Harburg
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Wo selbst King Kong hätte kaufen können

Kai Pinnow und seine Frau Christina schließen den Laden zum Monatsende

Kai Pinnow und seine Frau Christina schließen den Laden zum Monatsende

Foto: Lars Hansen

Der „Jeans Shop Harburg“ schließt zum Monatsende. 25 Jahre lang gab es hier Kleidung in allen Größen. Die Straße Küchgarten wird ein Stück öder.

Harburg..  Eine Institution geht. Zum Ende des Monats schließen Kai und Christina Pinnow ihren „Jeans Shop Harburg“ am Küchgarten. Eventuell auch früher, denn der Abverkauf der Ware läuft gut. Mehr als ein Vierteljahrhundert Geschäftsgeschichte geht damit zu Ende. Kai Pinnows Vater Claus hatte den Jeans Shop einst am Harburger Ring eröffnet. Zuvor hatte er die Harburger Niederlassung eines Hamburger Jeanshändlers geführt.

Zur Harburger Institution wurde der Jeans Shop dadurch, dass er auch Sondergrößen verkaufte. Mit Größen bis zu 8XL und Jeans-Bundweiten bis 60 Zoll hätten die Pinnows selbst King Kong noch Klamotten verkaufen können.

Neben großen Leuten schätzten auch ältere Semester den Shop, der sich und sein Sortiment nie auf jung trimmte „Der Rekord war eine 92-jährige Kundin, die bei uns eine ‘Nietenhose ‘ kaufte, erinnert sich Christina Pinnow.

Außerdem wurden im Shop Textilien bedruckt und das Label „Hamburg Southside“ geprägt. Dazu verkauften die Pinnows Hanf-Textilien und die Handelsmarke der Haftanstaltsnäherei Hamburg Fuhlsbüttel, „Santa Fu“.

Seine prominenteste Lage hatte der Laden elf Jahre lang am Harburger Rathausplatz, im weißen Eckhaus neben der Fußgängerunterführung, von vielen Harburgern noch „Andersson-Haus“ genannt. „Trotz der guten Lage hatten wir dort nicht so viel Laufkundschaft, wie anfangs am Küchgarten“, sagt Kai Pinnow. „Der Tunnel hat eine gewisse Sogwirkung und die Leute liefen an unserem Geschäft vorbei.“

Als die Pinnows an den Küchgarten zogen, war der noch eine belebte Geschäftsstraße mit zwei Supermärkten, einem Schuh-Filialisten und eine Ecke weiter sogar einem Technik-Fachmarkt. Heute sieht es anders aus: Wenn der Jeans-Shop schließt, ist der letzte private Einzelhändler in der Straße weg. Was bleibt, ist ein Sozialkaufhaus.

„Harburg hat sich gewandelt, aber auch in ganz Deutschland hat sich das Einkaufsverhalten der Leute geändert“, sagt Pinnow. „Die Menschen kaufen immer mehr im Internet und beschweren sich gleichzeitig, dass es immer weniger Läden gibt.“

Den inhabergeführten Einzelhandel sieht Kai Pinnow aussterben. Das liegt nicht nur an den Kunden, sondern auch an den Lieferanten. „Ein Ladeninhaber weiß, was bei ihm läuft und bestellt danach. Die Lieferanten wollen aber oft auch, dass man ganze Sortimente abnimmt, auch die Teile, die man in seinem Geschäft nicht los wird“, sagt Pinnow.

Einige große Marken hat er deshalb schon lange nicht mehr im Angebot. „Ich habe keine Lust, mich zum Sklaven einer Marketing-Abteilung machen zu lassen.“ Gewinn warf der Jeans Shop immer noch ab, aber nicht genug, um davon zu leben.

Kai und Christina Pinnow haben deshalb noch weitere berufliche Standbeine. Sie ist Physiotherapeutin, er freiberuflicher Bautechniker. „Und das läuft beides momentan so gut, dass wir eine Entscheidung fällen mussten. Das haben wir jetzt getan.“

Die Pinnows schließen ohne Bitternis. „Das Leben besteht aus Veränderungen. Das ist jetzt eine“, sagt Kai Pinnow.

Etwas Wehmut ist trotzdem dabei. „Ich werde es vermissen, dass ständig Leute zu mir kommen“, sagt Kai Pinnow, „ob nun Laufkundschaft oder Freunde und Stammkunden, die einfach auf einen Klönschnack vorbeigucken.“

Den Textildruck will Kai Pinnow deshalb weiter betreiben und will sich Räumlichkeiten suchen. Erst einmal wollen die Pinnows aber den Urlaub der letzten sieben Jahre nachholen.