Wilhelmsburg

Rettung vor dem Zahn der Zeit

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Alte Bände der „Wilhelmsburger Zeitung“ drohen zu zerfallen, jetzt naht erste Hilfe

Wilhelmsburg. An den archivierten Bänden der „Wilhelmsburger Zeitung“ nagt der Zahn der Zeit: Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Hildegard Jürgens aus Billstedt unterstützt deshalb das Museum Elbinsel Wilhelmsburg mit 1700 Euro aus der sogenannten Troncmitteln des Hamburger Parlaments, damit die Gesamtausgabe der in den Jahren 1891 bis 1981 erschienenen Zeitung neu gebunden werden kann. Das ehrenamtlich betriebene Heimatmuseum im Wilhelmsburger Ortsteil Kirchdorf hütet in gut 80 Bänden das komplette Archiv der früheren Elbinsel-Zeitung.

Ein größeres Problem des Zeitungsarchivs bleibt aber noch bestehen: Dem Papier droht in Zukunft der Zerfall, wenn es nicht entsäuert wird. Insbesondere die Ausgaben um 1900 seien gefährdet, weil mit der Industrialisierung mehr aggressive Chemikalien beim Druck Einzug erhielten, die heute dem Papier zusetzen, erklärt Museumsbibliothekar Peter Beenk. Die Entsäuerung würde 15.000 Euro kosten.

Das Staatsarchiv Hamburg sei zwar bereit, die Kosten zu tragen. Bedingung dafür aber wäre, die Zeitungen dem Staatsarchiv zu übereignen, sagt der 2. Museumsvorsitzende Raimar Röttmer. Das Museum dürfte dann die „Wilhelmsburger Zeitung“ als Dauerleihgabe behalten. Der Museumsverein wird darüber beraten, ob er die Eigentumsrechte an der „Wilhelmsburger Zeitung“ abtreten will. „Unsere Mitglieder werden unterschiedlicher Meinung sein“, erwartet Röttmer eine kontroverse Diskussion.

Das Archiv der „Wilhelmsburger Zeitung“ ist bei Ahnenforschern gefragt. Aus Todesanzeigen gewinnen sie neue Erkenntnisse über Familienangehörige. Während der Internationalen Gartenschau, als der Stadtteil Wilhelmsburg überregional in den Fokus rückte, erkundigten sich Gäste in dem Zeitungsarchiv, was früher auf den Elbinseln los gewesen war. Mitarbeiter von Verlagen nutzen bei Recherchen für Buchpublikationen das Archiv.

Peter Falke hat am Wochenende beim Kulturflohmarkt FlohZinn im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel einzelne Ausgaben der „Wilhelmsburger Zeitung“ aus seinem privaten Bestand verkauft. Die jungen Leute seien wild nach den alten Zeitungen gewesen, sagt er überrascht.

Peter Falke ist es auch gewesen, der den Museumsvorstand auf die Möglichkeit einer Förderung aus den Troncmitteln hingewiesen hat. In Hamburg haben die Abgeordneten der Regierungsfraktionen das Recht, mit dem Geld aus der Spielbankabgabe gemeinnützige Zwecke zu unterstützen.

( (tsu) )

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