Harburg
Buchholz

Mit dem Neuntonner durch die Wüste

Kari Kloth gab in Kakenstorf ihr früheres Leben auf und fuhr vier Jahre lang mit Truck und Lebensgefährten durch Afrika, Asien und Europa

Buchholz. Eines Tages sind sie einfach in Kakenstorf losgefahren, haben alles hinter sich gelassen. Eine Pilgerreise sollte es sein, eine halbe Weltreise ist am Ende daraus geworden. Vier Jahre lang waren Kari Kloth und ihr Lebensgefährte Walther Altmann mit einem Mercedes-Neuntonner unterwegs in Europa, Afrika und Asien. Am Dienstag, 24. März, kehrt Kari Kloth in die Nordheide nach Buchholz zurück, um in der Empore vom Abenteuer ihres Lebens zu erzählen.

Der Reise voran gegangen war nicht nur eine etwa einjährige Vorbereitung, sondern auch ein Schicksalsschlag. Kari Kloth hatte jahrelang an Bulimie gelitten, ihre Krankheit überwunden und darüber ein Buch geschrieben. Nachdem sie durch ihre Erkrankung einen Herzstillstand hatte, erfuhr ihr Leben eine spirituelle Wende. Dabei reifte ihr Wunsch, den heiligen Berg Kailash in Tibet zu besuchen. Doch je älter sie wurde, desto mehr rückte das Vorhaben in den Hintergrund.

Bis eines Tages ihr Lebensgefährte nach Hause kam und sagte: „Ich habe gekündigt. Wir fahren los.“ Eine Bauchentscheidung sei das gewesen, sagt Kari Kloth rückblickend. Und hatte damals wohl noch nicht geahnt, dass das Bauchgefühl einmal existenziell sein würde. Ein Jahr lang wurde das Abenteuer vorbereitet. Ein Fahrzeug, ein Mercedes LA-911 aus Bundeswehrbeständen, wurde gekauft und für die Reise ausgerüstet. „Eigentlich hatten wir gar kein Geld. Aber vieles lief auf Gegenseitigkeit: Den Ausbau machte ein Kakenstorfer Tischler, er bekam Walthers Plattensammlung dafür“, sagt sie. Immerhin brachte die Vermietung des Elternhauses noch eine regelmäßige Einnahme.

Im August 2007 ging es schließlich los. Vorher wurde das Gefährt, das von da an ein Gefährte sein sollte, auf den Namen „Trusty“ getauft, frei übersetzt:„Wir vertrauen dir“. Und „Trusty“, damals immerhin schon 22 Jahre alt, ließ die damals 58-jährige Kari und den 53-jährigen Walther nie im Stich. 120.000 Kilometer absolvierte er problemlos, nur ein einziges Mal musste ein Reifen ersetzt werden. „Kein Fünf-Sterne-Hotel, sondern ein Millionen-Sterne-Etablissement“, schreibt Kari Kloth in ihrem neuen Reise-Buch „Out in Africa“.

Die Tour führte sie von Deutschland nach Italien, von dort mit der Fähre nach Tunesien. Durch Nordafrika ging es weiter über den Sudan nach Äthiopien und Somalia. Von dort setzten sie auf die Arabische Halbinsel über, vom Oman aus ging es – ebenfalls mit den Schiff – weiter in den Iran. Auf dem Landweg erreichten sie über Pakistan schließlich Tibet und den heiligen Mount Kailash. „Diesen Berg darf man als heilige Stätte nicht besteigen, nur umrunden“, schildert Kari Kloth. Diese Pilgerwanderung sei für sie das beeindruckendste Erlebnis gewesen. „Man ist nur noch auf sich selbst gestellt, das ist eine sehr existenzielle Sache.“

Das Ziel der Reise war also erreicht, doch der Rückweg verlief anders als geplant. Die Sicherheitslage ließ es mittlerweile nicht mehr zu, auch über Pakistan zurückzufahren. Also steuerten die Abenteurer Indien an und fuhren von dort mit dem Schiff nach Südafrika. Die weitere Route verlief über Namibia im Westen bis Kenia im Osten, schließlich erneut mit der Fähre nach Saudi-Arabien und von dort aus über den Landweg durch Syrien, die Türkei, Griechenland, Italien und Österreich zurück nach Deutschland.

„Jeder Augenblick war wertvoll“, sagt Kari Kloth heute, vier Jahre nach ihrer Rückkehr, über die lange Reise. Ob es die Begegnung mit Menschen, Tieren oder der Natur war. Doch nicht immer war das gefahrlos. Ein Erdrutsch, ein Buschbrand, eine Horde Elefanten oder Menschen, die sich ihnen mit Gewehren entgegen stellten. „Wir lernten dabei, auf unsere Intuition zu hören. Man kann dann nicht noch lange abwägen, was zu tun ist.“ Oft sei es aber einfach die Vorsicht der jeweiligen Einwohner gewesen: „Sie müssen sich vorstellen, da kommt ein fremdes Auto, das macht erst mal misstrauisch. Wenn die Menschen gesehen haben, ‚oh, da sitzt ja eine Frau drin‘ hat sich die Lage sofort entspannt.“ Insofern seien sie nie wirklich allein gewesen, immer wurden sie von Neugierigen bestürmt.

Trotzdem – es gab auch Momente des Heimwehs. „Am meisten dann, wenn man krank ist. Dann wünschst du dir nur noch Sauberkeit und richtiges Essen“, sagt Kari Kloth. Oder sie und ihr Partner hatten einfach Sehnsucht nach Eis am Stiel oder einem erfrischenden Bad in der Nordsee.

Detailliert geplant haben die Beiden ihre Route nie, nur im Groben. Denn für viele Länder brauchten sie Visa und Einfuhrpapiere fürs Auto. Jeweils ein bürokratischer Akt und ein Kostenfaktor.

Nach der Rückkehr im Alltag Fuß zu fassen fiel schwer. „Ich habe immer noch Schwierigkeiten mit unserer Leistungsgesellschaft, mit der Hektik im Alltag. Dort haben wir nur für den Augenblick gelebt“, sagt Kari Kloth heute. „Ich muss für das nächste Jahr auch einige private Sachen planen und organisieren – das ist schwierig, wenn man jahrelang nichts geplant hat.“ Ein bisschen fühle sie sich in Deutschland wie im Urlaub, weil sich ihr Blick auf die Dinge so verändert hat. „Wir haben kennengelernt, welche einschneidenden Auswirkungen Aids auf die Gesellschaft hat: Es gibt nur ganz junge und ganz alte Menschen. Und wir schämten uns für unseren Luxus, in dem wir leben.“

In Afrika dagegen zählen Lebensfreude, zählen vor allem die Familie und Gemeinschaft von Jung und Alt. „Ein ‚ich‘ gibt es dort nicht, auch nicht in Arabien oder Indien. Es gibt nur ein ‚wir‘. Anonymität wie bei uns ist dort nicht möglich.“

Kari Kloths Vortrag am 24. März in Buchholz beginnt um 20 Uhr, Karten kosten zwölf Euro. Außerdem steht ihr verlässlicher vierrädriger Partner „Trusty“ vor der Empore. Das Buch „Out in Africa” ist erschienen bei Edition Winterwork, ISBN 978-3-86468-740-2 und kostet 34,90 Euro. Die E-Book-Version ist für 19,99 Euro zu haben.