Harburg
Neu Wulmstorf

Eltern begrüßen Gebäudetausch

Peer Schuback, Vorsitzender des Gemeindeelternrats Neu Wulmstorf

Peer Schuback, Vorsitzender des Gemeindeelternrats Neu Wulmstorf

Foto: Bianca Wilkens

Landkreisverwaltung lehnt Finanzierung der Neu Wulmstorfer Schulrochade ab. Die Elternvertreter hoffen auf ein Ende der Raumnot.

Neu Wulmstorf. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Schulstruktur in Neu Wulmstorf grundlegend wandelt. Auf Dauer kann sich das dreigliedrige Schulsystem mit Gymnasium sowie Haupt-, und Realschule nicht halten, weil die Schülerzahlen in der Hauptschule Jahr für Jahr sinken.

Jetzt, da die Gemeindeverwaltung einen Gebäudetausch zwischen Haupt- und Grundschule vorgeschlagen hat, rückt die Umwälzung näher. Zwar sitzen beide, Hauptschule und Grundschule, in der Ernst-Moritz-Arndt-Straße. Dennoch wäre das ein deutlicher Einschnitt in der Schullandschaft.

Zumal es voraussichtlich dazu führt, dass Haupt- und Realschule schneller zur Oberschule umgewandelt werden als gedacht. Was sagen die Eltern zu den Überlegungen der Gemeinde?

„Es ist keiner begeistert, dass die Hauptschule eingestellt werden soll“, sagt Peer Schuback, Vorsitzender des Gemeindeelternrates. „Sie macht einen super Job. Aber wir können uns der Entwicklung nicht verschließen.“

Auch Ursula Stahmer, Leiterin der Hauptschule Vossbarg, sieht das realistisch. „Die Gesellschaft nimmt die Hauptschule nicht mehr an. Dass sich etwas verändern wird, können wir nicht verhindern“, sagt sie.

Schon immer hat die Hauptschule um Kinder kämpfen müssen. Den Todesstoß für die Hauptschule aber gebe es spätestens im nächstem Schuljahr, glaubt Stahmer. Dann fällt die Schullaufbahnempfehlung weg. Bislang sprachen die Grundschulen beim Übertritt in die weiterführende Schule eine Empfehlung für jedes Kind aus, welche Schule als geeignet angesehen wird.

Zwar entschied letztlich immer noch der Elternwille, Mutter und Vater konnten sich der Empfehlung also widersetzen. Aber da sie schriftlich festgehalten wurde, hatte sie so etwas wie einen bindenden Charakter.

Ab nächstem Schuljahr ist das anders. Statt eine schriftliche Schullaufbahnempfehlung abzugeben, führen die Grundschulen Beratungsgespräche mit den Müttern und Vätern. Das hätte zur Folge, dass die Eltern ihre Kinder am Ende aufs Gymnasium schickten, sagt Stahmer. Es stimmt sie traurig, dass die Hauptschule keine Zukunft hat.

„Ich denke, unseren Schülern ging es hier immer gut. Sie haben ihren Weg gefunden“, sagt Stahmer. Sie befürchtet, dass die Schüler in einem „großen“ System Oberschule untergehen.

Zum angedachten Gebäudetausch mit der Grundschule möchte sie sich nicht äußern und zunächst die heutige Sitzung des Schulausschusses abwarten. Auch Astrid Kracht, Leiterin der Grundschule am Moor, war zu keinem Statement vor der Ausschusssitzung bereit.

Die Elternvertreter an ihrer Grundschule begrüßen den angedachten Gebäudetausch, weil sie sich ein Ende der Raumnot erhoffen. An der Schule werden 348 Kinder unterrichtet. Seit langem ist der fehlende Platz ein Thema.

Der Platzmangel wird sich künftig noch verschärfen, wenn die Kinder aus dem Neubaugebiet Apfelgarten mit 400 Wohneinheiten ins schulfähige Alter kommen. „Die Schule ist nicht dafür konzipiert, all diese Kinder aufzunehmen“, sagt Peer Schuback.

Schon jetzt müssen einige Grundschüler aus dem Norden Neu Wulmstorfs auf die Grundschule an der Heide auf der anderen Seite der Gemeinde ausweichen. „Das Angebot dort ist auch toll, aber viele Eltern möchten nicht, dass ihre Kinder die Bundesstraße 73 kreuzen müssen“, sagt Stefan Blödorn, Sprecher des Elternratsvorstands der Grundschule am Moor.

Zudem würde mehr Platz die geplante Umwandlung der Grundschule in eine Ganztagsschule erleichtern. „Wenn genügend Räume in der Hauptschule sind, um einen differenzierten Unterricht zu ermöglichen, wäre ein Gebäudetausch zu begrüßen“, sagt Peter Speiser, Mitglied im Elternratsvorstand der Grundschule am Moor.

Und: Die Hauptschule verfügt über eine Mensa. Bereits jetzt laufen die Grundschüler, die am Nachmittag betreut werden, zum Essen in die Hauptschule.

Klingt alles nach einem Plan, der aufgeht. Doch einen Haken gibt es: die Finanzierung. Der Gebäudetausch kostet nach einer Schätzung der Gemeindeverwaltung 3,64 Millionen Euro. Davon sind fast drei Millionen nötig, um aus der Grundschule eine Oberschule zu machen.

Die Gemeinde Neu Wulmstorf weiß um die Finanznot in der Landkreisverwaltung und schlägt deshalb vor, zunächst die Kosten zu tragen, will aber mit dem Landkreis verhandeln, ob er sich später finanziell beteiligt. Inzwischen ist jedoch klar: Da ist nichts zu holen.

„Wir haben der Gemeinde Neu Wulmstorf klar signalisiert, dass der Landkreis nicht für eine Finanzierung bereit steht“, sagte Johannes Freudewald, Pressesprecher des Landkreises, gestern dem Hamburger Abendblatt. „Dafür haben wir keine Spielräume.“

Auch mittelfristig sieht die Landkreisverwaltung keine Möglichkeiten, sich an der Investition zu beteiligen. Selbst, wenn die Gemeinde Neu Wulmstorf die Finanzierung alleine tragen würde, versieht Johannes Freudewald das Vorhaben mit einem Fragezeichen. „Das muss die Kommunalaufsicht genehmigen“, sagt er. „Wir sind gegen den Gebäudetausch.“

Heute, 19.30 Uhr, öffentliche Sitzung des Schulausschusses im Ratssaal des Neu Wulmstorfer Rathauses, Bahnhofstraße 39, zu dem Thema.