Moment mal!

Homöopathische Y-Trasse

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Eine Glosse von Corinna Panek

In diesen Tagen wird viel gestritten. Über das Für und Wider der Masernimpfung zum Beispiel. In Presseartikeln und sozialen Netzwerken werden die Impfgegner oft in einem Atemzug mit jenen genannt, die an die Wirksamkeit der Homöopathie glauben. Die schlucken dann „Globuli“ (also Kügelchen) genannte Zuckerpillen, in denen mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu drei Milliarden ein Molekül eines bestimmten Wirkstoffes enthalten ist. Dieser Wirkstoff kann, glaubt man den Diskutanten in den oben genannten Foren, auch mal Hundeschiete sein. Aber man habe ja nichts zu befürchten, denn wie gesagt, in den Zuckerkügelchen ist kein Wirkstoff enthalten.

Es gibt aber noch eine Steigerung: die sogenannte neue Homöopathie nach Körbler. Deren Erfinder, also Herr Körbler, meint, dass man gar keine Kügelchen einwerfen, sondern nur bestimmte schwungvolle Linien auf den Körper malen muss, und schwupps ist man befreit von seinem Leiden. In der Regel geht es dabei um S-förmige Kurven, es gibt es aber auch noch Sonderformen. Plus und Minus, die bestimmte Dinge stärken oder schwächen sollen. Klingt ja auch irgendwie logisch. Aber jetzt kommt’s: Man kann in schwierigen Fällen auch ein Y zum Beispiel auf den Unterarm malen, weil in einem Y die Kräfte gebündelt und die Energieströme positiv verstärkt werden.

Irgendwelche Bahn-Planer müssen das schon vor Jahren gewusst haben. Denn auch die Y-Trasse soll ja die Güterströme aus den Seehäfen bündeln, geordnet auf einer Hochleistungs-Hochgeschwindigkeits-Schiene abtransportieren und zur positiven Stimmung der Wirtschaft beitragen. Globuli und Globalisierung klingt ja auch verdammt ähnlich. Aber warum suchen sie jetzt nach Alternativen zur Y-Trasse? Steht auf ihr etwa ein Bachblüten-Biotop? Ist gar ein neuer Schüßler-Salzstock entdeckt worden, der auch als Atommüll-Lager infrage kommt? Oder steckt dahinter nur die Sorge, dass die Y-Trasse als homöopathische Stau-Heilmethode keine Kassenleistung sein könnte?

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