Harburg

Netzwerk um die „Transit“ wächst

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Lutz Kastendieck

In der Flüchtlingsinitiative Binnenhafen ziehen Anwohner ebenso wie Geschäftsleute an einem Strang

Harburg. Noch liegt das Wohnschiff Transit ruhig am Kanalplatz im Binnenhafen. Doch das wird sich Ende dieser Woche ändern. Dann nämlich, wenn die ersten Bewohner einziehen werden. Sie stammen vermutlich aus Afghanistan, dem Nordirak, vermutlich auch aus dem Kosovo, so ganz klar sei das noch nicht, wie Hans-Joachim Schulz vom Verein channel hamburg sagt. Sicher ist hingegen, dass die Flüchtlinge aus den Krisenregionen dieser Welt in Harburg einen sicheren Hafen finden und sich willkommen fühlen sollen.

Dafür sorgen will die „Flüchtlingsinitiative Binnenhafen“. In ihr haben sich Anwohner, aber auch Geschäftsleute und Mitarbeiter von Unternehmen zusammengeschlossen, die allesamt im Binnenhafen leben und arbeiten. „Der Wille helfen zu wollen, war sofort spürbar“, so Andrea Zwergel, die seit 1990 in der Harburger Schloßstraße wohnt und jetzt zur Sprecherin der Koordinierungsgruppe avancierte. Inzwischen gebe es 40 aktive Helfer, von denen etwa die Hälfte Anwohner seien.

Seit beim Hafenfrühstück Ende September 2014 die Idee zur Initiative entstand, sei bereits vieles auf den Weg gebracht worden, bestätigt auch Andreas Behn. Der Inhaber der am Lotsestieg ansässigen Kaffeerösterei Fehling ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass auch die Mehrzahl der 150 im Hafen beheimateten Unternehmer zur Hilfe bereit sind. „Wir wollen zeigen, dass bei uns im Binnenhafen ein weltoffenes Klima herrscht und Integration auch unter solch schwierigen Ausgangsbedingungen funktionieren kann“, erklärte Behn.

Er verhehlte aber nicht, dass die Vorbehalte anfangs schon groß waren. Immerhin gilt der Binnenhafen mit seinen zahlreichen Neubauten und Sanierungsobjekten als städtebauliches Referenzprojekt. So sei der schwimmende Koloss von vielen eher als „Fremdkörper“ wahrgenommen worden. Dennoch habe sich schnell ein vielstimmiger Chor entwickelt, den die Bereitschaft zur aktiven Einbindung der neuen Binnenhafenbewohner eint. „Dass die Flüchtlinge der Enge des Schiffes auch mal entfliehen können, ist eine Herausforderung, der man sich einfach stellen muss“, so Behn.

Beispiele für ganz konkrete Hilfsangebote gibt es bereits. Die Firma Becker Marine Systems wird einen Kleinbus samt Fahrer zur Verfügung stellen. „Er soll beispielsweise zum Einsatz kommen, wenn größere Mengen transportiert werden müssen. Aber auch für Gruppenausflüge zu Veranstaltungen und Touren ins Umland“, berichtete Hans-Joachim Schulz. Die TuTech Innovation GmbH will Räumlichkeiten sowie Equipment für den Web- und Mailservice anbieten, die Technische Universität ihre Bibliothek öffnen und diverse Sportangebote offerieren. Das Restaurant „Al Limone“ in der Lämmertwiete hat für gemeinsame Veranstaltungen einen Cateringservice in Aussicht gestellt, der Speicher am Kaufhauskanal diverse Kulturangebote.

Die Kulturwerkstatt am Kanalplatz wird, ebenso wie die Hamburger Sparkasse, Räume zur Verfügung stellen, damit die Flüchtlingsinitiative ihre Angebote sukzessive ausbauen kann. Etwa für Sprachunterricht und Kinderspielgruppen. Reagiert hat die Kulturwerkstatt auch schon als Veranstalter des Binnenhafenfestes. Um die Bewohner der „Transit“ nicht zu sehr zu stören, sollen Bühnen und Fahrgeschäfte auf die andere Seite des Lotsekanals verlagert werden.

„Auch beim Binnenhafenfest wollen wir die Flüchtlinge natürlich einbinden“, so Bettina Radke. Viel wichtiger sei es aber, ihnen im Alltag „ein selbstbestimmtes Leben" zu ermöglichen. Dabei helfen soll neben der Sprach- auch die sogenannte Lotsengruppe. Deren erklärtes Ziel ist es, den Bewohnern der „Transit“ hilfreiche Wege aufzuzeigen. Zu günstigen Einkaufsmöglichkeiten ebenso wie zu verschiedenen Arztpraxen, aber auch zum Helms-Museum und zum Flüchtlingscafé „Refugio“.

„Personell sind wir schon sehr gut aufgestellt“, sagt Andrea Zwergel. Dennoch könne die Initiative weitere Unterstützung gut gebrauchen. Doch das Netzwerk entwickelt sich. Jüngst meldete sich das Projekt Freifunk: Es will auf der „Transit“ drahtloses Surfen und Telefonieren ermöglichen.

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