Harburg
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Und plötzlich war die Sonne weg

In Handeloh und Harburg beobachteten viele Menschen das Himmelsspektakel. Arbeitskreis stellte Teleskope auf

Handeloh/Harburg. Das wollen sich viele Menschen nicht entgehen lassen. Hunderte machen sich gestern auf, um die Sofi – die Sonnenfinsternis – zu verfolgen. Schulklassen finden sich auf dem Harburger Rathausplatz ein, um durch ihre Schutzbrillen zu beobachten, wie der Mond immer mehr die Sonne verdeckt. Auf dem Rathausplatz in Handeloh konnten die Bürger die Sonnenfinsternis mit Profi-Ausstattung verfolgen. Der Arbeitskreis Astronomie Handeloh hatte zahlreiche Teleskope aufgestellt.

9.30 Uhr: Es erinnert etwas ans Public Viewing bei einem wichtigen Vorrundenspiel, als immer mehr Menschen auf den Rathausplatz in Handeloh strömen, um das Naturschauspiel mitzuverfolgen. Die Mitglieder des Arbeitskreises Astronomie haben alles bestens vorbereitet. Auf den Tischen liegen Schutzbrillen bereit. Teleskope, alle mit speziellen Sonnenfilterfolien zum Schutz der Augen ausgestattet, sind in mehreren Reihen aufgestellt.

Die meisten Blicke zieht ein langes Fernrohr auf sich, hinter dem ein weißes Blatt Papier klemmt, eine Konstruktion von Achim Tribelhorn, Vorsitzender des Arbeitskreises. Es ist die Projektionsmethode. Dabei projiziert ein Fernrohr das Bild der Sonne vergrößert auf ein Blatt Papier. So können auch diejenigen, die keine Schutzbrille mehr ergattern konnten, das Himmelsspektakel leicht beobachten. Erstaunt blicken die Menschen auf das Papier, zücken ihre Handys. Erstmal den Moment festhalten. Auf dem Blatt Papier sieht die Sonne wie ein runder Käse aus, an dem die Maus ein Stückchen herausgeknabbert hat.

10.15 Uhr: Jetzt bedeckt der Mond ein ganzes Stückchen von der Sonne, so dass sie langsam die Form eines Halbmonds annimmt. Fasziniert umringen die Besucher die Teleskope. Janine Mackens, 27, Einkäuferin, schaut durch das Fernglas, dessen Objektiv mit der Schutzfolie überzogen ist, und sucht den Himmel nach der Sonne ab. „Da. Wie Cool!“, sagt sie. Wie so viele andere hatten sie und ihr Mann Michael Mackens, 30, Fluggerätemechaniker, noch versucht, eine Schutzbrille zu ergattern. Doch bei den Optikern waren sie restlos ausverkauft. Deshalb haben sich die Tostedter zum Rathausplatz in Handeloh aufgemacht.

Sie und ihr Mann haben viel gelernt an diesem Vormittag, an dem Laien auf Experten der Astronomie treffen, etwa dass der Mond die Sonne in München nur 65 Prozent bedeckt, im Norden hingegen 80 Prozent und dass die totale Finsternis nur auf den Färöer-Inseln zu beobachten ist. „Uns wurden die ganzen Hintergründe erklärt. Wir sind jetzt ganz schlau“, sagt sie und lacht.

Meistens wird Achim Tribelhorn nach dem Grundsätzlichen gefragt, danach, was hier eigentlich vor sich geht. In der Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde. Sonne und Mond erscheinen am Himmel optisch etwa gleich groß. Deshalb kann der Mond die Sonne bedecken. Die Sonnenfinsternis tritt so selten auf, weil die Mondbahn leicht geneigt ist. Sie passiert nur, wenn der Mond den Knotenpunkt der Erdbahn genau trifft. Die letzte Sonnenfinsternis war 1999. Die nächste partielle wird 2022 sein, eine totale erst im September 2081.

10.30 Uhr: Die Sonne auf der Projektionsfläche gleicht einem dick gemalten C. Es ist auf einmal kalt. Das Licht wird fahl. Die Besucher frösteln und hauchen Nebelschwaden in die Luft. Jetzt treffen Erstklässler der Grundschule Handeloh ein und staunen. Lehrerin Diana Bettke, 42, hat die Schüler in den vergangenen Wochen auf diese Aktion vorbereitet. Die Kinder haben Sonne, Mond und Erde gespielt und die Umlaufbahnen nachgestellt. „Damit sie begreifen, was da am Himmel vor sich geht“, sagt Diana Bettke. Nacheinander schauen die Kinder auf die Projektionsfläche und mit ihren Schutzbrillen in den Himmel.

10.40 Uhr: Jetzt hat die Sonne nur noch die Form einer Sichel. Nur wenige Minuten später kommt Nebel auf und auf dem Papier ist nichts mehr zu sehen. Dafür aber direkt am Himmel. „Irre“, „Wahnsinn“. Alle rufen durcheinander. Der Nebel hat das Schauspiel gerade mal so verschleiert, dass die Sichel auch ohne Schutzbrille am Himmel sichtbar wird. „Wie ein Naturfilter, grandios“, sagt Tribelhorn. „Sonnenfinsternis für Alle!“

10.56 Uhr: Jetzt zieht so starker Nebel auf, dass er das Spektakel komplett verdeckt. „Oooooh.“ Die meisten fliehen vor der Kälte. „Es war toll“, rufen sie, und Achim Tribelhorn und seine Kollegen vom Arbeitskreis Astronomie packen wieder ein.