Harburg
Maifeier

Zwischen Tanz und Tag der Arbeit

Der Demonstrationszug bewegte sich vom Sand über den Kroosweg und den Krummholzberg zum Rieckhof

Der Demonstrationszug bewegte sich vom Sand über den Kroosweg und den Krummholzberg zum Rieckhof

Foto: Lars Hansen

Rock’n’Roll vor dem Rathaus und Reden im Rieckhof: Die Harburger taten beiden Mai-Traditionen Genüge

Harburg. Die einen feierten den Mai zu „Highway to Hell“, die anderen zu „Brüder zur Sonne zur Freiheit“, und manche beides. Sowohl zum Tanz in den Mai , als auch zum Tag der Arbeit war Harburg auf den Beinen. Die Verantwortlichen der sehr unterschiedlichen Veranstaltungen waren zufrieden: „Das Wetter blieb trocken und deshalb blieben auch viele Gäste zum Feiern auf dem Festplatz“, sagt Waltraud Hörlberger, im Hornbacher-Konzern für das Rathausfest verantwortlich, Harburgs größte In-den-Mai-Feier. „Die Band hat den Leuten auch dermaßen eingeheizt, dass sie die kühlen Temperaturen vergaßen.“

Nachdem der Festplatz gegen Mitternacht schloss, füllten sich die Clubs der Innenstadt mit Maifeierern. Ob im B7, im Bolero oder in der Brazil-Bar: Harburg tanzte, bis morgens die Gewerkschaften den Tag übernahmen.

„Jetzt kann ich meinen Enkeln endlich mal erzählen, dass ich die Mairede in Harburg gehalten habe“, sagte Hüseyin Yilmaz am Rednerpult im Rieckhof. „Das macht mich nämlich stolz. Harburg hat eine Tradition, was ausländische Arbeitnehmer angeht. In den großen Fabriken hier, bei der Phoenix und bei Mercedes, haben sich die Gastarbeiter der ersten Stunde frühzeitig in die Gewerkschaften eingebracht und so auch angefangen, sich zu integrieren.“

Der Bundesverdienstkreuzträger Yilmaz war 32 Jahre lang in der Migrantenarbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) engagiert. Jetzt ist er in der gewerkschaftlichen Seniorenarbeit tätig, ebenso, wie im Landesseniorenbeirat. „Die Gastarbeiter der ersten Generation sind jetzt im Rentenalter“, sagte er. „Sie haben viel zum Wohlstand des Landes beigetragen und die Grundlagen für Integration gelegt. Trotz dieser Leistungen sind sie aber zu über 40 Prozent von Altersarmut betroffen. Das kann nicht gerecht sein.“

Der Demonstrationszug der Gewerkschaften war nach einer kurzen Runde durch die Stadt im Rieckhof eingetroffen wo schon die weniger lauffreudigen Gewerkschafter warteten. Insgesamt hörten etwa 500 Menschen den Reden zu.

Hauptredner war Joachim Bischoff. Der promovierte Sozialwissenschaftler war mal SPD-Mitglied, gehört jetzt aber den Linken an. Harburgs höchstrangige Sozialdemokraten nahmen deshalb nicht, wie sonst üblich in der ersten Reihe Platz, sondern an der Seite.

Bischoff betonte die Aktualität des ersten Mai als Tag der Arbeit: „Vor 125 Jahren, als der Tag zum ersten Mal begangen wurde, ging es um die Einführung des Achtstundentags“, sagte er. „Wir haben mittlerweile viel erreicht, das wir für selbstverständlich halten, aber es geht auch heute immer noch um einen Arbeitslohn, der zum Leben reicht und einen Arbeitstag, der einen Feierabend kennt. Wenn heute der Achtstundentag wieder in Frage gestellt wird, ist das kein wirtschaftlicher Fortschritt. Es ist ein Skandal!“