Harburg
HR-Regional

Auf Leute, in den Sattel !

Keine schlechte Idee, die dem Industrieverband Motorrad da gekommen ist. Zugegeben, ein bisschen Glück war auch dabei. Gerade als die Eisenbahner zum Streik aufriefen, startete der Verband seine Kampagne „Ride to work“. Auf gut Deutsch: Maschine raus und statt im stickigen Bus oder in der nun noch volleren S-Bahn zur Arbeit zu ömmeln, mal ordentlich Gas geben und die frische Luft genießen. Mit einem großen Schuss Ironie dankt der Verband dem Chef der Lokführergewerkschaft, Claus Weselsky, dafür, dass er den sechs Millionen Roller- und Motorradbesitzern einen weiteren Anlass gegeben hat, mit ihren heißen Öfen zur Arbeit zu fahren.

Aber was wird die Folge sein? Seien wir ehrlich. Wer möchte sich schon für zehn oder vielleicht 30 Kilometer Arbeitsweg, der noch dazu in vielen Fällen durch die Stadt führt, die Montur und die Stiefel anziehen, den Nierengurt umschnallen, Handschuh und Helm rausholen und dazu noch eine Tasche mit dem Bürodress umhängen? Das dürften die wenigsten sein.

Denn wer erst einmal im Sattel sitzt, wird zu einem anderen Menschen. Der Kopf wird frei, die Sorgen bleiben zurück und es gibt nicht wenige unter uns, die unter dem Helm fröhlich und mit voller Inbrunst singen. Deshalb sollten sich die Arbeitgeber jetzt nicht wundern, wenn unverhofft Anträge auf freie Tage bei ihnen ankommen. Denn wenige Kilometer vor der Arbeitsstätte dürften viele Biker ihrem Drang folgen, einfach weiter zu fahren. Hinein in den Sonnenuntergang. Was ist dagegen ein Bürosessel?