Harburg
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Lehrer aus tiefster Überzeugung

Nach sieben Jahren als Konrektor ist Michael Stüper neuer Leiter der Katholischen Schule Harburg

Harburg. So richtig umstellen muss sich Michael Stüper auf seinem neuen Posten nicht. Schließlich ist der 44-Jährige bereits seit sieben Jahren stellvertretender Leiter der Katholischen Schule in Harburg. Nun hat er seinen ehemaligen Chef Siegfried Strottner beerbt und ist seit dem 2. Februar neuer Direktor der Grund- und Stadtteilschule in der Julius-Ludowieg-Straße.

„Ich bin ein sehr treuer Mensch“ sagt er von sich selbst. Und das bestätigt sich auch, wenn man auf seinen beruflichen Werdegang schaut. Geboren 1970 in Tallahassee/Florida verbrachte er die ersten drei Lebensjahre in Amerika. Der Vater schrieb dort seine Dissertation im Fach Volkswirtschaft, danach siedelte die Familie nach Hamburg über. Hier arbeitete sich Michael Stüper durch die Schulzeit, unter anderem an der katholischen Schule in Farmsen, außerdem besuchte er das katholische Gymnasium Sankt-Ansgar in Borgfelde. Dann studierte Stüper Geschichte und Mathematik für das Lehramt – natürlich in Hamburg. Auch danach kam der ambitionierte Junglehrer nicht von den Orten seiner Kindheit los: Nach dem Studium machte er das Referendariat an seiner alten Grundschule in Farmsen. Und auch seine erste Anstellung als Lehrer führte ihn nicht weit weg von seinen Wurzeln, denn Stüper unterrichtete von 1999 bis 2008 an der Katholischen Schule St. Paulus in Billstedt. In dieser Zeit sammelte er Erfahrung als Pädagoge und in der Organisation des Schulalltags.

Vor sieben Jahre kam das Angebot aus Harburg und Stüper verlegte sein Wirkungsfeld in den Hamburger Süden. Nun fährt er fünf Tage in der Woche aus Rahlstedt über die Elbe, um nach Harburg zu seinen Kindern und zu seiner Schule zu kommen. Obwohl ihm der Hamburger Süden gefällt, gibt Stüper freimütig zu, dass er froh sei, nicht in direkter Nachbarschaft zu seiner Schule zu wohnen: „Das macht mich unabhängig und gibt mir den nötigen Rückzugsraum.“ Zuhause in Rahlstedt warten seine Frau, sie ist übrigens auch Lehrerin, und die drei kleinen Töchter auf ihn. „Meine Familie ist mein Hobby“, antwortet er auf die Frage nach dem Ausgleich vom anstrengende Schulalltag. Und – Stüper gibt es gern zu – er ist auch ein treuer Fußballfan, sein Herz schlägt nur für den HSV. Jahrelang hatte er eine Dauerkarte und saß bei jedem Spiel im Stadion. Seitdem die Familie da ist, hat er aber nicht mehr die Zeit dazu. Stattdessen gönnt er sich, wenn es sich einrichten lässt, einmal im Jahr ein Fußballwochenende mit einem Kumpel. Dann wird ein Auto geliehen und es geht in die verschiedensten Stadien in Deutschland und auch schon mal Europa. Wenn er von den Touren von Hamburg nach Nürnberg über Rostock, Cottbus und Dortmund erzählt oder von dem legendären Trip Brügge, London, München, Gladbach, dann leuchten seine blauen Augen.

Er ist in seiner neuen Funktion jetzt der Entscheider, ein großer Unterschied zu seinen Aufgaben als stellvertretender Direktor, bei denen vor allem sein Organisationstalent gefragt war. „Es reizt mich, Schule zu gestalten und neue Wege zu gehen“, sagt er im Hinblick auf seine neuen Herausforderungen. Dazu gehört auch die Entwicklung neuer Unterrichtsformen und -methoden. Für die Zukunft wünscht sich Stüper Klassen, die altersübergreifend aufgestellt sind: „Nur in der Schule – sonst nie wieder – sortiert man nach Alter. Da brauchen wir etwas anderes. Ein stures Klassensystem befördert keine Kreativität.“

Positiv sieht er, dass in der Katholischen Schule in Harburg erst in Klasse acht die Schüler je nach angestrebtem Schulabschluss aufgeteilt werden. „So haben die Kinder nicht das Gefühl zu scheitern, und es gibt nicht mehr diese Problemklassen mit fünf bis sechs auffälligen Kandidaten“, berichtet Stüper. Problemschüler gebe es natürlich nach wie vor, aber „die Klassen funktionieren, es herrscht eine gute Atmosphäre“. Außerdem legt er Wert auf Kommunikation: „Wir bleiben am Ball mit den Schülern und Eltern, wenn es Probleme gibt.“ Der konstruktive Umgang miteinander kommt auch dadurch zustande, dass die meisten Schüler durchgängig von der Vorschule bis zum Schulabschluss bleiben. Außerdem ist die Schule mit ihren rund 700 Schülern relativ übersichtlich, Stüper kennt jedes Gesicht, dass ihm auf dem Pausenhof und im Klassenraum begegnet.

Ganz wichtig ist dem neuen Direktor die noch bessere Vernetzung zwischen Schule, Familie, Stadtteil und vor allem auch der Kirchengemeinde. „Ich möchte, dass Kirche so was wie eine Heimat für meine Schüler ist. Ein Ort, wo sie sich wohl und angenommen fühlen.“ Am Nachmittag wenn sie nach Hause kämen, seien viele Kinder einfach zu kaputt für Aktivitäten im Sportverein oder einer Jugendeinrichtung. Deshalb müssten die in den Schulen mehr Präsenz zeigen. Gerade von Seiten der Kirche wünscht sich Stüper deshalb mehr Engagement beim Nachmittagsangebot in seiner Schule: „Da tun wir noch nicht genug.“ Die Zusammenarbeit mit dem benachbarten katholischen Niels-Stensen-Gymnasium gestaltet sich schon sehr gut, an der Vernetzung zwischen Stadteilschule und Grundschule am Reeseberg muss nach Stüpers Meinung noch mehr gearbeitet werden, nach Außen und nach Innen: „Das ist eine Baustelle.“

Stüper ist auch in Zugzwang, denn seit drei Jahren müssen Eltern, die ihr Kind an seiner Schule anmelden wollen, Schulgeld zahlen, abhängig vom Einkommen: „Man muss sich bewusst für uns entscheiden.“ Enstprechend vielfältig ist das Nachmittagsangebot mit Kochkurses, Forschen im Wasserlabor, Werkeln in der Fahrradwerkstatt, Erstellen der Schülerzeitung, Theaterworkshops, Musizieren in der Schulband und vielem mehr. Die Zugehörigkeit zum Katholizismus ist nicht Voraussetzung, alle Kinder mit einem christlichen Hintergrund dürfen die Schule besuchen. Dennoch ist der Glaube präsent und wird eingefordert: freitags trifft man sich in der dritten Stunde zum Gottesdienst, an den Festtagen steht der Kirchenbesuch an und es gibt natürlich katholischen Religionsunterricht und die Möglichkeit zu beichten.

Michael Stüper ist sich also wirklich immer treu geblieben: In dem Wunsch mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, bei seinen jahrelangen Tätigkeiten in ein und dem selben Haus, seinem Glauben und seinem Lebensumfeld in Rahlstedt. Nur ein einziges Mal, noch als kleiner Junge, spielte er mit dem Gedanken, mal was ganz anders zu machen. Als es um seinem Traumberuf ging, stand für ihn fest: „Ich werde Pilot.“ Aber daraus ist nichts geworden – und das ist auch gut so, Stüper ist mit seinem Beruf nämlich ganz zufrieden: „Ich bin froh, dass ich mich für den Lehrerjob entschieden habe.“