Harburg
Tostedt

Weltladen feiert Jubiläum

20-jähriges Bestehen: Gottesdienst, Gäste und Geburtstagstorte im Tostedter Himmelweg

Tostedt. Das letzte große Fest ist gerade mal zwei Jahre her. Damals zog der Tostedter Weltladen in die neuen Räume am Himmelsweg ein. Gestern feierte das Team nun mit Gottesdienst, Gästen, Gewinnspiel und Geburtstagstorte das 20-jährige Bestehen der Einrichtung, die sich der Idee der Gerechtigkeit, der Freiheit und Selbstbestimmung, des Wohlergehens aller Menschen und der Zukunftsverantwortung auf besondere Art und Weise verschrieben hat.

Der Tostedter „Weltladen“ gehört zu den festen Institution der Johannesgemeinde. Neben zahlreichen Stammkunden wird auch die Anzahl der Kunden immer größer, die nach dem Einkaufsbummel in der Innenstadt einen kurzen Abstecher in den Himmelsweg machen – oder zufällig vorbeischauen. Mittlerweile ist der Umsatz des Weltladens so groß, dass es für regelmäßige Spenden an gemeinnützige Vereine und Institutionen reicht. Die Tostedter unterstützen beispielsweise „Brot für die Welt“, die „Kindernothilfe“, den Hospizverein und den Verein „Helgo“ aus Hamburg. In diesem Jahr sollen auch die Flüchtlinge und der Unterstützerkreis in Tostedt von der Arbeit des Weltladens profitieren. „Es gibt viele, die unsere Unterstützung brauchen. Wir versuchen zu helfen und unsere Spenden gerecht zu verteilen“, sagt Birgit Gerhard, die sich als eine von 20 Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit für den Weltladen engagiert.

Gerechtigkeit ist auch eines der Grundprinzipien des Fairen Handels, dem sich der Weltladen verschrieben hat. Mit einem festgelegten Mindestpreis für Waren soll den Produzenten auch bei niedrigeren Marktpreisen ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel ermöglicht werden. Sozial- und Umweltstandards müssen dabei strikt eingehalten werden. Viele der Weltladen-Kunden sind bereit, dafür ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen, sagt Birgit Gerhardt. Doch wirklich teuer sei das Einkaufen im Himmelsweg nicht. „Zwar kann man unsere Preise nicht mit denen im Discounter vergleichen. Aber in Fachgeschäften gibt es Kaffee und Kunsthandwerk auch nicht billiger“, betont die Tostedterin.

Das Konzept des Weltladens scheint also aufzugehen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Als der Tostedter Weltladen im Jahr 1995 von dem Pastorenehepaar Reinhard und Gisela Tolsdorf aus der Taufe gehoben wurde, gab es nur einen kleinen Schrank auf dem Flur vor dem Großen Saal des Gemeindehauses. „Zu den Öffnungszeiten stellten wir einen Tisch davor, legten eine Decke darauf und präsentierten für kurze Zeit unsere Waren, die damals hauptsächlich aus einigen wenigen fair gehandelten Lebensmitteln bestanden. Danach packten wir das Ganze wieder ein und schlossen ab“, erinnert sich Birgit Gerhard.

Als dann Ende der 90er-Jahre das Gemeindehaus erweitert wurde, zog der Weltladen in einen neun Quadratmeter großen Raum im Erdgeschoss ein. Doch die Lösung war alles andere als optimal. Zum einen, weil es bei mehr als einem Kunden zur gleichen Zeit im selben Raum bereits ungemütlich eng wurde. „Man war ständig auf Tuchfühlung mit dem Kunden. Das war nicht immer schön“, erinnert sich Mechthild Meder-Hörnicke. Zum anderen, weil sich kaum Laufkundschaft in den kleinen Laden verirrte. „Für viele war es wohl eine Hemmschwelle, dass sie nur über das Gemeindehaus in den Laden kamen“, vermutet die Tostedterin. Doch weil es keine spruchreife Alternative gab, betrieben die engagierten Frauen und Männer den Laden zwölf Jahre lang auf kleinstem Raum weiter.

Um den Verkauf anzukurbeln, packte das Team ab 2007 dann jeweils freitags einige Waren in einen Handwagen und zog damit auf den Wochenmarkt. „Erst waren wir skeptisch, ob das überhaupt was bringt“, erzählt Gerhard. Doch mit der Zeit hätten sich die angebotenen Dinge immer besser verkauft. „Kleinvieh macht eben auch Mist. Man muss nur Geduld haben und Zeit investieren.“ Unter dieser Prämisse trugen auch die Teilnahmen an Flohmärkten und Basaren langsam aber sicher zum finanziellen Erfolg bei. „Zuerst haben wir wenig verkauft, weil die Leute die Preise nicht begriffen und nicht verstanden, warum wir nicht handeln. Aber das hat sich irgendwann geändert“, sagt Meder-Hörnicke.

Seit 2012 verkaufen die Ehrenamtlichen die faire Ware in den 36 Quadratmeter großen ehemaligen Räumen des Spielkreises. Dort fand am gestrigen Sonntag auch die Geburtstagsfeier mit zahlreichen Gästen statt. Für das Sortiment, das hauptsächlich aus kulinarischen Verkaufsschlagern sowie Textilien, Kunsthandwerk aus Recyclingmaterial und Schmuck besteht, ernteten die Laden-Betreiber ein großes Lob.