aus Neugraben im Internet zu beobachten

Neugraben. Neugierig schaut sich die Turmfalkenmutter um, bewegt sich einige kleine Schritte vorwärts, um dann wieder zurück zu ihren fünf Jungen zu tippeln. Hunderte Menschen aus ganz Deutschland verfolgen in einem Livestream jede Bewegung der Falken im Nistkasten hoch oben auf dem Turm der Michaelis-Kirche in Neugraben. „Wir wollen mit dem Livestream zeigen, dass es auch in der Stadt wilde Vögel gibt“, sagt der Leiter des Projekts, Jens Marcus Wasserstraß. Vor zwölf Jahren baute Wasserstraß zusammen mit anderen Mitgliedern des Pfadfinderstammes „Ulrich von Hutten“ den Nistkasten und installierte ihn auf dem Turm der evangelisch-lutherischen Kirche. Aber erst seit 2013 gibt es die Möglichkeit, das Brutgeschehen live im Internet zu beobachten. In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (NABU) wurde eine Kamera in den Nistkasten eingebaut. Bei dem Projekt „Aktiv für Neugrabens StadtNatur“ soll mit neuen Nistkästen das Brutplatzangebot für Gebäudebrüter wie Mauersegler und Haussperling, aber auch andere Arten verbessert werden. Die Kästen werden für das Projekt maßgeschneidert von dem Beschäftigungsträger Hamburger Arbeit hergestellt. Im Jahr 2014 folgte schließlich eine zweite Kamera im vorderen Bereich des Kastens, mit Blick in den Kasten, die allerdings nicht über das Internet erreichbar ist, sondern Videos aufzeichnet.

Nachwuchs der Falken zieht besonders viele Zuschauer im Livestream an

Zurzeit gibt es wieder etwas ganz besonderes im Livestream der Turmfalken zu sehen. Das Falkenpaar bekam vor wenigen Tagen Nachwuchs. Anfang April hatte die Mutter sechs Eier gelegt und bis Sonnabend ausgebrütet. Am Wochenende schlüpften dann die ersten fünf Falkenjungen. Nun werden sie liebevoll von den Eltern mit Futter versorgt und gewärmt. Die Mutter bleibt fast den ganzen Tag bei ihrem Nachwuchs, während der Vater auf Futtersuche ist. Dabei stehen Eidechsen genauso auf dem Speiseplan wie Ratten. Die Mutter füttert die kleinen mit den Leckerbissen. Die jungen Turmfalken bleiben noch ungefähr einen Monat im Nistkasten, bevor sie flügge sind. Danach schauen sie nur noch gelegentlich bei ihren Eltern vorbei.

Auch im letzten Jahr gab es schon Nachwuchs von sechs Jungtieren. „Auf der NABU-Webseite war der Livestream von der Aufzucht der Tiere am meisten angeklickt“, sagt Jens Marcus Wasserstraß. Schulklassen würden sich die Aufzucht im Internet anschauen und dann darüber ein Referat machen. Aber auch Zuschauer aus der Schweiz und Großbritannien haben schon auf die Webseite geklickt.

Schulklassen halten Referate über die Raubvögel in Neugraben

Auseinander halten können Laien die Vögel jedoch im Moment noch nicht „Wir haben den Tieren auch keine Namen gegeben, weil sie Wildtiere und Raubvögel sind“, erklärt Jens Marcus Wasserstraß. Auf der Webseite kann jeder seine Beobachtungen zu dem Verhalten der Falken eintragen. So schreibt zum Beispiel ein Internetnutzer am 8. Mai um 9 Uhr morgens: “Wechsel. Frau Falke hat Herrn Falke abgelöst.“ Der Turmfalke ist die häufigste Falkenart in Mitteleuropa. Vielen ist der Turmfalke bekannt, da er sich auch Städte als Lebensraum erobert hat. Er war Vogel des Jahres 2007 in Deutschland und Vogel des Jahres 2008 in der Schweiz. Wie alle Falken bauen auch Turmfalken keine Nester. In felsarmen Regionen nutzt der Turmfalke die Nester anderer Vogelarten wie beispielsweise von Krähen oder – wenn es sich anbietet – freie Plätze auf Kirchentürmen.

Die Turmfalken kann jeder unter der Internetadresse www.falkenkamera.de beobachten