Harburg
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Talente, Schiffe und frische Tulpen

Mehr als 10.000 Besucher beim Verkaufsoffenen Sonntag. Talentschau, Kreuzfahrtmesse und Einkaufen in der City

Harburg. Ein Dutzend Frauen und Männer stehen im Marktkauf-Center im Scheinwerferlicht, werden fotografiert und dürfen ins Mikrofon singen oder krächzen, was sie wollen. Die UFA Talentbase macht in Harburg beim Verkaufsoffenen Sonntag Station, um Darsteller für Serien und Filme, Teilnehmer für Fernsehshows und Sänger zu erfassen. Anders als man es von Castingshows im Fernsehen kennt, fliegt hier niemand raus. „Wir haben schon 90.000 Talente in unserer Datenbank und suchen händeringend weitere“, erläutert Projektleiter Otto Nitschke. Jeder, der hier heute mitmacht, bekommt seine Sedcard, auf die namhafte Produktionsfirmen Zugriff haben.

Fred Horn, 53, ist ein Spätstarter. Er singe seit zehn Jahren, erzählt er, und trägt zwei Titel von „Unheilig“ vor. Er singt passabel – was man von der jungen Dame vor ihm nicht behaupten kann. Auch Gabriel Ganshorn macht seine Sache gut, obwohl die Gitarre schlecht gestimmt ist. Er hat eine Band in Gründung, nimmt Schauspielunterricht und tritt im Harburger Irish Pub auf. „Wir suchen die neue deutsche Stimme, mit dem Gewinner wird Ralph Siegel eine Single produzieren. Wir wollen den Star langfristig aufbauen“, verspricht Nitschke.

Während Horn und Ganshorn auf eine Sänger-Karriere hoffen, denken Waltraut und Jon Düwer über ihren ersten Kreuzfahrturlaub nach. Waltraut Düwer hat sich mit Hilfe der Oculus-Rift-Brille am Messestand von TUI Cruises über „Mein Schiff3“ informiert. „Nächstes Jahr geht mein Mann in den Ruhestand, dann kann es losgehen“, sagt sie. Die Messe in den Arcaden kommt da gerade recht. „Ich will keine Schicki-Micki-Kreuzfahrt. Ich will mich entspannen und nicht jeden Tag ein neues Abendkleid anziehen.“

„Bei Kreuzfahrten geht der Trend zur Vielfalt. Fast alles, was an Land möglich ist, gibt es auch auf See“, sagt der Hamburger Kreuzfahrtexperte Helge Grammerstorf. Das gilt für Theater, Konzerte, Joggen oder sogar eine Eisbahn oder Wasserski. Der Durchschnittstagespreis für die rund 350 Kreuzfahrtschiffe weltweit lag 2014 bei 173 Euro und damit um drei Euro höher als 2013. „Trotz des Wachstums der Kapazität konnte die Branche ihre Preise leicht anheben“, sagt Grammerstorf. Dabei blieb das Niveau über zehn bis 15 Jahren weitgehend konstant.

Volker Knubbe, Verkaufsbüroleiter des TUI Reise Centers in Harburg, war am Sonntag mit der Resonanz der ersten Harburger Reisemesse zufrieden. Schon vor Beginn des Verkaufsoffenen Sonntags ab elf Uhr waren die ersten Gäste zu Vorträgen in die Arcaden gekommen. Der Zulauf setzte sich fort. „Wir haben bereits die ersten Buchungen“, sagte Knubbe. Er geht davon aus, dass sich die Messe im Rhythmus von zwei Jahre lohnen könnte.

Spätnachmittags zog Citymanagerin Melanie-Gitte Lansmann Bilanz: „Die Parkhäuser waren voll, der Einzelhandel zufrieden und die Gartencenter haben ihre Experten geschickt. Auch die Bühne mit TV-Gärtner John Langley entwickelte sich zum Treffpunkt.“ Lansmann rechnet mit einer gut fünfstelligen Besucherzahl, die Regen und Wind der warmen Stube vorzog.